Joachim Radke
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Joachim Radke | Bild: rbb

- Virtuell streiten

Im März reiste eine AfD-Delegation nach Syrien und traf sich mit Anhängern der Assad-Regierung um zu beweisen, dass in vielen Teilen Syriens normaler Alltag herrsche und die Flüchtlinge zurückkehren könnten. In den sozialen Netzwerken verteidigt der Berliner Busfahrer und AfD-Anhänger Joachim Radke diese Position. Wir haben ihn getroffen.

Joachim Radke aus Oranienburg ist Busfahrer bei der BVG und AfD-Mitglied. Er ist sehr aktiv auf den Facebook-Seiten von ARD, ZDF und rbb. Bis zu drei Stunden pro Tag sitzt er vor seinem Tablet. Er sieht eine Asylkrise, die bewusst von den Medien heruntergespielt wird: mehr Kriminalität, eine Spaltung der Gesellschaft, alles durch Angela Merkels Flüchtlingspolitik. Mit dieser Meinung eckt Radke bei Facebook oft an, wurde als Rassist oder Nazi beschimpft. Er hat Anzeige erstattet, weil ein User seine private Adresse veröffentlicht hat.

Streits, die aus dem Ruder laufen sind auch für den rbb fast täglich ein Thema. Viele Redaktionen haben eigene Social-Media-Betreuer. So auch der rbb. Tim Schwiesau muss Hetz-Kommentare, Provokateure ermahnen, den ein oder anderen User auch mal sperren: "Bei den meisten Streitigkeiten geht es natürlich um die ganz klassischen politischen Themen: Die ganze Flüchtlingsproblematik, rot-rot-grün hier der Senat in Berlin, wo die Leute ziemlich erzürnt sind. Aber das Thema, bei dem sich die Leute richtig die Köpfe einschlagen, wo wir die meisten Kommentare bekommen, ist Radfahrer gegen Autofahrer, da geht eigentlich immer total die Post ab."

Beleidigungen und Kommentare, die gegen das Gesetz verstoßen werden gelöscht. Doch die meisten User wissen ganz genau, was sie sich erlauben können. Für Provokateure gibt es eine eigene Strategie.

Joachim Radke bemüht sich, immer korrekt zu sein. In seinen Kommentaren beleidigt er niemanden persönlich. Doch er stichelt schon mal gerne gegen den politischen Gegner: "Da ja nun mal heutzutage sehr polarisierend diskutiert wird, schließe ich mich da gar nicht mal so unbedingt von aus, dass ich auch meine Meinung relativ vehement vertrete. Für mich ist das auch in Ordnung so, ich akzeptiere auch, wenn ein Mit-Diskutant seine Meinung auch mal ein bisschen provokativ rüberbringt, da kann ich gut mit umgehen."

Beitrag von Oliver Soos

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