Fragwürdige Förderpolitik - Mit Israelhassern gegen Extremismus?

Ihr Ziel ist klar: Jerusalem soll von den Juden befreit und der Staat Israel vernichtet werden! Daran halten die konservativen Mullahs im Iran bis heute fest. Der von der iranischen Staatsführung ausgerufene Al-Quds-Tag wird seit Jahren auch in Berlin begangen. Unter den Demonstranten: zahlreiche Imame und Vorstände von Gemeinden des schiitischen Dachverbandes IGS. Die Bundesregierung scheint das nicht zu stören: Sie fördert die IGS mit Steuergeldern  - ausgerechnet für Projekte zur Bekämpfung des muslimischen Extremismus.

Anmoderation: Jerusalem soll von den Juden befreit und der Staat Israel vernichtet werden! Dafür demonstrieren konservative Schiiten jedes Jahr am sogenannten Al-Quds-Tag in Berlin. So auch am vergangenen Wochenende. Unter ihnen zahlreiche Imame und Vorstände des Dachverbandes der schiitischen Gemeinden in Deutschland, mit engem Bezug zu Religionsführern im Iran. Judenhasser auf Berlins Straßen. Erstaunlicherweise scheint das die Bundesregierung nicht zu stören: Sie fördert den schiitischen Dachverband mit Steuergeldern,wie Markus Pohl berichtet.

"Zionisten sind die Täter, Zionisten sind die Täter!"

Anti-Israelische Parolen, mitten in Berlin. Fast 2.000 Menschen ziehen am Wochenende am sogenannten Al-Quds-Tag durch die Hauptstadt – gegen das Existenzrecht Israels.

"Der Zionismus macht diese ganzen Probleme auf dieser Welt." – "Der Zionismus macht alle Probleme auf der Welt?" - "Generell, genau!" – "Israel ist eine Krebs, große Krebs, das verteilt über alle Länder."

Veranstalter des Marschs: Jürgen Grassmann, ein zum Islam konvertierter Deutscher mit Hang zu Verschwörungstheorien.

Jürgen Grassmann, Organisator Al-Quds-Marsch

"Die zionistische Weltbewegung braucht keine eigene Partei zu gründen, da sie in allen Parteien ihren Einfluss hat. Sie überleben alle Wahlen und bleiben ewig an der Macht."

Grassmann ist überzeugter Anhänger der iranischen Mullahs. Hier zu sehen bei einem Zusammentreffen mit Staatschef Ajatollah Khamenei in Teheran.

Heute nutzen die iranischen Machthaber die modernen Medien, um die Botschaft des von ihnen ins Leben gerufenen Al-Quds-Tags zu verbreiten.

"Israel ist ein bösartiges Krebsgeschwür (…), das ausgemerzt werden muss."

Auch auf dem Berliner Al-Quds-Marsch sind die schiitischen Mullahs unübersehbar. Wir fragen nach beim Dachverband der schiitischen Gemeinden in Deutschland, der IGS: Steckt der Verband etwa hinter der Demonstration?

Djavad Mohagheghi, Geschäftsführer IGS

"Ich sage: Jede Gemeinde kann für sich entscheiden, was sie machen will. Wir geben weder eine Empfehlung aus, noch verbieten wir denen das."

Kontraste "Finden Sie es richtig, was da passiert bei diesen Al-Quds-Demonstrationen oder sagen Sie, nein, das setzt ein falsches Zeichen?

Djavad Mohagheghi, Geschäftsführer IGS

"Nein, schauen Sie, solche Fragen brauche ich gar nicht zu beantworten, ich sage einfach, die IGS ist dafür nicht zuständig."

Man gibt sich ganz unbeteiligt. Zu Unrecht. Mitten in der Demonstration entdecken wir ein Vorstandsmitglied der IGS: Scheich Mohammad Mohssen vom Islamischen Zentrum Hamburg. Mit dabei auch der stellvertretende Leiter des Hamburger Zentrums: der Iraner Seyed Musawi. Und angeführt wird der Zug von Hamidreza Torabi – auch er ein führendes Mitglied aus Hamburg.

"Die IGS sagt immer, wir nehmen nicht teil an dieser Demonstration, warum sind Sie dann hier?" – "Bis bald." - "Bis bald?" - "Bis bald."

