Tarek Al-Wazir - Wort gehalten

Der Vorwurf wog schwer: Tarek Al-Wazir, unzufrieden mit einer Frage zum Thema "Freiwillige Rückkehrberatung" für Asylbewerber und Flüchtlinge in Hessen, behauptete, Kontraste würde sich scheuen, seine Medienkritik öffentlich zu machen. Sollte er sich irren, würde er der Redaktion "eine Runde ausgeben". Wir haben den Interviewausschnitt gesendet und uns danach mit Al-Wazir intensiv über das Verhältnis von Medien und Politik gestritten. Und Al-Wazir: Er hat die "Runde ausgegeben".

Anmoderation: Missstände aufdecken, den Mächtigen auf die Finger schauen – das ist unser Auftrag als politisches Magazin. Aber auch wir hören manchmal harsche Kritik, wie in unserer letzten Sendung, als Hessens stellvertretender Ministerpräsident vor unserer Kamera zur großen Medienschelte ausholte. Dabei wollten wir eigentlich nur von ihm wissen, warum der grüne Koalitionspartner mitträgt, dass hessische Ausländerbehörden Asylbewerber zur Ausreise drängen – auch diejenigen, die noch eine Chance haben, in Deutschland anerkannt zu werden.

Tarek Al-Wazir

"Niemand wird in irgendeiner Art und Weise drangsaliert in dem Sinne, dass irgendwelche Sanktionen drohen. Und wissen Sie, was ein Problem der politischen Magazine in Deutschland ist? Sie sollten sich mal überlegen, ob nicht ein Teil der Langweiligkeit politischer Magazine damit zu tun hat, in der Art und Weise Fragen stellen."

Kontraste

"Warum beschimpfen Sie uns jetzt, ich mein, die Wohlfahrtsverbände protestieren seit Monaten gegen die staatliche Rückkehrberatung, weil Asylbewerber in Hessen unter Druck gesetzt werden. Das können Sie doch nicht einfach ignorieren."

Tarek Al-Wazir

"Entschuldigung, ich würde mir wünschen, dass sie den Mut hätten, das mal genauso ungeschnitten zu senden."

Kontraste

"Antworten Sie doch einfach auf die inhaltlichen Fragen und machen Sie doch keine Medienschelte. Verstehe ich jetzt nicht."

Tarek Al-Wazir

"Entschuldigung, Entschuldigung. Ich mache keine Medienschelte. Und wenn sie das machen gebe ich der ganzen Redaktion 'ne Runde aus. Tschüss."  LW: ...zur staatlichen Rückkehrberatung."

Abmoderation: Wir haben es gesendet – und der Minister hat Wort gehalten und der Redaktion tatsächlich 'ne Runde ausgegeben, Wein aus Hessen, handsigniert von Tarik Al-Wazir. Mehr noch: nach der Sendung hatten wir ein Gespräch mit ihm, haben leidenschaftlich und kontrovers diskutiert über den Umgang von Politik und Medien. Und festgestellt: Bei allen Meinungsverschiedenheiten, es ist wichtig, sich gegenseitig zuzuhören.

Beitrag von Caroline Walter und Christoph Rosenthal

weitere Themen der Sendung

Logo: Kontraste, Quelle: rbb
rbb

Kontraste vom 07.12.2017

+++ Lautstarker Bürgerprotest: Horrende Straßenbaukosten ruinieren Anlieger +++ Planlos und ausgeblutet: Warum die Lausitz ohne Siemens chancenlos ist +++ Anis Amri: "Maßnahme 300" in Berlin anscheinend nicht umgesetzt +++ Fragwürdiges Versprechen: Mehr Sicherheit dank Videoüberwachung? +++ Tarek Al-Wazir: Wort gehalten +++ Moderation: Astrid Frohloff

Lautstarker Bürgerprotest - Horrende Straßenbaukosten ruinieren Anlieger

Ein Bauer nahe Lübeck bekommt einen Kostenbescheid über 218.000 Euro. Die Straße zwischen seinen Feldern wurde erneuert. Eine Familie in Wetzlar muss 30.000 Euro an die Stadt  überweisen, weil eine Durchgangsstraße vor der Haustür aufgebaggert wird. Die Kostenbeteiligung der Anlieger beim Straßenbau ist vielerorts Pflicht. Dank steigender Steuereinnahmen und vieler kaputter Straßen wird nun vermehrt in die Infrastruktur investiert. Das kommt viele Eigenheimbesitzer teuer zu stehen.

Planlos und ausgeblutet - Warum die Lausitz ohne Siemens chancenlos ist

Mit der Schließung von Siemens und einem massiven Jobabbau bei Bombardier verliert die Region um Görlitz ihre wichtigsten Arbeitgeber. Knapp 2600 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Zudem hat die Lausitz seit Jahren mit dem Ausstieg aus der Braunkohle zu kämpfen. Auch über 25 Jahre nach der Einheit sind in der Region innovative Unternehmen rar gesät. Hat die Wirtschaftsförderung versagt? Oder werden die Konsequenzen jahrzehntelanger Abwanderung jetzt deutlich?

Anis Amri - "Maßnahme 300" in Berlin anscheinend nicht umgesetzt

Nach 9/11 beschlossen deutsche Sicherheitspolitiker und -dienste ein bundesweites Fahnungskonzept für potentielle "Gefährder". Nachdem Anis Amri im Dezember 2016 den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt beging, stellt sich die Frage, ob die Berliner Polizei je die Voraussetzungen für dieses Fahndungskonzept geschaffen hat.

Fragwürdiges Versprechen - Mehr Sicherheit dank Videoüberwachung?

Mit mehr Videoüberwachung wollen Politiker das gesunkene Vertrauen der Bürger zurückgewinnen. In Berlin verspricht Ex-Senator Heilmann mit seiner Kampagne für mehr Videoüberwachung eine Halbierung der Gewalttaten. Im Fraunhofer-Institut wird an intelligenter Überwachungstechnik geforscht, die erstmals in Mannheim zum Einsatz kommt. Aber bis heute fehlen verlässliche Daten, ob sich Kriminelle wirklich durch neue Überwachungssysteme abschrecken lassen.