Undercover in der Empörungsfabrik - Der Kontraste-Skandal

Seit dem 18. Januar 1968 erschüttert das Politikmagazin mit seinen Recherchen die Republik. Höchste Zeit, zum 50ten Geburtstag endlich mal schonungslos aufzudecken, mit welchen Methoden diese "dubiosen" Journalisten wirklich arbeiten.

Anmoderation: Kontraste wird 50. Ein halbes Jahrhundert investigativer Recherche! Normalerweise guckt man ja an Geburtstagen gerne feierlich zurück, wird ein bisschen sentimental bei den Kinderfotos und ist stolz beim Blick auf das Erreichte. Wir machens heute mal anders: Mein Kollege Helge Oelert gewährt einen seltenen Blick hinter die Kulissen. Er hat den Spiess mal umgedreht und Kontraste selbst zum Objekt einer investigativen Recherche gemacht.

Die Republik im Chaos …

Andrea Nahles

"Auf die Fresse, Merkel muss Weg"

Christian Lindner

"Nichtregieren ist besser."

Alexander Gauland

"Wir werden sie jagen."

Von den Schuldigen…

Martin Schulz

"Es reicht, wenn man im öffentliche-rechtlichen Fernsehen ständig irgendwelche Lektionen erteilt bekommt."

… nur eine vage Ahnung.

Joachim Herrmann

"Die beiden öffentlich-rechtlichen Sender."

Doch nach unseren Recherchen, lässt sich sehr genau lokalisieren, von wo aus die Destabilisierung unserer Republik seit Jahren betrieben wird: Aus diesem Bürohaus, im gutbürgerlichen Westen Berlins.

Moderationen

"Skandale. Skandale. Skandale."

Die schreckliche Befürchtung: Hinter dieser Kampagne steckt eine skrupellose Journalistenclique, die sich jeder Kontrolle entzieht. Benutzt sie Tarnung des Rundfunks Berlin-Brandenburg als harmlosem Tier- und Heimatsender, um das politische System zu unterwandern?

Ausgangspunkt für eine investigative Recherche: Mit versteckter Kamera dringen wir ein in die Kommandozentrale. Von hier wird die 'Operation Kontraste' gesteuert.

In abgedunkelten Legebatterien brüten Reporter über Angriffsplänen auf die Grundfeste unserer Ordnung.

"Eine Eliteeinheit – täglich trainiert sie für den Straßenkampf."

Dieser Aussteiger kann nicht länger schweigen. Jahrelang war er selbst Teil des Systems Kontraste. Sein Urteil:

Protagonist

"Kontraste – das ist so etwas wie eine Art gebührenfinanzierte Empörungsfabrik!"

Auf einer zugespielten Festplatte entschlüsseln unsere Hacker die Daten. Das Material zeigt: die Operation beginnt schon in den 60ern.

Ausschnitt Kontraste

"Guten Abend, der Sender Freies Berlin bringt Ihnen heute zum ersten Mal die Sendung 'Kontraste'."

Bereits in der ersten Ausgabe...

Ausschnitt Kontraste

"Sehen Sie Herr Minister…"

… wird die Staatsspitze sturmreif geschossen.

Ausschnitt Kontraste

Willy Brandt: "Was kritisch vorgebracht wird, bezieht sich auf die ungelösten politischen Fragen."

Es gelingt uns, einen Überzeugungstäter der ersten Stunde ausfindig zu machen: Joachim Trenkner. Vor laufender Kamera gibt er zu: Es ging von Anfang an um nicht weniger als den Zusammenbruch des Ostblocks.

Joachim Trenkner

"Die Krisen des Sozialismus waren unser großer Verbündeter. Der Prager Frühling, Solidarnosc in Polen, dann rebellische Jugend in der DDR. All das hat uns auch geholfen."

Für die Destabilisierungskampagne ist jedes Mittel recht. Wie der Einsatz hypnotischer Suggestion …

Ausschnitt Kontraste 1968

"Das Denunzieren von politischen Gegnern …"

Ausschnitt Kontraste 1969

"… befürchten Sie da nicht, dass Sie als nützlicher Idiot angesehen werden?"

Und Sex, immer wieder Sex , um die Massen aufzustacheln.

Ausschnitt Kontraste 1970

"Nacktsein wird mit trotziger Natürlichkeit demonstriert."

Ausschnitt Kontraste 1971

"Manch heimlicher Blick folgt Bärbel und Sonja. Deswegen."

Als schnelle Erfolge ausbleiben, übernimmt in den 80ern die 'Zweite Generation' um Chefredakteur Jürgen Engert. Er nimmt verstärkt die DDR ins Visier. Bis heute streitet er jedoch ab, diesen Staat willentlich von der Landkarte gesendet zu haben.

Jürgen Engert, ehemaliger SFB-Chefredakteur

"Das Fernsehen wollte keine Politik machen, die Redaktion ist auch nicht angetreten, die DDR zu stürzen."

Doch dieser Strippenzieher gibt zu, im privaten Umfeld Kämpfer rekrutiert und für genau dieses Ziel radikalisiert zu haben.

