CDU-Chef und Kanzlerkandidat Armin Laschet. Bild: Markus Schreiber/AP
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Bundestags-Wahlkampf - Laschet, der ungeliebte Kandidat

Mit Kanzlerkandidat Laschet setzt sich der Sinkflug der Union weiter fort. Nun rutscht die Volkspartei in den Umfragen sogar hinter die Grünen. An der Basis brodelt es – besonders im Osten. Eine Katastrophe sei die Laschet-Kandidatur, heißt es aus Sachsen-Anhalt, wo die CDU fünf Wochen vor der Landtagswahl in Umfragen weiter verliert, während die AfD zulegt. Und in Thüringen versucht man es nun mit dem Rechtsaußen Hans-Georg Maaßen, der wie auch die Laschet-Konkurrenten Merz und Söder im Osten besonderen Zuspruch erfährt. KONTRASTE über eine zerstrittene Partei, bei der fünf Monate vor der Bundestagwahl niemand so richtig beantworten kann, wo sie inhaltlich eigentlich steht.

Anmoderation: Selten hat eine Nominierung in einem kleinen Wahlkreis soviel Lärm gemacht: Hans-Georg Maaßen, Ex-Verfassungsschutzchef kandidiert in Süd-Thüringen - seine "Mitte" liegt ganz weit rechtsaußen. Und das kommt an: In den Ostverbänden die sich nach einem neuen Kurs sehnen - und ihn rundheraus ablehnen: Armin Laschet. Und der braucht jetzt ausgerechnet dort, in Sachsen-Anhalt einen Erfolg - bei der letzten Wahl vor der Bundestagswahl ... Pune Djalilehvand und Silvio Duwe.

Haldensleben in Sachsen-Anhalt. Gut vier Wochen bleiben CDU-Kandidat Tim Teßmann noch, um die Leute zu überzeugen. Die Menschen hier wollen vor allem wissen – wofür steht er: Söder oder Laschet?

Tim Teßmann (CDU), Landtagskandidat Sachsen-Anhalt

„Herr Söder hat natürlich jetzt eine klare Kante gezeigt und kam bei den Leuten gut an. Bei mir auch.

Mann

„Er geht mehr in die konservative Richtung. Aber ich glaube, das finde ich ganz gut so, denn die CDU muss sich diese Richtung schon noch ein bisschen nach unserer Meinung weiter öffnen.“

Die Landtagwahlen hier werden zum ersten großen Stresstest für Laschet. Aktuell liegt die CDU in Umfragen nur knapp vor der AfD.

Kontraste

„Was ist denn eigentlich schwieriger für den Wahlkampf dieses Jahr? Corona oder Laschet als Kanzlerkandidat?“

Michael Földi (CDU), Regionalgeschäftsführer Kreisverband Börde

„Ganz klar Corona“

Kontraste

„Mit Söder wäre es einfacher gewesen?“

Michael Földi (CDU), Regionalgeschäftsführer Kreisverband Börde

„Ufff...“

Die Stimmung an der Basis ist angespannt. Im Machtkampf um die Kanzlerkandidatur hatte sich der Landesverband Sachsen-Anhalt hinter Söder gestellt. In Armin Laschet sieht hier kaum einer eine Führungsfigur.

Michael Földi (CDU), Regionalgeschäftsführer Kreisverband Börde

„Ich glaube schon, dass die Art und Weise wie Herr Laschet die Themen angeht, wir noch nicht so gewohnt sind. Ja, wir sind da so reingeboren. Ich sage mal konkreter – er ist uns zu diplomatisch. Wir brauchen ne klare Ansage.“

Klare Ansagen kamen vom Landtagsabgeordneten Guido Heuer. Auf twitter nennt er die Entscheidung der CDU-Spitze eine Katastrophe. Die schlechten Umfragewerte der CDU seien vorprogrammiert.

Guido Heuer (CDU), Landtagsabgeordneter Sachsen-Anhalt

„Es gab ja auch bei der Frage des Parteivorsitzenden eine klare Präferenz für Friedrich Merz. Und nachdem dann Armin Laschet Parteivorsitzender wurde, haben wir uns natürlich auch hinter Armin Laschet gestellt. Aber einen Wunsch hat uns erfüllt: Er hat Friedrich Merz ins Team geholt.”

Laschets einstiger Konkurrent soll ihm nun helfen. Um die Teile der Basis zu versöhnen, die enttäuscht wurden.

Guido Heuer (CDU), Landtagsabgeordneter Sachsen-Anhalt

„Da fragt man sich schon, in welchem Universum, die in Berlin manchmal so schweben?“

Netzwerktreffen der Frauenunion in Meißen. Auch in Sachsen ist der größte Konkurrent der CDU die AfD. Und auch hier polarisiert der frisch gekürte Kanzlerkandidat.

Bianca Erdmann-Reusch (CDU), Mitgliederbeauftragte Sachsen

"Ich traue Herrn Laschet einfach mehr. Mehr Tiefe zu, mehr charakterliche Stärke.“

Daniela Kuge

„Würdet ihr euch einen Termin mit Armin Laschet wünschen?“

Corinna Franke-Wöller (CDU), Bundestagskandidatin Sächsische
Schweiz-Osterzgebirge

"Schwierige Frage. Im Wahlkreis bekomme ich momentan jeden Tag ein bis zwei Austritte wegen der Geschichte.”

