Der Audio Verlag - "The Diviners – Aller Anfang ist böse"

Libba Bray kombiniert in ihrem Roman "The Diviners – Aller Anfang ist böse" unter anderem Mystery und Thriller und verlegt die Handlung in das New York der 20er Jahre. Henning Schmidt hat sich die ungekürzte Hörbuchfassung des Romans angehört und verrät, ob diese wilde Mischung aufgeht. 

Hauptfigur des Romans ist die 17-Jährige Evie O'Neill, die 1926 nach einem peinlichen Zwischenfall auf dem gesellschaftlichen Parkett zu ihrem Onkel nach New York geschickt wird. Der leitet dort wenig erfolgreich das Museum für Aberglauben und Okkultes. Zunächst ist Evie lediglich entschlossen, die wilde Atmosphäre aus illegalen Flüsterkneipen, skandalösen Tanzrevuen und Jazzclubs in vollen Zügen zu genießen. Doch dann beginnt ein brutaler Ritualmörder mit scheinbar übernatürlichen Kräften, sein Unwesen zu treiben. Die hat Evie allerdings auch. Sie ist ein sogenannter Diviner. Das bedeutet, dass sie aus Gegenständen die Geschichte und dunklen Geheimnisse ihrer Besitzer herauslesen kann und diese dann in Trancezuständen noch einmal miterlebt. Ein gefährlicher Wettlauf beginnt. Werden Evie, ihr Onkel William, sein Mündel Jericho und der Museumsangestellte Sam den Mörder stoppen können, bevor er sie findet?

Atmosphärisch gelungen und spannend

Die größte Stärke des Romans ist die gelungene Abbildung der Atmosphäre im New York des Jahres 1926. Evie und ihren Freunden folgt man gerne in Jazzclubs, schlüpfrige Revuen und zwielichtige Flüsterkneipen. Auch der Spannungsbogen weiß zu überzeugen. Nach einem gemächlichen Beginn steigt er steil an und die Geschichte wird sehr packend. Die Mischung aus Thriller und Mystery ist insgesamt gelungen, wirkt aber zum Ende hin ein bisschen übertrieben. Dazu trägt auch bei, dass neben Mystery und Thriller auch Steampunk verarbeitet wird. Weniger wäre hier mehr gewesen.

Überwiegend blasse Figuren

Statt noch ein drittes Genre in ihren Roman zu quetschen, hätte Libba Bray gut daran getan, mehr Zeit in die Entwicklung ihrer Figuren zu investieren. Die bleiben bis auf Evie überwiegend blass. Man erfährt nur wenig über ihren Hintergrund. Einige Figuren tragen so wenig zur eigentlichen Handlung bei, dass man sich fragt, was sie in dem Buch überhaupt verloren haben. Da es sich jedoch um den ersten Band einer geplanten Tetralogie handelt, besteht Hoffnung, dass die Figuren in den drei folgenden Büchern noch eine Entwicklung hin zu mehr Charaktertiefe durchmachen werden.

Eine gute Sprecherleistung

Ein gutes Zeugnis kann man Sprecherin Anja Stadlober, unter anderem bekannt als deutsche Stimme von Zooey Deschanel und Emma Stone, ausstellen. Ihr gelingt es, die Atmosphäre des Buches gut zu transportieren und mit ihrer Stimme jedem Hauptcharakter seine eigne stimmliche Färbung zu verleihen. So sind diese stets gut zu unterscheiden. Auch die spannenden und gruseligen Stellen des Buches liest sie in einem guten Tempo. Zuzuhören wird so zu einer angenehmen Beschäftigung. Das ist wichtig, denn mit rund 18 Stunden hat dieses ungekürzte Hörbuch eine ordentliche Länge. Etwas Durchhaltevermögen solltet Ihr für dieses Hörbuch also auf jeden Fall mitbringen.

Insgesamt ein gutes Hörbuch

Alles in allem ist "The Diviners – Aller Anfang ist böse" trotz der Schwächen in der Figurenzeichnung ein gelungenes Hörbuch. Eine Hauptfigur, mit der man sich identifizieren kann, gepaart mit einer spannenden Handlung machen Lust auf mehr. Fans der Genres Mystery und Thriller ab 14 Jahren machen mit diesem Hörbuch nichts falsch und können guten Gewissens zugreifen.