Hörbuch Das Jahr, nachdem die Welt stehen blieb; (c) Oetinger audio
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Oetinger Audio - Das Jahr, nachdem die Welt stehen blieb

Wie weiter, wenn von man von heute auf morgen die Mutter verliert und das Gefühl hat, dass die Welt still steht, während alle anderen weiter leben?

Diese Frage stellt Clare Furniss in ihrem bewegenden Roman. Maria und Katarina Koshny machen daraus ein emotionales Hörbuch. Henning Schmidt hat es für Euch gehört. 

Der Roman wird aus der Perspektive von Pearl erzählt. Die ist 15 und lebt ein sorgenfreies Leben in London, bis ihre Mutter an einem Tag im März bei der viel zu frühen Geburt ihrer Halbschwester Rose stirbt. Für Pearl bleibt nun die Welt stehen und ihre maßlose Trauer projiziert sie auf Rose, die sie das ganze Buch über nur “die Ratte“ nennt. Auch ihrem Stiefvater macht sie Vorwürfe, er habe ihre Mutter dazu gedrängt, noch ein Kind zu bekommen, trage also eine Mitschuld an ihrem Tod. Immer weiter isoliert sich Pearl und bricht auch den Kontakt zu ihrer Freundin Molly ab. Erst als Finn in ihr Leben tritt, beginnt sich Pearl ganz langsam wieder zu öffnen und ihre Welt nimmt ganz langsam wieder Gestalt an.“

Das Jahr, nachdem die Welt stehen blieb“ wäre ein sehr trauriges und schwer erträgliches Buch, hätte sich Clare Furniss nicht einen Kniff überlegt. Immer wenn die Situation kritisch zu werden droht, erscheint Pearl ihre Mutter. Mit der diskutiert Sie dann die aktuelle Situation. Dass beide dabei nicht auf den Mund gefallen sind, macht “Das Jahr, nachdem die Welt stehen blieb“ an vielen Stellen dann doch zu einem unterhaltsamen Hörbuch. Laut loslachen muss man hier zwar nicht, doch je länger das Hörbuch läuft, kommt man aber nicht umhin, zu schmunzeln und in sich hinein zu lächeln.

Dass dem Hörbuch der Drahtseilakt zwischen den Themen Tod, Trauer und Unterhaltung gelingt, ist auch Maria und Katharina Koshny zu verdanken. Maria Koshny, bekannt als Synchronstimme von Jennifer Lawrence in den “Die Tribute von Panem “ Filmen, verleiht Pearl mit ihrer Stimme eine beeindruckende Mischung aus Wut, Trauer und Verletzlichkeit. So könnt Ihr Euch von Anfang an in Pearl und ihr emotionales Chaos hineinversetzen. Katharina Koshny liest die Rolle von Pearls Mutter mit einer herrlichen Schnoddrigkeit. Dies trägt viel dazu bei, die im Buch angelegte Tragikkomik auch ins Hörbuch zu transportieren. Beide Sprecherinnen, die auch im wahren Leben Mutter und Tochter sind, harmonieren sehr gut und machen “Das Jahr, nachdem die Welt stehen blieb“ zu einem emotionalen Hörerlebnis.

Die Auszeichnung mit dem Deutschen Hörbuchpreis im Januar 2015 ist für mich absolut verdient. Unter dem Strich möchte ich Euch das Hörbuch trotz des schwierigen Themas ans Herz legen. Besonders wer selbst schon einmal einen wichtigen Menschen verloren hat, wird immer wieder meinen, Ähnliches erlebt zu haben. Alle anderen lernen auf einfühlsame und unterhaltsame Weise etwas über Trauer, Tod, aber auch den Neubeginn nach einem großen Verlust. Ich gebe die Note 2 +.