Ein Junge mit einer Mund-Nasen-Behelfs-Maske sitzt auf dem Schulhof und liest etwas. Foto: Mueller/imago images
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Psychisch belastet - So leiden Kinder unter den Corona-Beschränkungen

Eingesperrt sein, Angst um die Großeltern, kein Kontakt zu Freunden – die Corona-Zeit hat das Risiko für psychische Auffälligkeiten bei Kindern erhöht. Nach einer Studie des Hamburger Uniklinikums (UKE) fühlen sich über 70 Prozent der befragten Kinder seelisch belastet. Besonders stark trifft es Kinder aus einkommensschwachen Familien. Kontraste hat mit betroffenen Kindern gesprochen: Sie berichten von Ängsten und Verhaltensauffälligkeiten wie Waschzwang. Die Kinder haben kein Verständnis für Leute, die ohne Maske und Abstand ihre Omas und Opas gefährden. Und sie haben große Angst vor einer zweiten Welle. Noch einmal monatelang ohne Schule – für sie unvorstellbar.

Anmoderation: Endlich wieder Schule, so richtig - heute in Hamburg. Bleibt das flaue Gefühl: Kommt bald der nächste Lockdown oder geht es vielleicht diesmal doch gut? Mit Maske. Aber was macht das eigentlich mit unseren Kindern? Wenn die Eltern um den Job fürchten, sich oft streiten und sie überall ständig von "dieser schlimmen Krankheit" hören. Eine Studie des Uni-Klinikums Hamburg zeigt nun: 71 Prozent der befragten Kinder fühlen sich seelisch belastet. Und: Es sind tiefe Ängste, die sie da ausstehen, das merkt man wenn man sich mit Kindern unterhält. Lisa Wandt und Özgür Uludag haben in ganz Deutschland mit Kindern gesprochen. Und lassen sie jetzt mal selbst zu Wort kommen.

Janus, 8 Jahre

„Es passiert halt, dass ich kaum einschlafen kann und dass ich mir halt ganz schlimm Sorgen mache.“

Thara, 6 Jahre

„Wir sind jetzt schon so lange Zuhause, ich möchte mal wieder Freunde treffen.“

Janus, 8 Jahre

„Ich fühl mich halt etwas eingesperrt also, es gibt einen Moment in der Woche, da kann ich halt gar nicht raus.“

Eigentlich lässt es sich Zuhause bei Thara und ihrem Bruder Janus gut aushalten. Doch die letzte Zeit hat auch bei den beiden deutliche Spuren hinterlassen. Fast fünf Monate sind sie inzwischen ohne Schule und Freunde. Denn sie wohnen mit Oma und Opa zusammen auf einem Grundstück – und die sollen unbedingt vor einer Ansteckung bewahrt werden. 

Thara, 6 Jahre

„Es war am Anfang schwierig, aber dann hat es mir Mama oft gesagt, da wurde mir auch klar, dass meine Mama und meine Oma und Opa ich schützen muss. Weil wenn ich jetzt plötzlich Corona vergesse, dann rede ich ja mit dem und dem, halte keinen Abstand mehr. Das wäre ganz blöd und dann halte ich mich selber nicht an die Regeln.“

Janus, 8 Jahre

„Ich gehe ja gar nicht raus, das heißt, theoretisch könnte ich die gar nicht anstecken.“

Und doch beschäftigt Janus die unsichtbare Gefahr durch Corona sehr. Mit seiner Familie hat er oft Nachrichten geschaut und viel über Ansteckung gesprochen. Etwa wie wichtig Händewaschen ist.

Janus, 8 Jahre

„Nur da übertreibe ich auch ein bisschen, weil ich wasche mir viel zu viel die Hände. Und es gab auch Tage, da habe ich was angefasst und bin dann sofort zum Waschbecken, hab das Gleiche wieder angefasst, bin sofort zum Waschbecken und hab dann halt im 5-Minuten-Takt vier Stunden durchgewaschen. Und habe dann halt aufgehört, weil es dann wirklich schon angefangen hat zu brennen.“

Dieses fast schon zwanghafte Verhalten bereitet Janus Mutter Sorgen. Sie weiß, wie sehr die Kinder ihre Freunde brauchen. Deshalb sollen sie bald wieder zur Schule gehen. Doch auch das wird für Janus bestimmt nicht so leicht werden.  

