Cover Die Seiten der Welt; E-Book; Quelle: fischerverlage.de

argon-verlag - Die Seiten der Welt

Bücher, in denen Bücher den Hintergrund für eine fantastische Welt bilden, sind nichts grundlegend Neues. Man denke an “Die Stadt der träumenden Bücher“ von Walter Moers und natürlich Cornelia Funkes “Tintenwelt“.

Kai Meyer, einer der erfolgreichsten Fantasy-Autoren Deutschlands, legt mit “Die Seiten der Welt“ seine Version einer fantastischen Bücherwelt vor. Simon Jäger leiht ihr in einer ungekürzten Hörbuchfassung seine Stimme. Henning Schmidt verrät Euch, ob sich das Zuhören lohnt.

Die Seiten der Welt versetzen Euch in eine Welt, die oberflächlich unserer Welt in der Gegenwart gleicht. Wir befinden uns zu Beginn der Geschichte in England. Hier lebt die 14-jährige Furia Faerfax mit ihrem Vater Tiberius, ihrem Bruder Pip, der Haushälterin Pauline und einem Chauffeur abgeschieden auf einem alten Landsitz. Furia und ihr Vater gehören zu den letzten Bibliomanten. Das bedeutet, sie können Magie aus Büchern ziehen, damit Wunder wirken und zaubern. Furias Familie muss sich vor der Adamitischen Akademie verstecken, die über die Einhaltung der Regeln der Bibliomantik wacht. Der Grund dafür liegt 200 Jahre zurück. Damals verfasste Siebenstern, ein Vorfahre Furias, leere Bücher. Diese sollen die Macht besitzen, sämtliche Bücher mit Leere zu infizieren und so die Literatur auszulöschen. Als Strafe für Siebensterns Tat wurden Furias Vorfahren aus dem Kreis der anderen Bibliomanten ausgeschlossen und gejagt. Furias Vater versucht seine Familie zu rehabilitieren, indem er sich zusammen mit Furia in fremde Bibliotheken teleportiert, von dort die leeren Bücher stiehlt und sie zerstört. Bei einem solchen Unternehmen wird Furias Vater getötet. Mit Mühe wieder Zuhause angekommen, muss Furia feststellen, dass das Anwesen ihrer Familie von Unbekannten überfallen wird. Furia entkommt nach Libropolis, einem geheimen Bibliomantendorf, kann aber nicht verhindern, dass Pip entführt wird. In Libropolis lernt sie ihre neuen Freunde Finnian und Cat kennen. Gemeinsam müssen sie nun nicht nur Pip befreien, sondern auch erkennen, dass fast alles in der Welt der Bibliomantik ganz anders ist, als die Akademie glauben machen will.


Das Urteil über die Seiten der Welt fällt etwas schwer. Einerseits entwirft Kai Meyer eine sehr fantasievolle Welt mit vielen charmanten Ideen, an der Ihr viel Spaß haben könnt. Da wären zum Beispiel die sprechende Leselampe und der sprechende Sessel, die lebenden Origamis, die sich vom Staub auf den Bücherregalen der Fearfexschen Bibliothek ernähren oder die Exlibri. Das sind zum Leben erwachte literarische Figuren, die durch Bibliomantik aus ihren Büchern gefallen sind und nun durch die Bibliomanten unterdrückt werden. Das alles fügt sich durchaus stimmig zusammen. Auch Simon Jäger macht seinen Job, wie eigentlich immer, sehr gut. Trotzdem verdient das Buch, würde man eine Schulnote vergeben, höchstens eine zwei Minus. Das liegt vor allem an der misslungenen Hauptfigur. Furia ist anfangs verträumt und weiß noch wenig über die Welt. Kaum ist sie aber nach Libropolis geflüchtet, mutiert sie zu einer unglaublich arroganten und über weite Strecken unsympathischen Figur, der ihre bibliomantischen Kräfte zu Kopf steigen. Außerdem ist sie extrem auf die Rettung ihres Bruders fixiert. Was sonst noch alles im Laufe der Geschichte enthüllt wird und mit ihren Freunden passiert, ist ihr über weite Strecken erschreckend egal. Deshalb hatte ich große Schwierigkeiten mich beim Hören mit Furia zu identifizieren. Zu den eigentlichen Helden werden für mich im Laufe der Geschichte Cat und Finnian, aber hört selbst. Insgesamt ist „Die Seite der Welt“ zwar ein spannender Fantasy Roman, den ich Euch durchaus empfehlen kann, Kai Meyer verschenkt aber mit seinem unsympathischen Hauptcharakter Potenzial. Gelingt es ihm, in Band zwei Furia anders auftreten zu lassen, könnte er, ganz gegen das Klischee, besser werden als Band 1
 

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