Hörbuch Hamburg - Die unendliche Geschichte

"Die unendliche Geschichte" von Michael Ende (1929-1995) gehört zu den modernen Klassikern der Kinder- und Jugendliteratur. 2014, genau 35 Jahre nach Erscheinen des Buches, hat der Westdeutsche Rundfunk eine neue Hörspielfassung produziert. Henning Schmidt stellt sie vor.
 

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Bastian Baltasar Bux. Der ist ein zurückgezogener, phantasievoller, etwas schwächlicher und dicklicher Junge, der in der Schule gemobbt wird. Auf der Flucht vor seinen Mitschülern stolpert er eher aus Versehen in das Antiquariat von Karl Konrad Koriander und stößt dort auf "Die unendliche Geschichte". Spontan stiehlt Bastian das Buch aus Herrn Korianders Laden, zieht sich auf den Dachboden seiner Schule zurück und beginnt das Buch zu lesen. Es handelt vom Land Phantasien, das durch das Nichts bedroht wird. Das Nichts lässt Phantasien Stück für Stück verschwinden. Ursache des Nichts ist eine Krankheit der kindlichen Kaiserin. Atréju, vom Volk der Grünhäute, wird ausgeschickt, eine Medizin zur Rettung der kindlichen Kaiserin zu finden. Er erfährt, dass die kindliche Kaiserin nur durch einen neuen Namen geheilt werden kann. Den kann ihr jedoch nur ein Menschenkind geben. So wird Bastian, für den die Grenzen zwischen Realität und Fantasie mehr und mehr verschwimmen, gemeinsam mit Atréju und dem Glücksdrachen Fuchur zum Retter Phantasiens. Doch diese Rolle birgt große Gefahren.

Sehr aufwändige Produktion nahe an der Buchvorlage

Der WDR hat sich für dieses Hörspiel mächtig ins Zeug gelegt. Mehr als vierzig Sprecherinnen und Sprecher hauchen der Welt von "Die unendliche Geschichte" Leben ein. Dramaturgin Ulla Illerhaus und Regisseurin Petra Feldhoff schaffen es, mit ihrer Inszenierung nahe am Buch zu bleiben und in die viereinhalb Stunden Gesamtlänge alle wichtigen Handlungsstränge einfließen zu lassen. So wird das Buch ohne schmerzhafte Kürzungen ins Hörspiel übertragen und das Hörspiel regt, wie das Buch, zum Nachdenken über unsere Welt und die Rolle der Phantasie in ihr an. Die Sprecherinnen und Sprecher wirken ausnahmslos sehr gut besetzt. Die beiden Erzähler, Anna Thalbach und Hans Kremer, führen wunderbar durch die beiden Erzählebenen, Menschenwelt auf der einen Seite und Phantasien auf der anderen Seite, hindurch. Der dichte Klangteppich und die von Felix Rösch eigens für das Hörspiel komponierte und vom WDR Symphonieorchester eingespielte Musik sorgen dafür, dass Ihr wunderbar tief in die Welt von "Die unendliche Geschichte" eintauchen und den Alltag hinter Euch lassen könnt.

Verdiente Auszeichnung

Bei diesem Hörspiel gibt es nichts zu meckern. Hervorragende Sprecherinnen und Sprecher und eine intelligente Inszenierung, die der Buchvorlage gerecht wird, treffen auf eine dichte Atmosphäre aus Klängen und toller Orchestermusik. Im Endergebnis schaffen WDR und Hörbuch Hamburg ein absolutes Hörerlebnis, das Euch viereinhalb Stunden super unterhält. Die Auszeichnung mit dem Deutschen Hörbuchpreis 2016 in der Kategorie "Bestes Kinderhörbuch" ist verdient. Eine kleine Warnung sei an dieser Stelle aber ausgesprochen. Wegen ihrer Länge von viereinhalb Stunden ist "Die unendliche Geschichte" nichts für ungeduldige Naturen. Mal schnell nebenher hören funktioniert hier nicht. Wer nicht die Geduld hat, sich voll und ganz auf die Geschichte einzulassen, sollte von "Der unendlichen Geschichte" die Finger lassen. Alle anderen Hörspiel und Hörbuchfans ab 10 Jahren sollten dieses Highlight auf keinen Fall verpassen.