Collage - Instagram / friedel_opitz
Bild: Collage - Instagram / friedel_opitz

- Falscher Diplomat mit besten AfD-Kontakten

Friedel Opitz ist laut seiner Webseite Berater von AfD-Bundestagsabgeordneten, berät bei Krisenkommunikation und ist im diplomatischen Dienst. Derzeit muss er auch in eigener Sache Krisenkommunikation betreiben, denn Opitz ist angeklagt: zu Unrecht soll er sich als Diplomat für SãoTomé ausgegeben haben, auch Unterschlagung eines Luxusautos wird ihm vorgeworfen. In den Fall verwickelt ist auch ein verurteilter Betrüger, der schon Boris Becker einen Diplomatenpass besorgt haben soll. Opitz, der auf seiner Webseite einmal behauptete, er sei auch "Berater der Fraktionsvorsitzenden" betont nun, zu AfD-Frontfrau Alice Weidel lediglich freundschaftliche Beziehungen zu pflegen. Kontraste und Der Spiegel haben monatelang in einer Szene von vermeintlichen Diplomaten und fragwürdigen Geschäften recherchiert.

Anmoderation: Es gibt ja Visitenkarten, die wiegen eine gefühlte Tonne: Strategischer Regierungsberater, Kriseninterventionsmanager - so liest sich seine im Netz. Und der Rest sieht nach noch mehr aus. Dicke Zigarren, dicke Uhren, ein Fernseher so groß, dass er mit dem Kran geliefert wird und die dicken Karren mit dem Extra-Upgrade: Dem Diplomaten- kennzeichen. Mit dem man straffrei zu schnell fahren darf. Und so fährt er dann auch … immun aber gegen das, was wir gemeinsam mit dem Nachrichtenmagazin der Spiegel über diesen Möchtergern-Diplomaten mit Bundestags-Verbindung herausgefunden haben, ist er nicht.

Alice Weidel, wie man sie selten sieht: bestens gelaunt im Winterurlaub. An ihrer Seite ein guter Freund. Zusammen verbringen Darth-Weidel und das Friedel eine fröhliche Zeit im Schnee. Das Foto postet Friedel Opitz vergangene Weihnachten auf Instagram. Auf seiner Website von November 2019 schreibt er, er sei "direkter Berater der Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag".

Ist damit Alice Weidel gemeint?

Opitz hat Einfluss und Geld – das vermittelt er zumindest auf Social Media. Diamantenbesetzte Uhren, schnelle Bote, teure Luxusautos.

Und dann will Friedel Opitz auch noch Diplomat gewesen sein! Ein Leben auf der Überholspur – so scheint es. Kontraste und der Spiegel zeigen, was an dieser Geschichte dran ist.

Friedel Opitz rast gern über die Autobahn – hier mit einem Maybach. Ende 2016 wird er bei seiner Raserei geblitzt -  mit 186 statt der erlaubten 100 km/h. Doch die Strafe will Opitz nicht akzeptieren, beruft sich auf seine angebliche Immunität. Er will diplomatischer Kurier gewesen sein - im Einsatz für einen kleinen afrikanischen Inselstaat: São Tomé und Príncipe. Beim Widerspruch beruft er sich auf eine sogenannte Verbalnote.

Friedel Opitz

"Zum damaligen Zeitpunkt, war ich absolut in der Annahme, dass derartige Verbalnoten zumindest vor kleineren Verkehrsdelikten schützen."

Kontraste

"Aber das dann mal so auszuprobieren, mal auf der Autobahn mal ein bisschen schneller zu fahren macht man dann schon."

Friedel Opitz

"Na gut, dass macht man mal häufiger, ne?!"

Tatsächlich hätte er als akkreditierter Diplomat einen Freifahrtschein. Das erzählt uns auch Nicole Deitelhoff, Politikprofessorin und Ausbilderin von Diplomaten an der Akademie des Auswärtigen Dienstes.

Nicole Deitelhoff, Akademie des Auswärtigen Dienstes

"Er darf nicht rasen, wie er will. Aber wenn er das während seines Geschäftes tut, also wenn er das in der Phase tut, in der er das Kuriergepäckstück an einen Empfänger übergibt, Ja, dann genießt er Autonomie. Aber kann dafür strafrechtlich nicht belangt werden."

Doch das gelte nicht für Opitz, sagt die Justiz. Denn der sei gar kein Diplomat, habe gefälschte und unvollständige Dokumente vorgelegt.

Roland Jacob, Direktor Amtsgericht Stadtroda

"Es muss ein spezieller Ausweis vorgelegt werden, der diese Kuriereigenschaft bestätigt. Der Betroffene hat in diesem Verfahren einmal angekündigt einen entsprechenden Ausweis vorzulegen und hat dies im Ergebnis nicht getan."

Die Staatsanwaltschaft ermittelt und klagt an: Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnung! Opitz' Papiere seien ungültig, er sei gar kein akkreditierter Kurier und er wäre auch nie als ein solcher bestellt gewesen.

