Ein am Corona-Virus erkrankter Intensivpatient aus Thüringen wird bei einer Patientenverlegung in die Notaufnahme vom Krankenhaus Siloah Klinikum Region Hannover (KRH) gebracht. Bild: Julian Stratenschulte/dpa
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Der harte Alltag auf der Intensivstation - Die Patienten werden immer jünger

Seit mehr als einem Jahr kämpfen Ärzte und Pflegekräfte des Klinikums Kempten, um das Leben der Corona-Patienten. Ihr Kampf fordert Kräfte und bringt das Personal immer wieder an ihre Belastungsgrenzen. Zugleich trifft das Virus auch immer mehr jüngere, meist ungeimpfte Menschen.

Anmoderation: Corona in unser Leben lassen - eine absurde Forderung. Vor allem weil zur gleichen Zeit auf Intensivstationen überall im Land alles getan wird, um Coronapatienten am Leben zu lassen. Oft wird gesagt: Die, die dort arbeiten, seien "am Limit". Mein Kollege Daniel Donath, der für uns jetzt zum dritten Mal auf der Covid-Intensivstation hier in Kempten war, hat miterlebt, dass sie längst über alle Maßen erschöpft sind und der Überlebenskampf immer verzweifelter wird.

Intensivmediziner Andre Hitzl auf dem Weg zu einem schwerkranken Patienten.

"Grüß Gott"

Patient

"Hallo"

Er ist erst 47 Jahre alt, ungeimpft – und kämpft um sein Leben.

Dr. Andre Hitzl

"Wir können überhaupt keine Prognose geben, wie sich die nächsten Tage entwickeln. Irgendwann kann es passieren, dass wir ein künstliches Koma machen müssen und sie aktiv und invasiv beatmen müssen. In dem Moment, wo wir Sie beatmen müssen, ist die Prognose äußerst ungünstig"

Die Überlebenschancen wären dann bei rund 50 Prozent. Er hat Angst, heute würde sich der Familienvater impfen lassen.

Kontraste

"Wenn Sie jetzt hören Impfpflicht? Finden Sie, das ist der der richtige Weg? Wenn Sie die Krankheit so erlebt haben, das Virus?"

Patient

"Man kann es nie sagen, aber ob das der richtige Weg ist? Ich denke, die Menschen müssen selber entscheiden können, was sie zu tun und zu lassen haben. Natürlich, wenn es über die Gesundheit geht und solche Leute wie der Doktor hier, die damit befangen sind nachher, könnte man sich das schon überlegen."

Seit fast zwei Jahren steht das medizinische Personal hier täglich unter enormer Belastung.

"Eins, zwei, drei … Und dann ziehen wir jetzt an dem…"

Samanta Rauh, Intensivpflegerin

"Also ich bin eigentlich am Ende. Es ist so, dass ich ständig Kopfschmerzen habe durch die Masken. Wir werden ständig angerufen, dass wir zum Arbeiten kommen müssen, weil so viele Krankheitsausfälle und das zehrt an allen Nerven von uns. Wenn man nach Hause kommt, ist man halt auch fix und fertig. Man muss sich erholen und für den nächsten Dienst fit zu sein."

Und es kommen neue Corona-Patienten hinzu – sie werden jünger. Im Schnitt sind sie hier derzeit 57 Jahre alt. Wenn es nicht bald mehr Pflegekräfte gibt und auch eine allgemeine Impfpflicht kommt, sieht Chefarzt Florian Wagner für die Zukunft schwarz.

Chefarzt Florian Wagner

"Jetzt kommt zusätzlich die Omikron Variante, wo vieles noch unklar ist, wo wir wieder mit höheren Infektionsraten rechnen müssen, möglicherweise auch noch mit mehr Patienten rechnen müssen. Wir brauchen klipp und klare Ansagen."

Der 47-jährige Familienvater hat trotz allem Hoffnung:

Patient

"Aber ich bin guter Dinge, dass ich es schaffe. Meine Tochter wartet auf mich."

Beitrag von Daniel Donath

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