Mit Teakholz beladene LKW in Myanmar. Bild: rbb
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- Blutholz – Teak aus Myanmar für Edeljachten

Die Menschenrechtssituation in Myanmar ist katastrophal, die Militärjunta lässt auf Unbewaffnete schießen. Eine wichtige Einnahmequelle der Generäle: illegal geschlagenes Teakholz aus den heimischen Urwäldern. Verwendet wird es vor allem zum Bau von Edeljachten für Superreiche, aber auch auf der Gorch Fock der Marine wurde das Holz verbaut. Obwohl der Import dieser Hölzer seit Jahren verboten ist, kommen deutsche Händler, die das Verbot ignorieren, meist straflos davon. Denn die zuständige Landwirtschaftsministerin Klöckner setzt nach Kontraste-Recherchen die EU-Vorgaben seit Jahren kaum um. Ein Minister der Exilregierung in Myanmar fordert Bundeskanzlerin Merkel nun auf, die illegalen Importe endlich zu stoppen.

Anmoderation: Urwüchsiger Dschungel, Trauminseln, die noch nicht mal einen Namen tragen, so unberührt sind sie. Auch das ist Myanmar. Was wir hier aber von diesem kleinen Staat zwischen Thailand und Bangladesch hören, ist meist schrecklich: Dort herrscht eine Militärdiktatur - es wird auf das eigene Volk geschossen, das seit Monaten  friedlich demonstriert. Für die Generäle ist die Natur Myanmars vorallem eins: Ein sehr lukratives Geschäft. Das auch sehr gut mit deutschen Händlern läuft. Über das brachiale Business mit Tropenhölzern: Marcus Weller und Alexander Bühler.

Die Jachten der Superreichen. Es ist das Tropenholz Teak, das beim Bau als Maß aller Dinge gilt. Das Holz ist selten und teuer, besonders haltbar und auch noch schön. Ohne Teak kommt kaum eine Edeljacht aus.

Doch am schönen Holz klebt Blut. Denn das beste Teak wächst hier: Myanmar, früher Burma - ein schönes Land, aber seit Jahrzehnten geknechtet von korrupten Militärs.

Die Generäle verdienen Millionen mit illegal geschlagen Teakbäumen aus den Urwäldern Myanmars. Denn dort stehen alte und wild gewachsene Bäume. Das Holz ist widerstandsfähiger als Plantagenholz und wenn es besonders edel sein soll, gibt es kaum Alternativen. Entsprechend wertvoll sind die Stämme. Durch den Raubbau werden ganze Wälder zerstört.

In London hat die Umweltschutzorganisation Environmental Investigation Agency ihren Sitz. Faith Doherty recherchiert seit Jahrzehnten zu den Geschäften der Militärs. Besonders mit einer Branche machen die prächtige Gewinne.

Faith Doherty, EIA

„Der Hauptantreiber ist der Yachtbau. Es sind die Decks, die jeder für seine Yachten haben will. Wir sehen gerade eine wachsende Zahl von Superyachten von Milliardären. Und die wollen alle burmesisches Teakholz als Deck.“

Das treibt die Preise. Einzelne Stämme können zehntausende Euro wert sein. Mit den Devisen kaufen die Generäle Waffen und schießen damit auf ihr eigenes Volk.

Nachdem im Februar das Militär putschte und die Macht allein übernahm, unterdrückt das Regime zunehmend brutal jeden Protest. Myo Aung ist Minister für Menschenrechte der international nicht anerkannten Exilregierung.

Myo Aung – Minister für Menschenrechte, Exilregierung Myanmar

„Am Teakholz klebt Blut. Denn es kommt vom Militär, das damit Waffen kauft, um das Volk zu töten. Denn sie machen Profit mit dem Teak.“

Teak ist eine Ware, mit der sich sehr viel Geld verdienen lässt. Kaum beim Händler in Europa angekommen vervielfacht sich sein Wert. Es wird zu Bohlen und Furnier verarbeitet, das zu Luxuspreisen verkauft wird. Ein moralbefreites Geschäft, von dem beide Seiten profitieren, obwohl seit Jahren für Ex- und Import strenge Regeln gelten.

Hamburg. Ende April fällt hier das Landgericht ein besonderes Urteil. Erstmals wird ein deutscher Holzhändler wegen illegalen Imports von Teak aus Myanmar verurteilt.

Dr. Kai Wantzen, Sprecher Hanseatisches Oberlandesgericht Hamburg

„Insgesamt sind hier angeklagt worden 31 Liefervorgänge bei denen Holz aus Myanmar mit mutmaßlich verschleiertem Ursprungszeugnis nach Deutschland gekommen sind. Hier geht die Kammer davon aus, dass den Angeklagten zum einen die Geltung des Embargos hier bekannt war und auch bekannt war, dass das Holz aus Myanmar gestammt hat und deshalb eigentlich nicht hätte eingeführt werden dürfen.“

Von der Firma WOB Timber zieht das Gericht mehr als drei Millionen Euro ein, der Geschäftsführer und Hauptangeklagte, Stephan Bührich, erhält 21 Monate auf Bewährung und soll 200.000 Euro Strafe zahlen. Er hat gegen das Urteil Revision eingelegt.

Anlass dafür sei die Tatsache, dass das Urteil zu außenwirtschaftsrechtlich sehr komplexen Rechtsfragen ergangen sei, zu denen es bisher keine klaren höchstrichterlichen Entscheidungen gibt. In dem Verfahren habe etwa auch ein Vertreter des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle die Rechtsauffassung der WOB Timber bestätigt.

