- Plante Amri Anschlag auf Wohnsitz der Kanzlerin?

Der Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri hatte noch weitere mögliche Anschlagsziele im Visier. Auf dem Handy der Marke HTC stellen die Ermittler nach dem Anschlag ein bemerkenswertes Foto sicher: Amri fotografiert sich aus wenigen Metern Entfernung vor dem Wohnhaus von Angela Merkel. Ein Objekt, das 24 Stunden am Tag von Polizisten bewacht wird. Erwog der Tunesier einen Anschlag auf die Kanzlerin? Und wurde das Kanzleramt mittlerweile gewarnt, dass der IS möglicherweise die Kanzlerin im Visier hat?

Anmoderation: Nicht selten fördern unserere Recherchen erst nach Wochen etwas zutage - manchmal aber stockt uns schon in den ersten Minuten der Atem. Bei dem Datensatz, der Susanne Katharina Opalka und Jo Goll zugespielt wurde, war das so. Darauf: Bilder die Anis Amri - der Attentäter vom Breitscheidplatz auf seinem Handy abgespeichert hatte: Man sieht ihn mit potentiellen Anschlagzielen - und plötzlich steht er sogar vor der Privatadresse der Kanzlerin.

Knapp zwei Monate vor dem Anschlag: Anis Amri in Berlin-Mitte unterwegs. Der Tunesier macht Selfies – dieses ist brisant, denn: er steht in wenigen Metern Entfernung vor dem Wohnhaus von Bundeskanzlerin Angela Merkel, das 24 Stunden am Tag bewacht wird.

Wenige Minuten später dieses Foto:  Der Islamist vor dem Berliner Dom. Der ausgestreckte Zeigefinger – sein Bekenntnis zum Islam:

Konstantin von Notz (Bündnis 90/Die Grünen), Mitglied Amri-Untersuchungsausschuss

"Wenn man sich die Fotos anschaut, dann denkt man schon: er war sicher, einen Anschlag begehen zu wollen, aber hat noch das geeignete Ziel gesucht."

Auch die Ermittler des Bundeskriminalamts kommen zu dem Schluss: Amri sucht im Herbst 2016 aktiv nach Anschlagszielen. Das Haus der Kanzlerin also – ein möglicher Anschlagsort?

Doch der Wohnsitz der Kanzlerin findet im Auswertungsvermerk gar keine Erwähnung. Die Ermittler konzentrieren sich stattdessen auf das benachbarte Magnus-Haus, seit Jahren Sitz der Deutschen Physikalischen Gesellschaft:

Konstantin von Notz (Bündnis 90/Die Grünen), Mitglied Amri-Untersuchungsausschuss

"Bei der Faktenlage sind wir darüber sehr irritiert, dass nicht zumindest die Option, dass hier auch das Haus der Kanzlerin betroffen sein kann, in den Akten vermerkt ist. Darüber werden die Sicherheitsbehörden Auskunft geben müssen. Das ist ein relevanter Sicherheitsaspekt für unser Land."

Übersah das Bundeskriminalamt einen so wichtigen Aspekt? Und wurde die Kanzlerin im Nachhinein darüber informiert, dass sie möglicherweise im Visier des Terroristen war? Auf diese Fragen erhält KONTRASTE keine Antwort von der ermittelnden Bundesanwaltschaft – Kein Kommentar, heißt es aus Karlsruhe.

Beitrag von Jo Goll und Susanne Opalka

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