Krieg der Chauffeure - Taxis gegen Uber

Der US-Konzern Uber macht den Taxifahrern das Leben schwer. Dabei nutzen Fahrer, die über Uber vermittelt werden, auch unlautere Mittel. Sie müssten eigentlich nach jeder Fahrt in die Firma zurückkehren, doch tatsächlich warten sie an Sammelpunkten und kreuzen auf der Suche nach Fahrten durch die Stadt. Die Taxifahrer reagieren mit sogenannten Uber-Jägern, die Verstöße dokumentieren und den Taxi-Krieg befeuern. Doch auch Taxifahrer halten sich nicht immer an die Regeln.

Anmoderation: Dass Taxifahrer richtig ungemütlich werden können, erleben zurzeit  Fahrer des amerikanischen Fahrdienstvermittlers Uber. Wer über die Uber-App einen Wagen bestellt, fährt oft günstiger als mit dem Taxi. Im Kampf um Kunden greifen Uber-Fahrer aber auch zu unlauteren Mitteln. Dagegen wehren sich Taxifahrer jetzt mit radikalen Maßnahmen. Sascha Adamek, Bettina Malter und Susanne Katharina Opalka über den Taxikrieg in  deutschen Großstädten.

Zwei "Uberjäger" durchforsten die Berliner Nacht. Undercover fahnden die beiden Taxifahrer sie nach Miet-Limousinen, die zu Billigtarifen für das US-Unternehmen Uber Fahrgäste transportieren und dabei gegen geltendes Recht verstoßen

Uber-Jäger

"Da ist einer, langsam, langsam, langsam hier rechts."

Sie entdecken eine UBER-Limousine auf einem Parkplatz. Das ist verboten, denn im Unterschied zu Taxen, darf dieser nicht irgendwo in der Stadt auf Aufträge warten – so wollen es die Vorschriften.

Um den Fahrer zu überführen, bestellen die UBER-Jäger jetzt über die UBER-App im Smartphone ein Auto.

Uber-Jäger

"Ich sage mal, ich will zum Kottbusser Damm fahren. Die Tour würde jetzt mit UBER 10,44 Euro kosten. Der hat angebissen. Der hat angebissen. Der wird jetzt vor uns halten. Da ist er."

Damit ist für die Taxifahrer bewiesen, dass der UBER-Fahrer vorschriftswidrig auf einem Parkplatz auf den nächsten Auftrag gewartet hat.  Denn für Fahrer von Mietwagen im Personenverkehr gilt die sogenannte Rückkehrplicht.

Die funktioniert so:

Nehmen wir eine Mietwagenfirma mit Sitz in Schönefeld vor den Toren Berlins. UBER vermittelt ihr eine Fahrt vom Flughafen Tegel zur Messe. Kommt nicht sofort ein neuer Auftrag, muss das Auto an den Betriebssitz zurückkehren. Teuer und Unrentabel, also lässt man es und fährt weiter auf der Suche nach Kunden quer durch Berlin oder wartet entgegen der Vorschriften auf einem Parkplatz auf Aufträge.

Die Rückkehrpflicht soll die Taxibranche vor der Konkurrenz von Mietwagenfirmen schützen. Denn Taxen müssen alle Fahrgäste transportieren – 24 Stunden am Tag und zu festen Preisen – sie sind Teil des Öffentlichen Nahverkehrs.

Uber-Jäger

"Da ist noch einer!"

Die Jagd geht weiter. Am Brennpunkt Flughafen Tegel:

Uber-Jäger

"Das ist immer eine heikle Situation natürlich … Wenn der Fahrer das sieht, dann kommen sie oft sehr aggressiv: Was machst du da, warum fotografierst du mein Auto?"

Die gesammelten Indizien schicken die Taxi-Detektive regelmäßig an die Aufsichtsbehörden. Kontraste gegenüber schweigt man dort auf Anfrage jedoch.

UBER-Autos erkennen sie meist am Autotyp oder an wiederkehrenden Firmenkennzeichen:

Uber-Jäger

"Und der schwarze Mercedes hat den Kofferraum geschlossen und auch Licht ausgemacht …"

Uber-Jäger

"Aber er selbst ist auch nicht mehr am Fahrzeug. Das ist sehr interessant. Wo ist der denn hin?"

Ja er darf sich hier nicht bereitstellen. Und wenn er hier wartet dann stellt er sich definitiv bereit und das ist schon illegal.

Haben die Verstöße bei UBER-Partnerfirmen System?

Wir wollen es genauer wissen und unternehmen selbst verdeckt Fahrten mit UBER. Ein Fahrer bestätigt, dass er regelmäßig gegen die Rückkehrpflicht verstößt.

Kontraste

"Was ist Ihr Kennzeichen?"

Fahrer

"Königs Wusterhausen. Gehört zu Brandenburg."

Kontraste

"Müssen Sie nicht zurückfahren?"

Fahrer

"Ja schon …"

Kontraste

"Aber das machen Sie nicht?"

Fahrer

"Ich fahre ein bisschen in die Richtung. Aber wenn man es wirklich machen würde, arbeitet man gar nichts mehr. Bringt nichts."

Kontraste

"Wo ist die Firma in Brandenburg?"

Fahrer

"In Schönefeld."

Wir suchen nach der angegebenen Adresse  und landen in dieser Barackensiedlung. Laut Handelsregister residiert hier die vom  Fahrer genannte Firma mit dem Namen "Blackstar". Aber niemand scheint hier zu sein.

Wir haben Glück und erwischen einen Postboten, der Post für Blackstar einwirft und seine Vermutung hat:

Kontraste

"Hier steht Taxiservice Black Star …"

Postbote

"Das ist nur die Briefkastenfirmen."

Kontraste

"Also gibt es die gar nicht hier?"