Auch die Berliner Staatsanwaltschaft klagt gegen den angeblichen Diplomaten. Der Vorwurf hier: Urkundenfälschung und unbefugtes Führen ausländischer Amtsbezeichnungen!

Friedel Opitz

"Die Anklagen haben für mich keine Bedeutung. Ich war 15 Jahre lang im Bereich der Firmenabwicklung tätig, da hat man laufend Verfahren. Daily Business"

Sein diplomatischer Status: ein Fake?

Apropos gefälschte Diplomatenpapiere – da war doch was?! Boris Becker gibt sich als Attaché der Zentralafrikanischen Republik. Viele vermuteten damals: der Ex-Tennisprofi wollte die Immunität für sein Insolvenzverfahren nutzen.

Freistand Becker ITV/ Top Magazin Frankfurt

"Es ist richtig, dass mein Diplomatenstatus einige Privilegien beinhaltet, zum Beispiel Immunität bei besonderen Fällen. Das muss man prüfen."

Wir finden raus: derselbe Mann, der Boris Becker schon einen Diplomatenpass vermittelt hatte, verhalf auch Friedel Opitz zu vermeintlich diplomatischen Ehren: Stephan Welk! Ein Geschäftspartner von Opitz. Welk selbst nannte sich "Sonderberater des Außenministers" von Sao Tomé und Príncipe.

Er ist ein vorbestrafter Betrüger, sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft – auch hier geht es um den Handel mit falschen Diplomatenpapieren. Er bestreitet die Betrugsvorwürfe.

Im Fall Opitz ist vieles nicht so, wie es zunächst scheint. Was ist mit seiner Tätigkeit als Berater der Fraktionsvorsitzenden im Bundestag? Ist damit Alice Weidel gemeint?

Uns fällt auf: kurz nach Anklageerhebung beim Amtsgericht Berlin Tiergarten Ende vergangenen Jahres, verändert Friedel Opitz auf einmal seine Website.

Am 20.November 2019 bezeichnet er sich da noch als "direkter Berater der Fraktionsvorsitzenden" und sei tätig für die "größte Oppositionspartei im deutschen Bundestag". Wenig später ist davon nichts mehr zu lesen.

Auf Instagram ist die Verbindung zu Weidel bis zu unserem Interview öffentlich sichtbar. Dort finden wir sie - vor dem Fernseher von Friedel Opitz. Sie fühlt sich offenbar wie zuhause. Beim Geburtstagsessen ihrer Partnerin ist ihr Vertrauter Friedel auch mit dabei.

Im Juli 2018 feiert Opitz die steigenden Umfragewerte der AFD und ihren "größten Erfolg". Das Spiel hätten sie voll im Griff. Ist er wirklich Teil des "Teams" – wir fragen Alice Weidel.

Kontraste

"Es geht um eine Personalie - und zwar ob ihr Berater Friedel Opitz immer noch für Sie tätig ist?!"

Alice Weidel (AfD), Co-Fraktionsvorsitzende Bundestag

 "Hä..Wie?

Kontraste

"Friedel Opitz – gibt an auf seiner Website tätig zu sein und Fraktionschefberater zu sein."

Alice Weidel (AfD), Co-Fraktionsvorsitzende Bundestag

"Nein."

Kontraste

"Er war nie für Sie tätig?"

Alice Weidel (AfD), Co-Fraktionsvorsitzende Bundestag

"Nein!"

Alice Weidel (AfD), Co-Fraktionsvorsitzende Bundestag

"Wie kommen Sie darauf eigentlich?!"

Kontraste

"Durch die Website und da wir sie zusammen gesehen haben…"

Alice Weidel (AfD), Co-Fraktionsvorsitzende Bundestag

"Ja, weil wir befreundet sind."

Kontraste

"…lag die Vermutung nahe, dass er vielleicht für Sie tätig ist."

Alice Weidel (AfD), Co-Fraktionsvorsitzende Bundestag

"Nein!"

Friedel Opitz: "Im Zuge dessen ist die Frau Weidel ja schon interviewt haben. Kann ich da kurz Stellung zu beziehen, und zwar dahingehend, dass wir vorhatten, dass ich ab 2017 beratend für Sie oder für das Bundestagsbüro tätig werden sollte. Ist nicht weiter vertieft worden. Wir sind nach wie vor befreundet und auch gut."

Kontraste

"Da Sie ja befreundet sind, können Sie uns vielleicht sagen, für wen dann Friedel Opitz tätig ist?"

Alice Weidel (AfD), Co-Fraktionsvorsitzende Bundestag

"Das kann ich Ihnen nicht sagen!"

Opitz behauptet aktuell für zahlreiche Bundestagsabgeordnete diverser Parteien tätig zu sein. Für wen er arbeitet, wollte er Kontraste aber nicht verraten.

Beitrag von Andrea Becker und Susett Kleine

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