Quelle: Ben Linse
Ben Linse
Bild: Ben Linse

Berlin - Pankow - Ulli Zelle ist zum Jahresausklang in der Wilhelm-Kuhr-Straße

Schmökern im hohen Norden +++ Genießen im "Stück vom Glück" +++ Lesen im Liegen

Was sich die Menschen in der Straße für das kommende Jahr wünschen – das möchte Ulli Zelle gerne wissen. Die Wilhelm-Kuhr-Straße verbindet die zwei Berliner Stadtteile Gesundbrunnen und Pankow und ist eine relativ kleine Straße.

Sie führt durchs Grüne, unter der S-Bahntrasse am Bahnhof Wollankstraße hindurch, am Flüsschen Panke vorbei und über den ehemaligen Mauerstreifen, auf dem heute japanische Kirschbäume stehen. Sie kreuzt auch einen beliebten Wanderweg. Ulli Zelle unternimmt einen Ausflug in die ruhige, eher dörflich anmutende Straße entlang des Bürgerparkes Pankow.

Dort spielte sich auch deutsch-deutsche Geschichte ab: Die Gegend war Grenzgebiet. Der Fußgängertunnel unter der S-Bahn war zu DDR-Zeiten zugemauert und hermetisch abgeschlossen. Oben auf dem Bahnsteig Wollankstraße standen DDR-Grenzsoldaten, denn die gesamte S-Bahn unterstand damals der DDR. Nutzen konnten den Bahnhof aber nur West-Berliner.

Die Malerin Alke Brinkmann lebt seit 18 Jahren mit Ehemann und ihren vier Kindern in der Wilhelm-Kuhr-Straße. Eher zufällig sind sie dort gelandet und fühlen sich dort sehr wohl. Die Malerin arbeitet - nicht weit weg von der Wilhelm-Kuhr-Straße - in einem Atelier, das einmal zur kanadischen Botschaft gehörte. Alle, die hier leben und arbeiten leiden unter der Zunahme des Flugverkehrs über ihren Dächern. Weg möchte die Malerin trotzdem nicht, denn der schöne Bürgerpark lädt zu Spaziergängen ein und ihre Straße ist recht familiär, man kennt und grüßt sich.

Alke Brinkmann wohnt gleich über der Buchhandlung "Pankebuch". Dort schmökert sie nicht nur in Büchern, sondern geht auch mal zum Teetrinken und Plaudern. Die schönsten Bücher des Nordens gibt es dort. Katrin Mirtschink lebt für ihre Literaturoase. Die Buchhandlung hat in diesem Jahr bereits das zweite Mal den "Deutschen Buchhandlungspreis" bekommen. Das Angebot ist einzigartig. Der Schwerpunkt liegt bei Geschichten aus Skandinavien, deshalb ist sie auch Partnerbuchhandlung der Nordischen Botschaften.

Nur zwei Häuser weiter erinnert eine Gedenktafel an Reinhold Burger, den Erfinder der Thermoskanne. Schon als kleiner Junge hat er im brandenburgischen Glashütte zwischen den heißen Schmelzöfen gearbeitet. Mit 15 ging Reinhold Burger nach Berlin in die Ausbildung und lernte, wie man medizinische Geräte aus Glas herstellt. Später gründete er eine eigene Firma. Seine Thermoskanne hat die Welt erobert. Die drei Enkel kümmern sich heute um sein Erfindererbe.

Kathleen Frerichs verspricht in ihrem Café "Stück vom Glück" besonders guten Kaffee. Sie hat sich vor zwei Jahren mit dem Café einen Lebenstraum erfüllt. Der Kaffee wird übrigens in ganz besondere Tassen serviert: Sie sind ein Recyclingprodukt – aus Kaffeemehl! Das Ambiente ist stilvoll und gemütlich und im Sommer kann man schön draußen sitzen. Selbst gemachte Torten und Brunch-Buffets machen das Café zu einem Treff für die Anwohner und ihre Gäste.

Etwas versteckt liegen die Delphin-Werkstätten. Dort können geistig beeinträchtigte Menschen lernen und arbeiten. Egal ob in der Wäscherei, in der Werkstatt für Recycling, beim Kerzen ziehen oder beim Honig schleudern - die Menschen arbeiten gerne hier. Industrie, Handwerk und junge Startups schätzen die Zusammenarbeit.

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Detlef Schmidt verhilft eigentlich Ruhebedürftigen in seinem Bettenladen zum gesunden Schlaf. Aber wenn es dunkel wird, liegt er zuweilen auch gerne selbst auf den Matratzen, die er verkauft. Das hat einen speziellen Grund. Denn zu Veranstaltungen kann man Lesungen oder Musik lauschen - im Liegen. Der findige Verkäufer bietet außerdem Bewegungskurse an, denn nur wer eine gute Muskultur hat, schläft gut – meint er.

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