Janus, 8 Jahre

„Eigentlich will ich auch gar nicht mehr so richtig in die Schule…“

Kontraste

„Wieso?“

Janus, 8 Jahre

„Weil ich hab‘ mich jetzt hier dran die fünf Monate gewöhnt.“ 

Fatima wünscht sich nichts mehr, als wieder richtig zur Schule und Nachmittags-Betreuung zu gehen. Dort hat sie Deutsch gelernt und Freunde gefunden. Sie kommt aus Syrien und wohnt in einer Flüchtlingsunterkunft. Ihre Schularbeiten muss sie da weitgehend alleine machen.

Fatima, 11 Jahre

„Mir war das richtig schwierig zuhause zu lernen wegen anderer Kinder, die oft draußen schreien. Ich kann mich nicht richtig konzentrieren auf meine Arbeit. Ich habe fast alles vergessen, wie zum Beispiel Sachaufgaben, habe ich vergessen wie man das nochmal macht und sowas. Und ich habe mich auch ein bisschen schlecht gefühlt, dass ich das nicht kann.“

Hinzu kam bei ihr die Angst, sich bei den anderen Kindern in der Unterkunft anzustecken. Soziale Kontakte vermeiden geht da eben nicht so leicht.

Fatima, 11 Jahre

"Weil es gibt ja viele Kinder, die sich nicht an die Regeln halten und sich trotzdem überall mischen und sowas. Und ja, ich hatte auch richtig Angst, zum Beispiel, wenn ich runtergehe und dann mich mit anderen Kindern mische und dann noch krank werde.“

Das Kinderprojekt Arche in Berlin Hellersdorf hat seit einiger Zeit wieder geöffnet. Für viele Kinder hier war die Zeit, als alles zu hatte, besonders hart. Sie wohnen meist mit vielen Personen auf beengtem Raum. 

Phoebe hat sich viel um ihre zwei kleineren Schwestern gekümmert. Und ihre Freundinnen vermisst. 

Phoebe, 12 Jahre

„Für mich war die Zeit sehr, sehr schwierig. Wir waren die meiste Zeit zuhause, haben Video-Chat gemacht, haben zusammen irgendwas Online gespielt, dass wir trotzdem noch irgendwas zusammen machen konnten.“

Emilia war mit ihren drei Brüdern Zuhause.

Emilia, 8 Jahre

„Man möchte ja auch mal wieder seine Freundin umarmen und mit ihr zusammen spielen, ohne Abstand zu halten, das ist ja auch schade.“

Sizars größte Sorge ist, dass er in der Schule schlechter werden könnte.

Sizar, 11 Jahre

„Weil das zweite Schulhalbjahr haben wir kaum was gelernt. Und davor habe ich auch wieder Angst, dass wir fast nichts lernen werden im ersten Halbjahr. Ich will nämlich, wenn ich groß bin, will ich Abitur machen und einen guten Job kriegen.“

Die Brüder Neo und Tim haben viele Wochen Homeschooling hinter sich, immer wieder gab es Streit. Besonders hart aber war, dass sie ihre Familie in der Türkei nicht besuchen konnten. 

„Hallo meine Lieben.“

Tim, 9 Jahre

„Wir wollten eigentlich zur Türkei fahren, zu meiner Oma, zu meiner ganzen Familie halt, aber das ging ja halt nicht, weil sie Türkei zum Risikoland gemacht haben.“

Neo, 10 Jahre

„Und dann konnten wir einfach nicht mehr dorthin fliegen oder fahren, weil wir dann zwei Wochen Quarantäne waren – und ich fand schon mehrere Tage sehr schlimm und zwei Wochen, da wäre ich ausgerastet.“

Der sechsjährige Tim hat die Corona-Zeit vor allem mit seiner Mutter verbracht. Wochenlang war auch er ohne Spielplatz und Kindergarten. Immerhin hatte er seinen Kuschel-Affen Taffi.

Kontraste

„Warum hat dein Taffi auch einen Mundschutz?“

Tim, 6 Jahre

„Damit er sich nicht ansteckt.“

Schon vor Corona kannte sich Tim mit Mundschutz-Tragen aus. Denn seine Mutter musste das schon vorher oft. Seit Tim ein Jahr alt ist, leidet sie unter einer Krebserkrankung. 

Tim, 6 Jahre

„Die hat einen Brustkrebs gehabt und das war schlimmer und dadurch kann man sterben auch. Gell Mama?“

Kontraste

„Und deshalb hattest du ganz besonders Angst, dass sie sich wieder anstecken könnte?“

Tim, 6 Jahre

„Ja, dass sie vielleicht stirbt, davor hab ich Angst, weil ich will meine Mama noch haben.“

Beitrag von Özgür Uludag und Lisa Wandt

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