Rolle
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- "Gottes Sohn! O wie lacht!"

Satire darf alles. Heißt es. Wenn das stimmt, gilt es dann auch für Comedy? Darf man über Religionen Witze machen? Über Jesus, Mohammed und Ganesha? Gibt es Tabus? Viele Fragen und viele Antworten von Shahak Shapira, Sanjay Shihora und den Datteltätern.

"Ein Comedian geht in diese 'Tabuzonen', damit das Publikum es nicht muss", sagt der in Israel geborene Shahak Shapira. Er ist der Shootingstar der deutschen Stand-Up Szene. Bei seinen Witzen über die Weltreligionen ist ihm so gut wie gar nichts heilig.

Die "Datteltäter" aus Berlin versuchen in ihren Sketchen Humor mit Aufklärung über den Islam zu verbinden. Dabei gibt es für die Comedians klare Grenzen: "Wir bedienen uns zum Beispiel keiner vulgären Sprache oder Fäkalienhumor", erklärt Fiete Aleksander. Und Younes Al-Amayra ergänzt: "Wir haben ein sehr junges Publikum, und weil uns auch die Eltern schauen, haben wir gewissermaßen so eine Vorbildfunktion".

Was darf Satire? Wie weit geht die Meinungsfreiheit? Daran scheiden sich die Geister, wenn es um Religion geht. Was für die einen ein guter Witz ist, empfinden andere als Gotteslästerung. Wegen Mohammed- und islamkritischer Karikaturen wurden zwölf Mitarbeiter der französischen Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo von islamistischen Terroristen ermordet.

Shahak Shapira kann über vieles von "Charlie Hebdo" oder der deutschen Satirezeitsachrift "Titanic" nicht lachen. Und Younes Al-Amayra befürchtet, dass Satire instrumentalisiert werden kann: "Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde Satire missbraucht und instrumentalisiert, um eine weitere Gruppe zu stigmatisieren". Grundsätzlich müssen aber auch Muslim "solche Sachen einfach ertragen können". Und Shahak Shapira sieht es als Berufsrisiko, wenn man als Comedians seinen Lebensunterhalt verdienen will: "Du kannst immer daneben sein. Das ist dein Job, genau zu wissen, wo die Grenze ist."

Beitrag von Milena Hadatty

Sanjay Shihora und Friederike Sittler
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Genau zu wissen, wo die Grenzen des Humors liegen, davon erzählt auch Sanjay Shihora im Gespräch mit Friederike Sittler. Geboren ist Sanjay Shihora in Indien, seit 1993 lebt er in Deutschland. Er ist Schauspieler und Gründer des "Kookaburra Comedy Clubs" in der Schönhauser Allee.

 

Zum Gespräch treffen sich Sanjay Shihora und Friederike Sittler im Sri Ganesha Hindu Tempel in der Neuköllner Hasenheide. In Berlin gibt es über 9.000 Hindus. Die Ganesha-Gemeinde besteht aus etwa 160 Familien. Die meisten sind indisch/sri-lankischer Herkunft. Noch ist der Tempel eine Baustelle, zurzeit werden die Gottesdienste in einer Baracke auf dem Grundstück gefeiert. Aber der Bau kommt gut voran: Alle paar Wochen kommt ein indischer Kunsthandwerker, der die Götterfiguren an der Turmfassade mit den Händen und einfachsten Werkzeugen formt. Finanziert wird alles aus privaten Spenden. 2019 soll der neue Tempel eröffnet werden.

weitere Themen der Sendung

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Die Jugend von heute

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Wenn die Seele krank ist

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Susanne Jung
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Abschied zu Hause

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