- Kriegsverbrechen in Syrien

Seit dem Einmarsch türkischer Truppen in Nordsyrien überschlagen sich die Ereignisse: IS-Gefangene werden befreit, Dschihadisten von der Türkei eingeschleust, um gegen Kurden zu kämpfen. Dabei kommt es bereits jetzt zu Erschießungen von Gefangenen und Zivilisten. Beteiligt sind zum Teil Syrer, die zuvor als Flüchtlinge in Deutschland lebten. Wieder einmal betätigt sich die Türkei als Drehscheibe für islamistische Terroristen.

Anmoderation: Er lebte noch bis vor kurzem als Flüchtling in Deutschland - inzwischen ist er wieder zurück in Syrien. Kämpft dort gegen die Kurden - für ihn. Nicht in der türkischen Armee, sondern als Söldner und mit schmutzigen Mitteln. Die Kriegsverbrechen im Namen Erdogans - sie lassen sich tatsächlich belegen. Georg Heil.

"Operation Friedensquelle" – so nennt die Türkei ihren Angriff auf die Kurden in Nordsyrien. Es sind vergleichsweise nur wenige türkische Soldaten, die in den Krieg ziehen – der Großteil von Erdogans  Streitmacht besteht aus syrischen Söldnern und Milizen - finanziert und ausgerüstet von der Türkei. Doch wer sind diese Kämpfer? Eine der Gruppen nennt sich  "Ahrar al Sharkiya".  Am 12. Oktober nehmen ihre Kämpfer drei Männer fest.

"Die Ahrar al Sharkiya hat fliehende besiegte PKK-Kämpfer gefangen."

Auf ihrem Twitterkanal schlachtet die Gruppe die Festnahme propagandistisch aus. Der Mann, der hier die Gefangenen vorführt nennt sich "Abu Hatim" – bevor er für die Türken kämpfte war er Kommandant bei der Terrororganisation "Ahrar al Sham".

Wenig später entsteht dieses Video: es zeigt den Mord an einem der Gefangenen. Wie im Rausch schießen die Kämpfer immer wieder auf ihn ein.

Omid Nouripour (B´90/Grüne), Bundestagsabgeordneter

"Die Hinrichtung von Kriegsgefangenen, ist eindeutig ein Kriegsverbrechen. Es gibt kaum Schlimmere. Und die Verantwortung tragen nicht nur diejenigen, die den Abzug drücken, sondern auch alle die, die es ermöglichen. Das bedeutet, dass die Kriegsverbrechen der Verbündeten von Erdoğan bei diesem Feldzug auch die Kriegsverbrechen von Erdoğan sind."

Gefilmt wurde die Szene von diesem Mann: Harith  al Rabah. Während er sich filmt rangiert hinter ihm ein Schützenpanzer vom Typ M113 – anhand der charakteristischen Zusatzpanzerung und der Nebelwerfer lässt sich das Fahrzeug eindeutig der türkischen Armee zuordnen - ein Beleg, dafür, wie eng die Gruppe mit der Türkei verbandelt ist.

Diese Fotos zeigen Rabah in Deutschland. Als Kriegsflüchtling hatte er in Sachsen-Anhalt Zuflucht gefunden. Ende 2017 kehrt er aber nach Syrien zurück.

Im vergangenen Jahr kämpft er dort schon einmal mit der "Ahrar al Sharkiya" gegen kurdische Kräfte – bei der türkischen  Militäroffensive in der syrischen Region Afrin. Schon damals ist die Miliz durch schwere Menschenrechtsverstöße aufgefallen.

Ruth Jüttner, Amnesty International

"Wir haben dokumentiert, dass sowohl die syrischen Verbündeten als auch die türkische Armee verantwortlich ist für willkürliche Festnahmen, uns wurde von Folter berichtet in den Gefängnissen, es sind Personen verschwunden. All dies sind schwere Menschenrechtsverletzungen."

Dieses Video soll vor neun Tagen nahe der Ortschaft Kendal entstanden sein. Die Männer in dem Clip identifizieren sich als Kämpfer der mit der Türkei verbündeten Miliz "Faylaq al Majd" – dann filmen sie sich, wie sie die Leiche einer kurdischen Kämpferin schänden.

"Das ist eine Eurer Huren, die Ihr uns geschickt habt! Allahu Akbar!"

Unter den türkischen Verbündeten sind offenbar auch ehemalige IS-Kämpfer. So wie dieser Mann: Hussein al Jouani. Hier sieht man ihn beim Singen eines sogenannten Naschid in dem er der Terrororganisation IS huldigt.

"Der Friede sei mit unserem Islamischen Staat, mit seinen siegreichen Schwertern."

Deutsche Sicherheitsbehörden kennen den Mann, denn Jouani – hier auf einem Foto in Athen zu sehen - lebte 2015 für ein Jahr als Flüchtling in Deutschland.

Heute kämpft der Ex-IS-Terrorist an der Seite der Türkei in der Gruppe "Jabah al Shamiya". Diese Fotos zeigen ihn kurz vor Beginn der Invasion.

Omid Nouripour (B´90/Grüne), Bundestagsabgeordneter

"Wenn die Türkei ihre Invasion damit begründet, dass sie Terroristen bekämpft, dann ist umso fraglicher, warum dort dschihadistische Gruppierungen, die für zahlreiche Terroranschläge verantwortlich sind, jetzt die besten Partner der türkischen Armee am Boden sind."

Inzwischen verkündet Präsident Erdogan den vermeintlichen türkischen Sieg. In Syrien will er langfristig präsent bleiben.

Recep Tayyip Erdoğan, türkischer Präsident

"Als Nachbar und Freund des syrischen Volkes werden wir uns weiterhin für Frieden, Sicherheit und Stabilität einsetzen."

Für die rund 200.000 meist kurdischen Flüchtlinge dürfte das wie eine Drohung klingen.

Beitrag von Georg Heil

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