Im Boxtempel in der Lehderstraße in Berlin (Quelle: Guido Kilbert)
Guido Kilbert
Bild: Guido Kilbert

- Ulrike Finck in der Lehderstraße in Berlin

Der Kunstgießer auf dem Hinterhof+++Der Cafébesitzer am Plattenspieler+++Die Boxer im „Tempel“
 
Die Lehderstraße ist eine außergewöhnliche Straße in Weißensee. Namensgebend war ein Berliner Unternehmer, der die Straße gepflastert hat und bedürftige Kinder beschenkte. Straßenprägend war die Familie Ruthenberg, die um ihre eigene Goldleistenfabrik herum 20 Höfe in Ziegelbauweise errichtete. Sie stehen unter Ensembleschutz und bieten heute reichlich Platz für Ideen
 

In der Lehderstraße 108 arbeiten 20 Frauen und fünf weibliche Azubis in der Ideentischlerei. Die wurde gegründet, um Frauen in klassischen Männerberufen einen Ort und Arbeit zu bieten. Die Werkstätten haben ausreichend Platz für die Tischlerei und für verschiedene Workshops. Benjamin Kniebusch schraubt in seiner Werkstatt auf dem Hof in der Lehderstraße 24 an alten Minis. Seit 2001 arbeitet er dort, weil er diese besondere Atmosphäre mag, in der Nachbarschaft und Hilfsbereitschaft normal seien.

So empfindet das auch Künstler Michael Bock, der als Botschafter a. D. in der ganzen Welt unterwegs war. Jetzt hat er sich in einer Künstlerhalle auf dem Steinmetzhof mit Ateliers, Studios und Galerie eingemietet. Dort sind Besucher gern gesehen. Der „Boxtempel“ ist eine angesagte Adresse unter Sportlern. Beim Boxen werden alle Muskeln trainiert, aber auch die Sinne und Reaktionsfähigkeit. „Ecki“ alias Eckhardt Lange trainiert Amateure, Profis und Freizeitsportler. Viele Prominente schwitzen in dem besonderen Sportstudio und das schon seit 28 Jahren.

IMPRESSIONEN VOM DREHTAG

Etwas versteckt arbeitet Bronzegießer Marc Krepp mit seiner Tochter Michèle auf dem Hinterhof der Lehderstraße 53. Der Bronzegießer gründete sein Atelier in den frühen 1980er Jahren in der Werkstatt auf dem Hinterhof eines Gründerzeithauses. Er gießt die Werke großer Bildhauer, wie zum Beispiel Mattheuers „Jahrhundertschritt“ am Potsdamer Museum Barberini. Gleich gegenüber der Gießerei hat Thomas Mascher sein Café „Emma T“. Er ist die gute Seele der Straße. Bei ihm treffen sich die Kiezbewohner bei Kaffee, Kuchen und Gesprächen. Einmal im Monat lädt er zur Ausstellungseröffnung.

Serviceinformationen