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- Windige Geschäfte mit Desinfektionsmitteln und Masken

Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken sind in Deutschland für den Normalbürger kaum noch erhältlich. Sie sollen dem Gesundheitssystem vorbehalten bleiben. Im Internet dagegen blüht der Handel zu horrenden Preisen. Kontraste hat sich auf die Spur eines windigen Online-Händlers begeben – bis ins Corona-Krisengebiet Tirol.

Anmoderation: Statt an Schwächere zu denken, wittern sie jetzt das große Geschäft. Menschen, die mit Desinfektionsmitteln und Schutzmasken über das Internet Kasse machen. Und das zu völlig überhöhten Preisen. Dingen also, die sogar für Krankenhäuser und Arztpraxen jetzt zur Mangelware werden.  Silvio Duwe hat einen dieser Händler aufgespürt.

 

Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel: wegen Corona sind diese Produkte so gefragt wie noch nie. Ärzte und Krankenhäuser sind dringend auf diese Schutzausrüstung angewiesen. Doch im Handel heißt es jetzt meist: ausverkauft.

Eine perfekte Möglichkeit für Geschäftemacher, im Internet schnelles Geld zu verdienen. Wir stoßen auf mundschutzmasken24.

5 Atemschutzmasken kosten hier 19,95. Für denselben Preis gibt es 100 ml Händedesinfektionsmittel.

Der Verbraucherschutzanwalt Guido Bockamp beobachtet, dass einige Onlineshops jetzt mit überhöhten Preisen Kasse machen.

Guido Bockamp, Rechtsanwalt

„Artikel wie 100 Milliliter Sterilium liegen die Preise, die man normalerweise am Markt erwarten würde, normal zwischen zwei und fünf Euro. Das heißt, wenn da knapp 20 Euro aufgerufen werden, dann ist das um ein Vielfaches zu hoch.“

Hinter dem Angebot steht die Firma „Kitzventure“. Sie gibt eine Osnabrücker Telefonnummer an. Wir stellen uns als Kunden vor.

Kontraste

„Guten Tag, Silvio Duwe ist mein Name. Wäre es möglich in Osnabrück sich zu treffen für einen Kauf?“

Die Firma verneint. Bestellungen würden nur über den Onlineshop abgewickelt. Wir fahren nach Osnabrück. Im Handelsregister finden wir eine Adresse. Aber die Niederlassung ist mittlerweile geschlossen.

Wir versuchen es bei der Privatadresse des Geschäftsführers. Doch auch dort ist der nicht zu finden. Hinter vorgehaltener Hand hören wir: der Vormieter des Hauses habe Schulden gehabt und sei verschwunden.

Jetzt fragen wir Kitzventure offiziell für ein Interview an. Geschäftsführer Thomas Landrock bietet sofort ein Gespräch im österreichischen Kitzbühel an. Möchte offenbar Werbung für sein Geschäft machen. Seltsam konspirativ nennt er uns einen Treffpunkt: nicht etwa sein Büro, sondern einen Parkplatz. Von dort aus lotst er uns zu einem Gasthof. Hier schwärmt er von der Qualität seiner Masken und rechtfertigt seine Preise.

Patrick Landrock, Kitzventure

„Es ist eine Goldgräberstimmung da, und es gibt ja auch Krankenhäuser, wo große Mengen an Mundschutz, Masken und Desinfektionsmittel gestohlen worden ist. Das müssen wir alles absichern. Ist ein Riesenaufwand. […] Wie kriegt man die Warenflüsse noch hin? Kann die Post noch weiterarbeiten?“

Wir machen eine Testbestellung. Wollen die Qualität der Ware überprüfen und herausfinden, wie schnell die angeblich „sofort lieferbaren“ Produkte bei uns ankommen.

Vor unserer Kamera geriert sich Patrick Landrock als ehrlicher Kaufmann, der in dieser Krise

Patrick Landrock, Kitzventure

„Wir haben für Militär, Polizei, Krankenhäuser, Ärzte eine spezielle internationale Hotline eingerichtet. Die auch als Notfall-Hotline auch im Internet entsprechend angepriesen wird. Dort kriegen wir ständig rund um die Uhr Anrufe.“

Angebote dieser Art sprießen derzeit, stellt der Verbraucheranwalt fest. Er fordert, die Anbieter in den Blick zu nehmen und auch zu prüfen, ob strafbarer Wucher vorliegt.

Guido Bockamp, Rechtsanwalt

„Da geht es um das Kasse machen mit dem höchsten Gut, das wir verteidigen können, nämlich mit der menschlichen Gesundheit. Und da ist es dringend an der Zeit, jetzt auch wieder strafrechtlich zu belangen.“

Abmoderation: Die Ware mussten wir bei der Bestellung vor einer Woche übrigens sofort bezahlen. Bei uns angekommen ist sie bis heute nicht.

Beitrag von Silvio Duwe

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