Markus Söder (l, CSU), Ministerpräsident von Bayern, und Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Bild: Sven Hoppe/dpa
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Machtkampf in der CDU/CSU - Söder vor dem Durchmarsch?

Der Kampf um die Kanzlerkandidatur in der Union sollte harmonisch ablaufen und Einigkeit demonstrieren. Doch seit Söder nun offiziell Kanzler werden will, hat sich dieser Kampf zur offenen Schlacht entwickelt. Und während Söder das alles genau so geplant zu haben scheint, wirkt Laschet von dem Schauspiel regelrecht überrumpelt. Ob das am Ende der Union aus dem Umfrage-Tief hilft, ist mehr als fraglich.

Anmoderation: Bei den beiden gibts nur den oder keinen - geht ihnen wahrsacheinlich auch so. Auf der einen Seite: Söder, der Umfragenkönig, der sichere Pandemie-Kapitän - und andererseits: Laschet, der Mann, der momentan vorallem einen entscheidenden Vorteil hat: Die Parteispitze unterstützt ihn - alles andere wäre auch zu peinlich. Kaders Liebling und Quereinsteiger - so siehts aus. Oder: So soll es aussehen, wenns nach Söder geht. Sascha Adamek, Puneh Jalilevand und Lisa Wandt.

Zwei Landesväter und ein Ziel: Beide wollen hier rein, ins Kanzleramt. Unterschiede gibt es viele. Auch rhetorisch.  

„Markus Söder, mit Markus Söder 

Der Armin … mit dem Armin, der Armin“

Für Söder ist Laschet nur der „Armin“. Als wären sie best Buddys. Sein Lob kommt von oben – so spricht ein Meister über seinen Lehrling. 

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident Bayern

„Wir halten ihn für einen hoch respektierten Politiker und starken Parteivorsitzenden.“

Die versteckte Botschaft: aber für keinen guten Kanzlerkandidaten.

Söder fühlt sich überlegen, weil er die Umfragen seit Monaten mit dramatischem Vorsprung anführt. Er könne nun garnicht mehr anders, als anzutreten, sagt Söder-Kenner Roman Deininger.   

Roman Deininger, Söder-Biograph und Autor

„Markus Söder ist ein Machtmensch. Er wird angezogen vom Duft der Macht. Man könnte vielleicht sagen mit Söder und der Macht verhälts sich’s wie mit dem Hund und der Wurst. Wenn die Wurst in Reichweite liegt, dann ist das keine freie Entscheidung mehr für den Hund.“ 

Doch der Reihe nach: Am Sonntag kündigt Söder an, wer alles an seiner Inthronisation mitwirken muss – es wird sein Drehbuch: 

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident Bayern

„Wenn die CDU als die größere Schwester, das ist ja ganz klar dies breit unterstützt. Wenn dies Partei und Fraktion und die Mitglieder wollen, dann ist das für mich dann auch eine klare Sache, dass man dann nicht kneifen darf, sondern man muss sich der Verantwortung stellen.“

Montag: Das CDU-Präsidium stellt sich hinter Laschet.  

Und das CSU-Präsidium stellt sich hinter Söder. Es steht 1:1. Jetzt zieht Söder die nächste Karte. Und spielt mit der Angst vor einem schlechten Wahlausgang – mit einem Kanzler-Kandidaten Laschet.

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident Bayern

„Aber zwei, drei Prozent können für viele Abgeordnete der Union bedeuten, dass sie nicht mehr im Deutschen Bundestag sind. Es ist wichtig, diese Stimmen zu hören und sie auch einzubringen.“

Damit schürt er die Sorge vieler CDU-Abgeordneter, nach der Wahl aus dem Bundestag zu fliegen. Und bekommt prompt deren Unterstützung.

Fritz Güntzler (CDU), Bundestagsabgeordneter

„Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Also von daher klar: Markus Söder.“

Dass es einen Tag später zum Showdown im Bundestag kommen wird, will sein Kontrahent Laschet da noch nicht wahrhaben. 