Die Moschee der drei Hamburger Mullahs ist die wichtigste schiitische Gemeinde in Deutschland – und laut Verfassungsschutz ein Propagandazentrum Irans. Die Leitung wird direkt vom Regime in Teheran entsandt und wohl auch finanziert.

Erst vor wenigen Tagen gedachte man hier des Todestags von Irans Revolutionsführer Chomeini. Allerdings nicht des Despoten, sondern des, Zitat:

"göttlichen Denkers, erkenntnisreichen Mystikers, großen Exegeten des edlen Koran und Wiederbeleber des reinen Islams."

Für die Islamwissenschaftlerin Susanne Schröter offenbart der Bezug auf Chomeini ein klar extremistisches Islamverständnis.

Prof. Susanne Schröter, Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam

"Im Iran bedeutet das eine absolute Entrechtung der Frauen, eine Entrechtung von Minderheiten, es bedeutet drakonische Strafen, es bedeutet eine absolute Kontrolle der Bevölkerung, und diese Ideologie wird über das Islamische Zentrum Hamburg und den Dachverband natürlich auch in Deutschland eingeführt."

Trotz dieses Hintergrunds suchen vor allem SPD-Politiker immer wieder die Nähe zur IGS.

Ende April irritierte Bundespräsident Frank Walter Steinmeier mit einer Einladung der IGS ins Schloss Bellevue. Ein Zeichen der Anerkennung, das Kritiker wie der Grünen-Politiker Volker Beck für problematisch halten.

Volker Beck, Bündnis 90/Die Grünen

"Das waren schöne Bilder, die dann auch wieder von dieser Organisation für ihre Eigenpropaganda dann natürlich benutzt werden und dann als Koscherstempel – im politischen Sinne – von denen ausgelegt werden. Und das dürfen sie halt nicht sein, weil das ist ein ungedeckter Wechsel."

Denn es ist längst nicht nur die Hamburger IGS-Gemeinde, die politisch heikel ist.

Ebenfalls mit seinen Anhängern zur Quds-Demo angereist: Yavuz Özoguz vom Islamischen Weg, ein IGS-Verein aus Delmenhorst.

Der bekannte Islamist betreibt mehrere Internetportale, wo er auch Propagandavideos iranischer Milizen veröffentlicht.

Oder dieser Prediger: Sabahattin Türkyilmaz, Imam einer Berliner IGS-Moschee.

Erst kürzlich verkündete er, Homosexualität sei "eine moralische Perversion".

Und, prominent in der ersten Reihe: Scheich Hassan Shahrour, ebenfalls ein IGS-Imam.

Von ihm kursiert ein Video, in dem er einen getöteten Terroristen der Hisbollah als Märtyrer preist.

Als Hisbollah-nah stuft der Verfassungsschutz gleich mehrere Gemeinden der IGS ein. Beim Dachverband aber gibt man sich ahnungslos.  

Kontraste

"Haben Sie Hisbollah-Sympathisanten unter ihren Mitgliedsgemeinden?"

Djavad Mohagheghi, Geschäftsführer IGS

"Da fragen Sie aber was…"

Kontraste

"Das sollten Sie wissen."

Djavad Mohagheghi, Geschäftsführer IGS

"Ich … sollte ich wissen … ich weiß nicht, ich wüsste so ohne Weiteres nicht genau, wie ich einen Hisbollah-Sympathisanten definieren sollte."

Eine bemerkenswerte Antwort für einen Verband, der von der Bundespolitik nicht nur hofiert, sondern auch noch gefördert wird.

So plant das Familienministerium, insgesamt 128.000 Euro an die IGS auszuschütten. Sie soll damit Workshops veranstalten – ausgerechnet gegen "religiös begründeten Extremismus".

Prof. Susanne Schröter, Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam

"Es ist nicht verständlich, dass Fördergelder in dieser Weise vergeben werden und dass man eine extremistische Organisation damit betraut, Extremismus zu bekämpfen."

Familienministerin Franziska Giffey aber hält daran fest. Man hoffe, heißt es aus ihrem Haus, dass die

"… Jugendarbeit der islamischen Verbände wichtige identitätsstiftende Arbeit leistet".

Offenbar will man weiter zusehen, wenn Israelhasser und organisierte Schiiten gemeinsame Sache machen.

Beitrag von Markus Pohl

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