Thailand, Bangkok: König Maha Vajiralongkorn von Thailand und Königin Suthida von Thailand winken während sie den Großen Palast nach einer Zeremonie verlassen. Foto: Wason Wanichakorn/AP
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- Der despotische König aus Thailand und seine diplomatischen Verwicklungen

König Rama X. aus Thailand wohnt die meiste Zeit in Bayern. Er frönt ein Luxusleben, ist mit seinen Eskapaden ein Star der Boulevardpresse. In Bangkok gehen wegen ihm Zehntausende auf die Straßen. Sie werfen ihm vor, an Verschleppung, Folter und Mord gegen Regimekritiker beteiligt zu sein. Nun schaltet sich der deutsche Außenminister mit einem diplomatischen Warnschuss ein. Für Menschenrechtler zu wenig, sie fordern den Entzug der Visa für den König und seine Entourage.

Anmoderation: Schwere Zeiten - aber auch in diesen gibt es sie natürlich: Die Glanz und Gloria-Geschichten: Diese Woche war Prinz Charles in Berlin, hielt eine Rede auf deutsch – und sorgte damit reihum für Begeisterung. Dabei haben wir ja jemanden, der dem Prinzen von Wales ganzen locker die Krone aufsetzt: Einen echten König, einen Ganzjahres-Royal, der mitten uns lebt. Noch dazu ein Märchenkönig mit unerschämtem Reichtümern. Nur; wer es wagt, ihm die Meinung zu geigen, für den gibts kein glückliches Ende. Chris Humbs über die diplomatischen Verrenkungen die es braucht, um diesem Mann ein Leben im bayrischen Idyll zu ermöglichen ...

In diesem Hotel in Garmisch-Partenkirchen residiert der einzige König, den wir in Deutschland haben: Der thailändische Monarch Rama X. 

Er liebt das süße Leben, heißt es. Fotos von ihm mit Konkubinen geistern durch das Internet.

Der 68-jährige in der U-Bahn von Bangkok - die Mitfahrer müssen vor ihm auf dem Boden knien. 

König

„Happy birthday to you …“ 

Hier feiert er mit seiner Frau den Geburtstag seines Pudels. Inzwischen ist sie seine Ex-Frau. Er hat sie verstoßen – sie ist im Arrest.

Sport und die frische Luft haben es Maha Vajiralongkorn, so sein regulärer Name, angetan. So wohnt er seit über zehn Jahren im idyllischen Bayern, recht abgeschieden in seinem Domizil, streng bewacht von thailändischen Sicherheitskräften. 

Einer Anwohnerin geht das auf die Nerven: „der muss hier raus, das geht nicht, dass er hier mit seinen Nutten herrscht. Ich glaub da kommt wieder so ein Auto mit seinen Leuten, da sitzen sie dann drin.“

Dem König rollt man in Bayern den roten Teppich aus. Eigentlich dürften Besucher wegen des Corona-Lockdowns gar nicht in Hotels logieren. Für den König und seine etwa 50 Diener gab es eine Art Ausnahmegenehmigung - vom Landratsamt. 

So kann der Monarch unbeschwert Shoppen gehen. Mit gewagtem Oberteil und Zweit-Frau. 

Stets sind Bodyguards und Diener mit dabei. 

Auch in Garmisch in der Einkaufsmeile, das weiß eine Mitarbeiterin des Sportgeschäfts: 

Mitarbeiterin Sportgeschäft 

„Da kommt er mit seinem Gefolge hinein, da werden die Klos unten schön hergerichtet für ihn, auch wenn er nicht aufs Klo geht. 

Kontraste

„Da kommen fremde Leute bei Ihnen ins Geschäft und putzen das Klo?“

Mitarbeiterin Sportgeschäft

„Ja, ja. Die gehen runter und schauen, ob alles aufgeräumt ist. Stellen da seine Handseife hin seine Tüchlein.“ 

Geld zum Shoppen hat er. Rama X. gilt als reichster Monarch der Welt – gut 40 Milliarden Euro schwer, so Schätzungen. 

Unter anderem ist er Hauptaktionär der größten thailändischen Bank.

Der König – eher eine moralische Autorität - mischt sich immer häufiger in Verfassungsfragen und die aktuelle Politik ein.

Der Monarch gilt als Stütze der Generäle, die sich vor sechs Jahren an die Macht putschten. 

All das führte zu Protesten in Thailand. Studenten fordern seit Monaten eine Machtbegrenzung des Königs – für sie ist Rama X. ein Despot. Viele Kritiker landen wegen Majestätsbeleidigung im Gefängnis – bis zu 15 Jahre Haft drohen. 

Um einer solchen Haftstrafe zu entgehen, floh der ehemalige Parlamentsmitarbeiter Thana-pol Bumrungsri nach Deutschland, beantragte Asyl. Das alles wegen recht harmloser Kritik:

Thanapol Bumrungsri, Regimekritiker

“40 bis 50 Prozent der Thailänder sind sehr arm, wenig Bildung, niedriger Lebensstandard, wenig soziale Absicherung. Die Steuergelder, die der König für seine gut 10-köpfige Familie erhält, sind viel zu hoch. Also kritisierte ich, dass das nicht fair ist.”  

Er hat es über Kambodscha nach Deutschland geschafft. 

Andere Kritiker nicht. Sie gelten als verschollen, wurden gefoltert oder gar ermordet aufgefunden.

Kürzlich protestierten Studenten auch vor der Deutschen Botschaft in Bangkok. Sie übergaben dem Botschafter einen Brief mit der Aufforderung:

Zitat: „…der deutschen Regierung davon abzuraten, König Maha Vajiralongkorn einen erneuten Aufenthalt in Deutschland zu gestatten.“

Denn der thailändische König führe von seinem bayerischen Domizil aus seine 

Zitat: „…Amtsgeschäfte und gab auch das Verschwindenlassen von Kritikern in Auftrag.“

Außenminister Maas reagiert - und zwar ungewohnt scharf gegenüber dem Staatsoberhaupt: 

Heiko Maas (SPD), Bundesaußenminister

"Natürlich habe ich auch das Treiben des thailändischen Königs in Deutschland im Blick und wenn es dort Dinge gibt, die wir als rechtswidrig empfinden, dann wird das sofortige Konsequenzen haben." 

Ein Warnschuss. 

Wegen der zunehmenden Proteste verweilt der König zurzeit in Thailand. Seine Anhänger, die Royalisten, feiern seinen Besuch in der Heimat. Äußert ungewöhnlich für ihn: Er reagiert sogar auf eine Reporterfrage zu den demonstrierenden Studenten:

König

„Kein Kommentar. Wir lieben sie alle gleich. Wir lieben sie alle gleich.“ 

Doch davon ist nichts zu spüren. Die Chunta regiert weiter, der Majestätsbeleidigungsparagraph hat Bestand. Die Verschollenen bleiben verschwunden. 

In Deutschland sucht man noch nach dem richtigen Umgang mit dem Monarchen.

Nils Schmid, Außenpolitscher Sprecher SPD-Bundestagsfraktion: „Sollte die Demokratiebewegung gewaltsam niedergeschlagen werden durch die Armee oder Sicherheitskräfte und dabei es zu Opfern kommen, dann wäre ein weiterer Aufenthalt für den König in Deutschland aus meiner Sicht nicht möglich.“

Also erstmal ist der König weiterhin herzlich willkommen in Deutschland.

 

Beitrag von Chris Humbs

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