Armin Laschet (CDU), Parteivorsitzender

„Die Bundestagsfraktion wird sich morgen intensiv mit dem Infektionsschutzgesetz beschäftigen. So dass nach meiner Einschätzung die Fraktion sich morgen mit dieser Frage nicht beschäftigen wird.“

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident Bayern

„Ich hab‘ gehört, Armin hat gesagt, er will eigentlich nicht in die Fraktion gehen morgen. Das muss man ja nochmal mit den Fraktionen bereden. Ich hab‘ den Eindruck, da gibt es Diskussionsbedarf.“

Am Dienstag kommt Laschet dann doch. Da hat er sich geirrt: Die K-Frage ist das Haupt-Thema in der Fraktion. Weil Söder es so wollte.

Kontraste

„Herr Laschet, wie gehen sie denn damit um, wenn sich die Fraktion jetzt tatsächlich mehrheitlich für Herrn Söder aussprechen sollte?“

Armin Laschet (CDU), Parteivorsitzender

„Das glaube ich nicht, da bin ich ziemlich sicher, wenn sie mich da durchlassen, können wir da gleich starten.“

Sascha Lobo, Publizist

„Wenn Armin Laschet am Montag lächelnd verkündet, er würde überhaupt gar keine Notwendigkeit sehen, in die Fraktion zu gehen, aber am Dienstag doch hingeht. Und da den offenen Kampf, den offenen Schlagabtausch wagt, dann ist das auch ein Zeichen der Schwäche von Armin Laschet. Er wirkt wie ein Getriebener. Und auch das ist in einer derart machtorientieren Partei wie der CDU in der Union insgesamt geradezu Gift.“

Vor den Augen aller muss Laschet nun für sich werben. Angenehm scheint das nicht zu sein. Deutlich mehr Abgeordnete machen offenbar Stimmung für seinen Gegner Söder.

Christoph de Vries (CDU), Bundestagsabgeordneter

„Was ich eben gehört habe, würde ich das so einschätzen, dass sich ungefähr zwei Drittel der Kollegen für Markus Söder ausgesprochen haben.“

2:1 für Söder. Laschet ist angeschossen. Auch wenn es in der Fraktion nicht zu einer Entscheidung kommt, spielt die Zeit nun gegen ihn. Und Söder mimt den Basis-Demokraten.

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident Bayern

„Es kann nicht sein, dass ein kleines Präsidium es gilt für uns auch als CSU sich zusammensetzt und dann sagt: Jetzt entscheiden wir mal und basta so ist es.“

Weil es in der Union kein Reglement für die Kandidaten-Wahl gibt, kann Söder den Willen der Basis vorschieben. Er geriert sich als einer „von unten“ – auch wenn er zu „denen ganz da oben“ gehört.

Christoph Hickmann, Spiegel-Reporter

„Markus Söder macht ja eine interessante Logik auf, indem er sagt: Das, was die Spitzengremien der CDU entscheiden, hat nicht mehr so eine große Bedeutung, weil sie im Grunde genommen nicht mehr das wahrnehmen, was außerhalb dieser Gremien außerhalb der Sitzungswelt passiert. Insofern ist es schon interessanter Anti-Establishment Ansatz.“

Auch wenn er inzwischen gern Bienen rettet und Bäume umarmt - noch im Landtagswahlkampf 2018 blinkte er nach rechts außen, Richtung AfD – etwa mit Begriffen wie Asyltourismus und Asylgehalt. 

Auch wenn der aktuelle Söder das bedauert – das Image des beliebigen Populisten wird er so schnell nicht los. 

Christoph Hickmann, Spiegel-Reporter

„Eine große Gefahr, die Markus Söder in einem Wahlkampf als Kanzlerkandidat drohen würde. Und darauf hat im Übrigen Armin Laschet am Dienstag in der Fraktionssitzung auch nochmal deutlich hingewiesen, wäre natürlich, dass man sich den Markus Söder von früher nochmal ganz genau anschaut.“

Söder wäre der bessere Kandidat, Laschet der bessere Kanzler, heißt es aus der Fraktion. Schon morgen könnte eine Entscheidung fallen. Denn der Druck in der Union ist gewaltig. 

 

Beitrag von Sascha Adamek, Pune Jalilevand und Lisa Wandt

 

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