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- Corona Warn-App: Ziemlich teuer

Die Corona-Warn-App der Bundesregierung läuft gut. Die Entwickler sind ebenso stolz wie die Kosten: 20 Millionen Euro zahlt der Staat an Telekom und SAP für die App. Zehnmal mehr, als Österreich, Norwegen und die Schweiz für ihre Corona-Apps ausgegeben haben. Muss das sein?
 

Anmoderation: Haben Sie sie auch runtergeladen - Die Corona App? - 13 Millionen Abrufe Stand heute Abend. Um uns und andere zu schützen und eine zweite Welle zu verhindern. Alle sind voll des Lobes, die Hacker vom Chaos Computer Club attestieren, dass die APP transparent programmiert und unsere Daten anonym und damit sicher sind. Alles super, finden Sie? - Dann passen Sie mal auf. Konrad Bott.

Timotheus Höttges, Chef der Deutschen Telekom, in Bestlaune: Zusammen mit dem Softwarespezialisten SAP hat sein Konzern die Corona-Warn-App für die Bundesregierung umgesetzt. Entwicklungskosten: rund 20 Millionen Euro.  

Was haben andere europäische Länder für ihre Corona-Tracing-Apps ausgegeben? Kontraste hat recherchiert.        

Es zeigt sich: Die Bundesregierung gibt im Schnitt zehnmal so viel aus wie die Schweiz, Österreich oder Norwegen. In Island und Italien haben Unternehmen und freie Mitarbeiter Corona-Warn-Apps kostenlos programmiert. Als Krisendienst für Land und Leute.  

Davit Svanidze entwickelt seit vielen Jahren Apps und ist Gründer des Berliner Software-Unternehmens „App-dreinull“. Er rechnet Kontraste vor, was die Entwicklung einer solchen Software mit üblichen Marktpreisen kosten würde. 50 Tage Arbeit, zehn Mitarbeiter, 800 Euro Tagessatz, 50.000 Euro Nebenkosten. 

David Svanidze, App-Entwickler   

„Also wäre unser Budget 450.000 Euro. Und das ist wirklich sehr viel für so eine App. Es wäre so teuer nur, weil es so dringend war.“ 

Weil Spitzenkonzerne auch Spitzenpreise fordern, rechnen wir noch einmal großzügiger: Wir nehmen 20 Mitarbeitende, für einen stolzen Tagessatz von 2.000 Euro mit 500.000 Euro Overheadkosten wie Buchhaltung, Büromiete oder benötigte Hardware.  

David Svanidze, App-Entwickler    

„Dann sind wir bei 2,1 Millionen Euro Maximalbudget. Das ist das absolute Maximum, was ich mir überhaupt vorstellen kann für so eine App. Wobei diese Zahl, diese 2,1 Millionen ist sehr sehr hoch. Unverschämt hoch.“

Mit 20 Millionen ist die Rechnung von SAP und Telekom fast Zehnmal höher. Doch damit nicht genug: Bis Ende Mai 2021 kommen 32,7 Millionen Euro für den Betrieb, Server und Hotlines der Telekom dazu. Gesamtkosten bis dahin laut Gesundheitsministerium: 52,7 Millionen Euro. 

Kontraste fragt SAP und Telekom nach einer detaillierten Auflistung der Kosten. Keine Antwort – wir werden ans Gesundheitsministerium zurückverwiesen.  

Auch bei der Präsentation letzte Woche: kein Wort über die Kosten. Stattdessen nutzt der Telekom-Chef die Aufmerksamkeit, um Werbung zu machen für weitere Geschäfte.  

Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender Deutschen Telekom AG   

„Und für die Menschen, die momentan noch kein Smartphone haben, bietet die deutsche Telekom ab sofort in ihren Shops extra Handys an. Auch für ältere Menschen, einfach zu installieren und wir helfen auch den Menschen diese App in unseren Shops gemeinsam mit unseren Serviceleuten installiert zu bekommen.“ 

Beitrag von Konrad Bott und Cosima Gill

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