Ein Kanzlerkandidat, der manche sogar zum Austritt aus der CDU bewegt. Der Ärger an der Basis provoziert auch die Frage, wofür die CDU in Zukunft stehen will.

Anne Heimann (CDU), Frauen Union Sachsen

"Die Menschen hier wünschen sich nach Angela Merkel, denke ich, ein bisschen mehr konservatives Profil und Armin Laschet ist der Versöhner. Die Frage ist aber wollen die Leute das gerade? Oder wollen sie nicht wieder eine Schärfung des Parteienprofils? Wir wissen – die CDU im Osten ist konservativer.

Für die CDU bahnt sich jetzt schon an: Sie wird in den nächsten Monaten zwei Kämpfe führen müssen. Neben dem Wahlkampf nun auch einen internen Richtungskampf.

In Südthüringen sucht man die Zukunft in der Vergangenheit: Hans Georg-Maaßen. Politisch rechtsaußen - soll den Wahlkreis gegen die AfD verteidigen. Mit großer Mehrheit wird er zum Bundestagskandidaten gewählt. Der Abend wird zum Symbol einer Basisrevolte gegen die CDU-Spitze. Jetzt bestimmen sie.

Ralf Holland-Nell (CDU), Bürgermeister Floh-Seligenthal

"Das ist heute auch Signal nach Berlin und ein Stückchen weit Revenge dafür. Man hat sich da oben ein Stück weit abgeschottet und fühlt sich da ganz wohl in Berlin. Und ja, und an der Basis rumort es eben doch gewaltig.”

Und Maaßen? Der genießt die neue Aufmerksamkeit. Es ist seine Chance für ein politisches Comeback. Er wurde in den einstweiligen Ruhestand versetzt, nachdem er von „linksradikalen Kräften“ in der SPD sprach. Und zuvor eine rechte Hetzjagd in Chemnitz verneint hatte. Für den rechten Flügel der Union wird er zur Hoffnungsfigur. Gegen den Mitte-Kurs der Parteispitze.

Bernd Gellert (CDU), Vorsitzender Kreistagsfraktion

“Wir haben genau das Problem, dass wir ein Stück Weg zu weit in der Mitte sind. Die CDU braucht wieder eine Diskussion um die Grundwerte der CDU und ich denke, da ist der richtige Mann dazu da.“

Der richtige Mann für einen Rechtsruck in der CDU? Maaßen betont an diesem Abend seine Abgrenzung zur AfD. Doch immer wieder verbreitet er auch rechte Blogs. Das Magazin Compact wirbt sogar damit, den ehemaligen Chef des Verfassungsschutzes getroffen zu haben. Maaßens Nachfolger lässt das Heft beobachten.

Maaßen schießt auch gegen die Bundeskanzlerin: Einen Tweet, in dem darüber sinniert wird, wie Angela Merkel in der Schweiz für ihre Pandemiepolitik vor Gericht landen würde, nennt er: „eine interessante Anregung“.

Offenbar kein Problem für einige Delegierte hier.

Ralf Liebaug (CDU), Kreisvorsitzender Schmalkalden-Meiningen

„Äh, es sind ein paar Dinge, die, sagen wir mal, sehr spitz formuliert sind. Das ist aber eine Eigenart des Twitter Formats.”

Maaßens Tonfall kommt an. Er verspricht an diesem Abend, dass es ein harter Wahlkampf werden wird.

Hans-Georg Maaßen (CDU), Direktkandidat

„Ich bin jemand, der klare Worte spricht, der auch nicht unbedingt kuscheln will.“

Dass sich Laschet vor der Nominierung nicht zu Maaßen äußert, versteht man hier als stille Zustimmung.

Christopher Other (CDU), Kreisvorsitzender

"Ich sehe es auf jeden Fall als positives Signal an, dass man vonseiten Armin Laschets verstanden hat, dass man sich nicht in die Belange vor Ort einmischen kann und einmischen sollte, sondern dass das eine Entscheidung ist, die ja eine Art Graswurzelbewegung von unten nach oben kommen.”

Einmal mehr wird es nun um die Frage gehen: Wie hält es die CDU mit ihren Rechtsaußen?

Armin Laschet (CDU), Kanzlerkandidat

„Ich glaube es ist jetzt klug, die Grundlinie der CDU in der Abgrenzung zur AfD zu formulieren, und die in allem Klartext auch zu formulieren. Und ich gehe davon aus, dass sich auch Herr Maaßen daran hält. Ich hab‘ keinen Zweifel daran zu zweifeln.“

Kontraste

„Herr Maaßen, eine Frage von ARD-Kontraste: Armin Laschet steht für vieles, das Sie ablehnen. Wie schwer wird es Ihnen fallen, für ihn Wahlkampf zu machen?“

Hans-Georg Maaßen (CDU), Direktkandidat

„Ich glaube gar nicht, dass wir so weit auseinander sind. Und ich denke, Armin Laschet ist auch ein Mensch, der durchaus in den verschiedenen Bereichen, wo er vielleicht in Facetten andere Positionen vertritt, durchaus zu einer Diskussion bereit ist.“

Für Laschet könnte die Causa Maaßen noch zum Problem werden – greift er ihn doch an, wird er den rechtskonservativen Flügel der Partei weiter gegen sich aufbringen. Tut er es nicht, droht er die Mitte zu verlieren.

 

Beitrag von Pune Jalilevand und Silvio Duwe

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