Das Kukuck - Kunst- und Kulturzentrum Kreuzberg (1984); Quelle: imago/Peter Homann
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Das Kukuck - Kunst- und Kulturzentrum Kreuzberg (1984) | Bild: imago/Peter Homann

Von Hausbesetzern und Miethaien - Ihr kriegt uns nicht hier raus!

Sie galten als Chaoten, Steinewerfer, Terroristen - die Hausbesetzer der 80er Jahre in West-Berlin. Der Häuserkampf forderte sogar einen Toten. Doch hinter brennenden Barrikaden und Straßenschlachten entstanden alternative Lebensformen, experimentelle Kunst und auch eine neue Protestkultur.

Das was sie damals schufen, gehört heute zum Vokabular des Stadtmarketings. Berlin gilt als rebellisch, subkulturell, weltoffen, grün, kreativ. Tausende Touristen kommen jährlich, Partypeople feiern die Clubszene, Kreative und Startup-Gründer zieht es in die Hauptstadt. Besonders Kreuzberg ist schwer angesagt.

Geplant hatten Politiker in den 80er Jahren eigentlich etwas ganz anderes: Eine autogerechte Stadt sollte entstehen. Altbauten drohte der Abriss oder waren dem Verfall preisgegeben. Spekulanten und Wohnungsbaugesellschaften vertrieben die Mieter und ließen die Häuser systematisch verfallen. Um dann mit Steuerförderung teure Neubauten zu errichten. So kam es zu der absurden Situation, dass einerseits Wohnungsmangel herrschte, während gleichzeitig Tausende Wohnungen leer standen. Ganze Straßenzüge und Gründerzeitbauten drohten dieser Wohnungspolitik zum Opfer zu fallen. Dagegen setzten die Rebellen ein sichtbares Zeichen, indem sie Häuser besetzten und begannen, sie vor dem Verfall zu bewahren.

Das so genannte "Instandbesetzen" war mehr als nur Heizen und ein bisschen Malern. Denn das Bewohnbarmachen der Häuser erforderte Planung, Organisation und Fachwissen. Der Wert alter Bausubstand wurde erst in dieser Zeit entdeckt. "Heimwerken als Protest" - mit ihren "Instandsetzungsarbeiten" entwickelten die Hausbesetzer nicht nur eine neue Protestkultur, sondern vertraten damit zugleich auch konservative Werte wie "bewahren", "bleiben" und "erhalten". Sie bewiesen, dass es per Selbsthilfe preisgünstig gelingen kann, Altbauten vor dem Verfall zu retten. Damit stießen sie auf große Sympathien in der Bevölkerung und setzten verantwortliche Politiker unter Zugzwang. In Verhandlungen gelang es viele der besetzten Häuser zu legalisieren, sie durch neu entwickelte Genossenschaftsmodelle dem Zugriff durch Spekulanten dem Markt zu entziehen und über Jahrzehnte bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Nirgendwo sonst wurde so nachhaltig und mit so geringen Mitteln so niedrige Mieten erzielt und zugleich die Bewohner so umfassend an der Sanierung, Gestaltung und Verwaltung ihrer Häuser beteiligt. Und so retteten die Hausbesetzer nicht nur ganze Häuserblocks vor dem Abriss, sondern bewirkten ein grundlegendes Umdenken in der Wohnungspolitik. Die Frage, wie wohnen bezahlbar bleibt, ist angesichts explodierender Mieten aktueller denn je. Was ist geblieben von der Revolte von damals?

Der Film begleitet drei ehemalige Hausbesetzer: Eine Ikone der Undergroundmusik, einen Pfarrer und einen Mietrechtsaktivisten.

  • Käthe Kruse, Künstlerin (58)

  • Thomas Dietrich Lehmann, Pfarrer (62)

  • Kurt Jotter, Mietrechtsaktivist, Aktionskünstler, (67)

Ein Film von Silke Meyer

Erstausstrahlung

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