Protest gegen Steuerfinanzierung des Kirchentags [Quelle: rbb]
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- Was kostet der Kirchentag?

Der Deutschen Evangelische Kirchentag, der vom 24. bis zum 28. Mai in Berlin und Wittenberg stattfindet, soll ein Großereignis werden. Man erwartet etwa 100.00 Besucher. Der Kirchentag in Berlin wird wohl auch mit angepeilten 23 Millionen Euro der bisher teuerste werden. Der Berliner Senat bezuschusst die Veranstaltung mit 8,4 Millionen Euro und begründet dies unter anderem mit wirtschaftlichen Effekten für die Stadt. Ob die Rechnung aufgeht? 

Kurz vor Ostern hat der Vorverkauf für en Kirchentag deutschlandweit begonnen, doch die Nachfrage hält sich bisher in Grenzen. Von 140.000 Dauerteilnehmern war anfangs die Rede. Inzwischen geht der Veranstalter nur noch von etwa 100.000 aus.

Stephan Menzel ist seit einem Jahr Leiter der Finanzen beim Kirchentag und verantwortet den Etat der Großveranstaltung. Der Berliner Kirchentag sei deutlich teurer als vergangene Kirchentage. Und das aus zwei Gründen: Der eine sei das Reformationsjubiläum. Da gebe es viele zusätzliche Veranstaltungen, die etwas teurer sind. Und der zweite Grund: Die Raummiete in Berlin sei höher als in kleineren Städten.

Über die Hälfte der veranschlagten 23 Millionen Euro kommt aus Steuergeldern.  Die Evangelische Landeskirche gibt 3,2 Millionen dazu. Den Rest finanziert der Kirchentag selbst über Eintrittskarten, Spenden und Sponsoring. Vom Berliner Senat kommen 8,4 Millionen Euro – und das in einer Stadt, in der nur etwa 16 Prozent der Einwohner der evangelischen Kirche angehören.

Burkhard Kieker von der Tourismus- und Marketinggesellschaft visitberlin erhofft sich wirtschaftliche Effekte: „Wir wissen, was ein Tourist täglich im Durchschnitt ausgibt. Und daraus ergibt sich ein wirtschaftlicher Effekt, der wird ungefähr bei 50 bis 60 Millionen Euro für Berlin liegen.“

Ob die Rechnung aufgeht? Der typische Kirchentagsbesucher ist jung und hat wenig Geld. Er übernachtet in kostengünstigen Unterkünften oder Privatquartieren, für die der Kirchentag mächtig geworben hat.

Und dann gibt es noch die Fundamentalkritiker. Mit seiner Aktion „Das 11. Gebot“ kritisiert  David Farago seit langem die staatliche Förderung von Kirchentagen. Der religionskritische Aktivist sieht nicht ein, warum konfessionslose Steuerzahler für kirchliche Großveranstaltungen  zur Kasse gebeten werden.

Nun ist mit dem Auftritt von Barack Obama am Brandenburger Tor dem Kirchentag noch ein ganz besonderer Coup gelungen. Doch der kostet. Vor allem wegen der Sicherheitsmaßnahmen. Deshalb wird nun besonders gespannt auf die Einnahmen aus dem Ticketverkauf geblickt. Je weniger Gäste kommen, desto mehr muss gespart werden. Denn am Ende darf kein Minus stehen. Finanzchef  Stephan Menzel will mit einer schwarzen Null abschließen. Bisher ist das noch immer gelungen.

Beitrag von Susanne Heim

 

 

Der Kirchentag im rbb und im Ersten

rbb-Sendungen zum Kirchentag

Samstag, 20.5.
18.00 - 18.30 Uhr.
Die 100.000-Betten-Show
Reportage über die Vorbereitungen

Mittwoch, 24.5.
17.55 - 19.00 Uhr
Übertragung Eröffnungsgottesdienst – live
19.30 – 20.00 Uhr
Abendschau live vom Brandenburger Tor
21.45 - 22.25 Uhr
rbb aktuell live vom Brandenburger Tor

Donnerstag, 25.5.
09.00 - 09.30 Uhr
„Die 100.000-Betten-Show – Das Finale“

Samstag, 27.5.
18.00 – 18.30 Uhr
Himmel und Erde - live vom Gendarmenmarkt
 

ARD-Sendungen zum Kirchentag

Montag, 22.5.
23.30– 00:45 Uhr
Wie viel Religion verträgt Deutschland?

Donnerstag, 25.5.
10.00 – 11.00 Uhr
Gottesdienst Open Air live vor der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche
11.00 – 12.30 Uhr
Obama und Merkel live vom Brandenburger Tor

Sonntag, 28.5.
17.30– 18.00 Uhr
Magazin live aus Wittenberg von der Festwiese

weitere Themen der Sendung

Thomas Schröder, Jobvermittler für Tagelöhner [Quelle: rbb]
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Jobcenter für Tagelöhner

Thomas Schröder ist Tagesjobvermittler. Sein Büro ist im Jobcenter Neukölln. Dienstbeginn ist 4 Uhr, um 4 Uhr 30 kommen seine Kunden. Auch sie stehen mitten in der Nacht auf, um einen Job für einen Tag zu ergattern. Meist sind es Arbeiten auf dem Bau. Pro Woche vermittelt Thomas Schröder 15 bis 20 Jobs – sozialversicherungspflichtig und garantiert nach Mindestlohn bezahlt.

Baustelle St. Marien Detail, Quelle: rbb
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