Sebastian aus Warschau verkauft die motz - das ist besser als betteln, sagt er. [Quelle: rbb/Julia Rehkopf]
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- Singen oder Motz verkaufen – alles nur nicht betteln!

Sylvia aus Altglienicke sammelt Flaschen, Sebastian aus Warschau verkauft die Motz und Sheila aus Buenos Aires macht Musik – alle drei wollen nicht betteln.

Sylvia hat eine feste Stelle, doch sie kann wegen einer Sehbehinderung nicht voll arbeiten und verdient sehr wenig Geld. Deswegen sammelt sie Flaschen - in Parks, auf Bahnhöfen und im Regionalzug nach Schönefeld. In Mülleimern sucht sie nicht, sie sammelt nur die Flaschen, die offen herumstehen. Betteln würde sie niemals, sagt Sylvia, das wäre unter ihrer Würde.


Sebastian verkauft die Straßenzeitung motz. Er steht vor einer Sparkassenfiliale in Berlin-Schöneberg und hält den Kunden die Tür auf. Wie viele Polen ist er nach Berlin gekommen auf der Suche nach einem besseren Leben. In Polen ist die Arbeitssituation schwierig, in Berlin fand er einen Job. Doch dann habe ihn sein Chef betrogen, erzählt er. So landete er auf der Straße und bei Drogen. Er versucht, von seinem Geld auch noch seine Tochter in Polen zu unterstützen. Im Sommer gibt es auch manchmal kleine Jobs, aber im Winter ist es schwer, Geld zu sammeln, so Sebastian. Wenn es gar nicht anders geht, bettelt er auch. Aber er fühlt sich besser, wenn er etwas tut fürs Geld, zum Beispiel die motz verkauft. Dann begegnen ihm auch die Passanten freundlicher.


Sheila ist Schauspielerin aus Argentinien, und sie macht Musik. Sie singt und spielt Gitarre. Ihr großer Traum ist es, eine CD mit ihren eigenen Stücken zu produzieren. Dafür sammelt sie Geld. Sie kam nach Berlin aus Abenteuerlust und lernte hier andere Musiker kennen. Die haben ihr gezeigt, wie und wo man mit Straßenmusik Geld verdienen kann. Jetzt singt und spielt sie im Park an der Spree gegenüber der Museumsinsel und an anderen Orten, wo die Menschen Zeit und Lust haben, ihr zuzuhören. Es ist harte Arbeit, erzählt Sheila, aber sie verdient nicht schlecht damit: bis zu 200 € pro Tag. Ihr Prinzip ist, die Zuhörer nicht zum Spenden aufzufordern, sondern ihnen die Freiheit zu lassen etwas zu geben. Für sie ist das etwas ganz anderes als Betteln.

Beitrag von Julia Rehkopf und Oliver Soos

 

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