Die drei Mitangeklagten haben trotz teils hoher Strafen das Urteil akzeptiert.

Bei der Urteilsverkündung anwesend war auch Johannes Zahnen vom WWF. Dass es überhaupt zu dem Verfahren kam, ist auch seinen Recherchen zu verdanken – entsprechend zufrieden ist er mit dem Urteil.

Johannes Zahnen, WWF

„Das ist ein deutliches Zeichen, dass es eben nicht egal ist, illegales Holz nach Europa zu importieren.“

Die Angeklagten, so urteilte das Gericht, hätten gegen damals geltende Sanktionen verstoßen – eine Straftat. Diese Sanktionen liefen 2012 aus. Ein Jahr danach trat die wesentlich schwächere Europäische Holzhandelsverordnung, kurz EUTR, in Kraft.

Sie knüpft den Handel an Bedingungen: Nachhaltigkeit zum Beispiel – die Herkunft muss im Detail nachvollziehbar sein. Und: es müssen die Menschenrechte eingehalten werden. In Myanmar war das zu keiner Zeit gegeben - der Import von Schiffs-Teak aus Myanmar blieb auch nach der neuen Verordnung verboten.

Johannes Zahnen, WWF

„Seitdem mussten wir aber feststellen, dass es wirklich sehr schleppend und unwillig umgesetzt wird. Und wenn jemand erwischt wird mit illegalem Holz, dann gibt es lächerliche Strafen.“

Die zuständige Behörde ist die der Landwirtschaftsministerien Klöckner unterstellte Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, kurz BLE. Sie soll Verstöße gegen die EU-Verordnung ahnden, doch auf Nachfrage gibt die Behörde an, sie habe seit 2018 77 Bußgelder verhängt und:

Zitat

„Bezüglich Bußgeldhöhe/Strafmaß orientiert sich das Gesetz an den in Deutschland in anderen Bereichen bestehenden Sanktionen.“

Und das heißt: Der Import von Teak aus Myanmar wird in Deutschland ähnlich wie Falschparken behandelt – nämlich als Ordnungswidrigkeit. Nur ein Beispiel unter vielen: Die Gorch Fock, der Stolz der deutschen Marine. Das Schiff wird seit Jahren für sehr viel Geld restauriert.

Das Deck soll wie früher mit Teak beplankt werden. Nach Recherchen von Report-Mainz von 2018 importierte ein deutscher Händler das Teak: aus Myanmar – und verstieß damit gegen die EU-Verordnung. Doch die zuständige Behörde setzte auf Vertrauen statt Strafen:

Zitat

„In der Erwartung, dass sie bereits aufgrund dieses Vorhalts die Vorschriften künftig beachten, wird von der Erhebung eines Verwarnungsgeldes abgesehen.“

Für den Import des Teakholzes für die Gorch Fock gibt es nicht mal eine Geldbuße. Das scheint der Linie der Kontrollbehörde zu entsprechen. So ließ sich der Leiter der BLE, Dr. Hans-Christoph Eiden, in einem Interview in dem Branchenblatt „Holzimport“ mit den Worten zitieren:

„Dass wir „streng“ prüfen, kann man uns glaube ich nicht vorwerfen.“

Doch einige Händler wollten in Deutschland lieber gar nicht mehr geprüft werden. Die WOB Timber fand offenbar einen Weg, um sich noch 2019 tonnenweise Teak aus Myanmar zu beschaffen – trotz des für ganz Europa geltenden Verbots durch die Holzhandelsverordnung.

Faith Doherty

„Sind sie nach Kroatien gegangen, um die EUTR zu umgehen, In Kroatien sind die Kontrollen sehr schwach. Und auf diesem Weg kam das Holz dann nach Deutschland.“

Originaldokumente, die Kontraste vorliegen, legen nahe, dass WOB Timber offenbar eine kroatische Firma als Zwischenhändler nutzte, um an das Teakholz aus Myanmar zu kommen.

KONTRASTE bat den Geschäftsführer, Stephan Bührich, um ein Interview. Der ist nicht nur Holzkaufmann, sondern war viele Jahre lang im Gesamtverband Deutscher Holzhandel aktiv. Und das ausgerechnet als Experte für Außenhandel und Holzimporte. Statt eines Interviews lässt er uns mitteilen:

„… dass das Unternehmen WOB Timber GmbH die Beschaffung von Teakholz eingestellt hat und dieses Geschäftsmodell bereits vor geraumer Zeit beendet hat.“

Wann das genau war, hat uns Herr Bührich auch auf Nachfrage nicht verraten. Aus dem Verband ist er vor kurzem mit seiner Firma ausgetreten - und kam damit seinem Rausschmiss zuvor.

Exilminister Myo Aung fürchtet, deutsche Händler werden auch in Zukunft Wege finden, burmesisches Teak zu importieren und damit die Militärs zu finanzieren. Deswegen richtet er einen verzweifelten Appell an die Bundeskanzlerin persönlich:

Myo Aung – Minister für Menschenrechte, Exilregierung Myanmar

„Meine Bitte an Kanzlerin Merkel lautet: Tun sie etwas. Wir bitten sie dringend: nutzen Sie Ihren Einfluss, um Myanmar zu retten und dem Volk von Myanmar zu helfen.“

Beitrag von Alexander Bühler und Marcus Weller

 

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