Michelsdorf
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Michelsdorf | Bild: rbb

- Lasst die Straße im Dorf

Früher gab es im Brandenburgischen Michelsdorf eine gut funktionierende Dorfgemeinschaft. Doch das ist vorbei, seit der Ortsbeirat und die Gemeinde Kloster Lehnin dem Verkauf einer öffentlichen Dorfstraße zustimmten. Nun müssen die Anwohner einen Umweg gehen, um zum Kindespielplatz zu kommen.

Im brandenburgischen Michelsdorf entzündete sich 2016 ein heftiger Streit um den Verkauf einer öffentlichen Straße. Ursprünglich ging es um die Veräußerung eines kommunalen Baugrundstücks. Einer der Kaufinteressenten wollte die angrenzende Straße gleich mitkaufen. Der Ortsbeirat und die zuständige Gemeinde Kloster Lehnin genehmigte darauf den Kaufantrag, obwohl es auch andere Bewerber für das Grundstück gegeben haben soll. Und zwar ohne Straße.

Helmut Welz, der damalige 0rtsvorsteher, wehrte sich entschieden gegen den Verkauf der Straße. Er startete eine Unterschriften-Campagne und sammelte jede Menge Gegenstimmen im Dorf. Der Großteil der Michelsdorfer unterschrieb die Petition. Doch das änderte nichts am Beschluss der Gemeinde.

Zusammen mit einer Gruppe von Dorfbewohnern begibt sich Helmut Welz noch einmal zur verkauften Straße "An der Feuerwehr". Die Bewohner sind aufgebracht. Es sei damals nicht öffentlich bekannt gemacht worden, dass die Straße verkauft werden solle. Man hätte nicht zum Wohle der Michelsdorfer entschieden, sondern zum Wohle einer Familie. Das sei nicht hinzunehmen.

Der Bürgermeister der Gemeinde Kloster Lehnin, Uwe Brückner, weist die Anschuldigungen zurück. Die Verfahren seien öffentlich durchgeführt und öffentlich im Ortsbeirat Michelsdorf erörtert worden. Die Vertreter des Ortsbeirats wollten sich zu der Angelegenheit jedoch nicht äußern. Bürgermeister Uwe Brückner erklärt weiterhin: "Was die Stimmung in dem Dorf angeht, glaube ich, tut es Not, dort zu versachlichen. Was ist denn da wirklich passiert?"

Viele Michelsdorfer haben das Vertrauen in die Gemeindeverwaltung verloren. Sie fühlen sich nicht mehr rechtmäßig vertreten. Bis heute sei man ihnen dort eine Erklärung schuldig: "Warum habt ihr unsere Straße verkauft?" An Versöhnung scheint niemand zu denken. Das Verhalten der Bürger untereinander sei nicht mehr schön, klagt einer der Bewohner. Es werde sicher noch eine ganze Weile dauern, ehe sich die Geschichte beruhigt hat. Helmut Welz fragt sich: "Ob wir das noch erleben?"

Beitrag von Nadja Tenge

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