Depression
rbb
Bild: rbb

- Wenn die Seele krank ist

Psychische Erkrankungen gehören in Deutschland zu den häufigsten medizinischen Diagnosen. Jeder dritte Erwachsene ist betroffen. Doch Vorurteile und Berührungsängste bestimmen immer noch den Umgang mit der Krankheit. Der heute 22-jährige Toni lebt seit seiner Jugend mit Depressionen. Er wünscht sich mehr Offenheit und Verständnis.

Toni überlegt jedes Mal ganz genau, wem er was über seine Depressionen erzählt. Oft genug hat er erlebt, dass Familie und Freude mit dem Thema überfordert sind. "Oft habe ich auch das Gefühl, die Leute haben Angst, damit in Berührung zu kommen. Die wollen gar nicht wirklich darüber reden. Und dann wird es immer noch als Schwäche gesehen", erzählt der 22-Jährige.

Auch mit seiner besten Freundin redet er kaum darüber. Er weiß, dass sie ihm gern helfen würde, doch sie könne sich nicht in die Situation hineinversetzen und dann kommen Sprüche wie: "Geh doch mal raus und mach was. Lenk dich einfach ab, dann geht es weg." Aber so einfach geht das nicht weg, weiß Dr. Schulte-Herbrüggen, Ärztlicher Direktor der Bodelschwingh-Klink für psychische und psychosomatische Erkrankungen in Berlin. Er bestätigt Tonis Erfahrungen: "Wir haben Beispiele, wo sich Freunde oder Familie abwendet, aus Angst oder aus einem kulturellen Hintergrund, wo psychische Erkrankungen nicht akzeptiert werden können".

Bei Toni begann es, als er dreizehn Jahre alt war. Er fühlte sich oft niedergeschlagen und traurig. Dann kamen Suizidgedanken hinzu. Schließlich suchte er einen Therapeuten auf. Während sein Vater ihn unterstütze und Anteil an seinem Leiden nahm, fühlte er sich von seiner Mutter weniger ernst genommen und vermisste ihr Verständnis.

In der Bodelschwingh-Klinik werden regelmäßig Veranstaltungen angeboten, bei denen sich Angehörige von Betroffenen mit psychischen Erkrankungen über ihre Erfahrungen auszutauschen können. Ziel ist ein souveräner Umgang mit psychischen Erkrankungen und die Fähigkeit, Normalität im Alltag herzustellen.

Toni hofft zwar noch immer, dass die Depressionen irgendwann verschwinden, aber "wenn man das akzeptiert und weiß, man kann damit leben und es gibt auch viele andere Leute, die damit leben. Und ich finde es wichtig, dass man offen darüber reden kann und das es verstanden wird".

Beitrag von Nadja Tenge

weitere Themen der Sendung

Zigeunerschnitzel
rbb

Schokoküsse und Balkanschnitzel

Man muss schon sehr jung sein, um nicht mit "Negerküssen" und "Zigeunerschnitzeln" großgeworden zu sein. Und selbst heute ist noch längst nicht für alle selbstverständlich, auf Begriffe zu verzichten, die als diskriminierend empfunden werden.

Studentenhaus
rbb

Gerecht ohne Geschlecht

Jahrhundertelang war das männliche Geschlecht die maßgebliche Form in der deutschen Sprache. Das sogenannte männliche Generikum. Damit ist es vorbei. Die weibliche Form setzt sich langsam durch. Aber wie sprich und schreibt frau korrekt, damit sich alle Bürger*innen angesprochen fühlen?

Denkmal für die ermordeten Juden Europas
rbb

"Das wird man ja wohl noch sagen dürfen…"

Kaum ein außenpolitisches Thema ist in Deutschland so präsent wie Israel und der Nahostkonflikt. Doch darf man in Deutschland Israel kritisieren? Schließlich haben die Deutschen aufgrund ihrer Vergangenheit ein besonderes Verhältnis zu dem Land. Ist also Israel-Kritik ein Tabu? Das kann man untersuchen und Überraschendes feststellen.

Jugend
rbb

Die Jugend von heute

Wissen Sie, was ein "no go" ist? Das gleiche wie ein Tabu? Nein, erklären uns vier 15-Jährige. Ein "no go" ist etwas, was man auf gar keinen Fall tut. Ein Tabu dagegen ist veraltet. Etwas, was Eltern und Großeltern verboten haben. Dabei bestehen große Unterschiede zwischen dem, was Jungen und dem was Mädchen auf gar keinen Fall tun.

Susanne Jung
rbb

Abschied zu Hause

Früher war es üblich, Verstorbene noch eine Weile zuhause aufzubahren, um in Ruhe Abschied nehmen zu können. In einigen Regionen ist das bis heute so. Aber viele wissen gar nicht, dass auch hierzulande bis zu 36 Stunden nach dem Tod Hausaufbahrungen erlaubt sind – ganz gleich, wo die Angehörigen gestorben sind.

Rolle
rbb

"Gottes Sohn! O wie lacht!"

Satire darf alles. Heißt es. Wenn das stimmt, gilt es dann auch für Comedy? Darf man über Religionen Witze machen? Über Jesus, Mohammed und Ganesha? Gibt es Tabus? Viele Fragen und viele Antworten von Shahak Shapira, Sanjay Shihora und den Datteltätern.