Postbote

"Nein. Ich bin seit 4 Jahren hier äh …"

Auf diesen Parkplatz müssten die Mietlimousinen zurückkehren. Aber er ist verwaist. Auf Anfrage schweigt die Firma dazu.

Eine weitere Partnerfirma von UBER mit dem Namen HT Taxizentrale soll ein paar Straßen weiter residieren – ebenfalls in Schönefeld. Ein bizarrer Ort mit einem Briefkasten. Die Firma nicht erreichbar.

Kontraste

"Hallo?"

Was sagt UBER? Man prüfe. Grundsätzlich arbeite man nur mit Mietwagenfirmen zusammen, die zuvor von der Industrie- und Handelskammer zertifiziert wurden.

Das UBER Prinzip gleicht einer Kaskade: Uber ist nur eine digitale Plattform, die Aufträge an Mietwagenfirmen vermittelt, die wiederum selbstständige oder angestellte Fahrer haben.  Wenn unterhalb von UBER etwas schiefläuft, sagt UBER, sie seien nur Vermittler und nicht verantwortlich.

In Ländern wie den USA  habe UBER mit diesem System die ganze Taxibranche zerrüttet, sagt die Verkehrsexpertin von Verdi, Mira Ball:

Mira Ball, Verkehrsexpertin Verdi

"In New York ist ganz klar dass der Umstieg auf Uber von den Taxen, aber auch vom öffentlichen Nahverkehr stattgefunden hat. Es hat fast keine Reduzierung des Verkehrs gegeben. Im Gegenteil es ist jetzt mehr Verkehr. Und die Taxenunternehmen haben große Schwierigkeiten."

Taxidemo Düsseldorf

"Uber raus, Uber raus, Uber raus!"

Düsseldorf vor zwei Wochen. Taxifahrer demonstrieren vor der Zentrale des amerikanischen Fahrdienstleisters UBER. Wie groß die Wut gegen Uber ist, zeigt diese

Taxifahrer bedrängen einen Uber-Fahrer:

Taxifahrer im youtube-Video

"Ey Kollege, was machst du? Fährst du für UBER? Geh mal zur Seite Bruder. Arbeitest Du für Uber? Du darfst hier keine Aufträge annehmen. Du weisst das ganz genau. Du kommst hier gar nicht mehr raus. Mach Fenster runter. Wir wollen nur mit dir reden. Wichser!"

Nötigung, Drohungen, die Wut der Taxifahrer eskaliert. Die Taxigenossenschaft verurteilt das, versteht aber den Protest:

Dennis Klusmeier, Vorstandsvorsitzender Taxi-Düsseldorf eG

"Es gibt da eine Riesenwut eigentlich auch bei den Kollegen. das offensichtlich es ein Unternehmen gibt das über dem Gesetz steht. Ich habe ganz tief in mir drin habe ich da Verständnis für. Weil diese Menschen sind in ihrer Existenz bedroht und fühlen sich von den Ordnungsbehörden einfach alleine gelassen."

Auch in Düsseldorf geben die Behörden KONTRASTE keine Auskunft über die Zahl der Verstöße.

Ihren Job machen hier der Taxifahrer Cihan Ünal und sein Kollege Stefan Kehren. Sie suchen am Düsseldorfer Airport nach UBER-Fahrzeugen.

Taxifahrer

"Da ist einer: Der Schwarze Bonner der fährt jetzt los."

Der Wagen verlässt den Airport ohne Fahrgast. Sein Kennzeichen Bonn. Die Uberjäger glauben, dass er jetzt nach Bonn zurückfahren müsste. Stattdessen beobachten sie eine bizarre Tour durch Düsseldorf:

Taxifahrer

"Also das ist eine absolute sinnlose Leerfahrt die er hier veranstaltet. Und der fährt einfach quer durch die Stadt und bin gespannt wo das jetzt gleich endet. Wir sind jetzt 25 Minuten unterwegs locker 12 bis 15 km ist er durch die ganze Stadt gefahren, auch sehr komisch durch die ganze Stadt. Er hätte auch ganz anders fahren können. Er hätte auch naja. Aber wie du siehst es lohnt sich absolut nicht. Das ist ein No-Go, das ist ein Minusgeschäft direkt von der ersten Minute an."

Plötzlich macht der UBER-Chauffeur eine Kehrtwende. Er hat eine Buchung erhalten und  nimmt einen Fahrgast auf. Danach lässt er ihn raus und wartet. Wir sprechen ihn an:

Kontraste

"Lohnt sich das eigentlich für sie hier für Uber zu arbeiten?"

Uber-Fahrer

"Ja …"

Kontraste

"Was verdienen sie denn in der Stunde?"

Uber-Fahrer

"Keine Ahnung… mein Chef weiß."

Kontraste

"Ihr Chef weiß es? Welche Firma ist denn ihr Chef?"

Uber-Fahrer

"Hier: Uber…"

Cihan Ünal, Taxifahrer

"Eigentlich wenn man das so betrachtet können diese Fahrer eigentlich nichts dafür. Also ein gewisser Mitleid ist da schon dar. Wichtig ist halt die,  dahinter stecken, die überhaupt diese Leute in diese Schiene reinschieben. Das ist das Wichtige."

Bei aller Kritik an UBER – auch das Taxigewerbe in Deutschland leidet unter  Arbeitszeitverstößen und Steuervergehen. Das bestätigen immer wieder Zollkontrollen.

Mehr staatliche Kontrolle – sie ist also auf beiden Seiten – bei Mietwagenfirmen a la Uber und Taxen  nötig.  Bis es aber soweit ist, nehmen die "Uber-Jäger" weiterhin ihr Schicksal in die eigenen Hände.

Beitrag von Sascha Adamek, Bettina Malter und Susanne Opalka

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