Roland Jahn

"In der DDR-Videoaufnahmen zu machen, das war ja kreuzgefährlich. Da hat man ja immer die Gefahr gehabt, dass man festgenommen wird und ein paar Jahre hinter Gitter wandert. Das waren mutige junge Leute, meine Freunde, meine persönlichen Freunde, die das gemacht haben. Ich hab Videokameras rüber geschickt aus dem Westen in den Osten, und die Jungs haben dann gefilmt.

Ausschnitt Kontraste 1989: Gestern Abend in Leipzig. Das Bild hat symbolischen Wert. Über Jahre hinweg waren es nur wenige in der DDR, die ihre Meinung offen kundtaten. Jetzt werden es immer mehr.

Joachim Trenkner

"Mission was accomplished. Die DDR gab es nicht mehr."

Doch statt nun das Feuer einzustellen, schießt man sich ein auf den nächsten Staat: Die Bundesrepublik Deutschland!

"Skandal Skandal Skandal Skandal Skandal Skandal Skandal Skandal Skandal Schlimm, ganz schlimm finde ich das."

Sie schrecken arglose Rentner auf...

Ausschnitt Kontraste 2001

"In Italien wurde Engel wegen 246fachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Sie verhöhnen unsere Armee …"

Ausschnitt Kontraste 2015

"In ihrer Not mussten die Bundeswehrsoldaten also Besenstile schwarz lackieren und montieren, damit der Boxer überhaupt wie ein Gefechtsfahrzeug aussah.

Sie geben Staatsfeinden ein Forum ..."

Ausschnitt Kontraste 2016

"'Sie stehen im Freistaat Preußen.' 'Nein, ich stehe in der BRD.' 'Nein, das meinen Sie …'"

Für diese neue operative Phase werden zusätzliche Kräfte angeworben. Wie diese Sympathisantin aus der Politszene, Deckname Renate.

Bis heute rechtfertigt sie ihre Kollaboration mit der vermeintlich guten Sache.

Renate Künast

"Ich zumindest habe das immer als wohltuend empfunden - wenn bundesweit gesendet jemand einen Skandal enttarnt, gibt es mehr Möglichkeiten zur Veränderung."

Und auch dieser Mann taucht immer wieder auf. Offensichtlich hat er für die Redaktion wichtige Sendeminuten gefüllt.

Ausschnitt Kontraste

"'Gegendarstellung' 'Dazu stelle ich fest', Dr. Gregor Gysi, Dr. Gregor Gysi."

Ungeschlagene 25 Mal findet sich sein Klarname in den Unterlagen.

Gregor Gysi

"Ja, Kontraste und andere Magazine sind wichtig, weil sie sich diesen Aufgaben stellen. Nun haben sie sich ein bisschen auf mich eingeschossen gehabt, gut habe ich Pech gehabt, weil es da auch Vorurteile gab. Aber das ändert ja nichts daran, dass die Aufgabenstellung wichtig ist."

Und welche Rolle spielen die wiederkehrenden Experten vor ihren Bücherwänden?

Ausschnitt Kontraste

"'… der renommierte Strafrechtsprofessor Peter-Alexis Albrecht …', '…der Rechtswissenschaftler…', 'der renommierte Strafrechtler und Kriminologe…', '…der Kriminologe und Rechtsphilosoph Professor Peter-Alexis Albrecht.'"

Peter-Alexis Albrecht

"Naja, Sie schneiden sich den Experten zurecht, wie sie ihn brauchen. … Das ist unsere Rolle, wir sind Pausenclowns. Wir dürfen die Leute belustigen, wir dürfen kritisch sein, wir dürfen alles reden – aber es ändert sich nichts."

Wir konfrontieren den renommierten Experten-Experte Ulrich Battis mit diesem Vorwurf.

Ullrich Battis

"Experten werden meines Erachtens maßlos überschätzt. So dass man von vornherein immer auch einen Gegenexperten fragen kann."

Wie kann das alles sein? Wir wollen von der Politik erfahren: Setzt sie dem Treiben endlich ein Ende? Doch in den Sondierungsvereinbarungen – kein Wort davon. Wieder lässt sich die SPD übern Tisch ziehen.

Kontraste

"Herr Schäfer-Gümbel, können wir Ihnen kurz eine Frage stellen…?"

Thorsten Schäfer-Gümbel

"Nein!‘"

Kontraste

"Herr Scholz… Herr Scholz… Herr Scholz, ganz kurz …"

Barbara Hendricks

"Schon gar nicht sehe ich Serien, für sowas habe ich einfach keine Zeit."

Kontraste

"Naja, Kontraste ist ja keine Serie"

Barbara Hendricks

"Nee, natürlich nicht…"

Insider sind sicher: Dank so viel Ahnungslosigkeit ist die Operation Kontraste heute schlagkräftiger denn je.

Protagonist

"Die werden weiter machen, wenn die keiner stoppt, werden die weiter machen."

Beitrag von Helge Oelert

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