Rabbiner Daniel Fabian
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- Religiöse Entschleunigung

Am Sonntag sollst Du ruhen – diese Regelung gilt zwar noch, wird aber löchrig. Bei den Juden gibt es die Sabbat-Ruhe, die in gesetzestreuen Gemeinden recht rigide ausgelegt wird. Nicht-Gläubige suchen Ruhe und Entschleunigung im Raum der Stille oder bei der Meditation.

Von Freitag Sonnenuntergang bis Samstag Sonnenuntergang plus 45 Minuten entfliehen fromme Juden jede Woche der Hektik des Alltags. Etwa 20.000 Juden leben in Berlin. Schätzungsweise 500 sollen diese strengen Schabbat-Regeln befolgen, schätzt Rabbiner Daniel Fabian von der gesetzestreuen jüdischen Gemeinde Kahal Adass Jisroel in Berlin-Mitte.

Es gibt 39 Tätigkeiten, die fromme Juden am Schabbat vermeiden sollen. Dazu gehören die Benutzung von elektrischen Geräten und Reisen. Das heißt: Das Licht wird per Zeitschaltuhr vorab programmiert, das Essen wird vorbereitet, notwendige Wege vorher erledigt, denn auch die öffentlichen Verkehrsmittel sind tabu. Dafür ist viel Zeit für das Gebet und für die Familie. Erholung als religiöse Regel – Rabbiner Fabian fühlt sich nach dem Schabbat oft, als könnte er Bäume ausreißen.

Wer Einkehr und Ruhe sucht, findet sie an unerwarteten Orten in Berlin. Mitten im Getümmel im Brandenburger Tor: der Raum der Stille. Seit 1994 befindet sich der Raum im Brandenburger Tor. Ein christliches Konzept. Aber offen für alle Religionen und auch für Konfessionslose. 2 Millionen Besucher sollen seither die Stille hier genossen haben. Die Erfahrungen sind im Gästebuch nachzulesen - bald auch in gedruckter Form.

Andere suchen Einkehr in der Meditation – zum Beispiel im buddhistischen Zentrum in Weißensee. Es soll ein wirksames Mittel gegen Stress sein und glücklich machen.

Beitrag von Ismahan Alboga

 

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