Hände eines Uniter-Mitgliedes. Quelle: Kontraste/rbb
Bild: Kontraste/rbb

Beihilfe zu Menschenrechtsverletzungen? - Organisation Uniter auf den Philippinen

Uniter - unter diesem Namen sollen Elitesoldaten und Polizisten eine geheime Schattenarmee aufbauen. Gegenüber KONTRASTE räumt der Verein erstmals ein, die philippinische Nationalpolizei trainiert zu haben. Die Philippinen und die Nationalpolizei stehen wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen im so genannten "Krieg gegen die Drogen" in der Kritik. Präsident Duterte lässt die Polizei im Drogenkrieg gezielt Menschen ermorden, darunter auch Minderjährige. Seit Dutertes Amtsantritt 2016 wurden bereits mehrere zehntausend Menschen ermordet, die genauen Opferzahlen sind unklar.
 

Anmoderation: Warum tun sich ehemalige und aktive Soldaten, Polizisten und Spezialeinheiten zusammen? Vor allem wegen der Brauchtum- und Netzwerkpflege, sagt der Verein Uniter, der genau solche Leute zusammenbringt. Daran hat nicht nur der Verfassungsschutz Zweifel, der Verein steht im Verdacht, dass sich auch Extremisten in seinem Netzwerk tummeln. Gemeinsam mit den Kollegen von t-online.de haben wir Uniter getroffen. Und stießen auf eine Ausbildungsmission auf den Phillipinen, die Fragen aufwirft. Silvio Duwe und Markus Weller.

Ende Januar in Berlin. Ein Gewerbehof in Spandau. KONTRASTE und t-online.de treffen auf den Verein Uniter.  Er steht erkennbar unter Druck.

Duke

„Aus gegebenem Anlass, möchten wir als Uniter und ihnen einmal Ihnen stellen, auch um mit Transparenz und etwas Wissen unters Volk zu streuen. Aufgrund der derzeitigen Berichterstattung und Geschehnisse in den letzten Monaten stehen die Kameraden mit dem Rücken zu mir, sodass diese nicht sofort identifiziert werden können. Ich bitte, dies zu berücksichtigen.“

Die Kamerascheu der Uniter-Leute ist nachvollziehbar - trotz heroischer Selbstdarstellung. Der Verein wird seit Monaten mit Bürgerkriegsszenarien und illegalem Kampftraining in Verbindung gebracht. So soll er - wie hier zu sehen – bewaffnete Gefechtsübungen für Zivilisten angeboten haben – Uniter widerspricht - Ermittlungen dazu laufen. Erst kürzlich wurde Uniter vom Verfassungsschutz wegen Extremismusverdacht zum Prüffall erklärt.

Entsprechend konspirativ geben sich die Leute in der Spandauer Fabriketage. Der Wortführer: ein Mann, der „Duke“ genannt werden will und sich als „Distriktleiter Nord“ bezeichnet.

Duke

"Um und einmal kurz zu erkennen zu geben, dass wir Uniter Mitglieder sind, möchte ich euch bitten, das kleine Schwarze, einmal hier auf den Boden zu legen“

Auf den Ausweisen nur Mitgliedsnummern, keine Namen. Wir finden heraus: die Runde besteht aus Mitgliedern und Funktionären aus ganz Deutschland. Duke heißt eigentlich Jan, ist aktiver Bundeswehrsoldat und engagiert sich seit Jahren bei Uniter - auch andere Anwesende stehen in der Vereinshierarchie relativ hoch.

Seit 2012 vernetzt Uniter Soldaten und Polizisten - viele von Ihnen aus Spezialeinheiten. Der Verein lockt mit Jobangeboten, militärischen Trainings, vor allem aber mit Verständnis und soldatischen Tugenden.

Uniter-Mitglied

„Kameradschaft, Treue, Disziplin, Gehorsam, ganz wesentlich“

Der Argwohn von Behörden und Öffentlichkeit - für „Duke“ und seine Kameraden nur Misstrauen und Unkenntnis.

Uniter-Mitglied

„Das was bei Uniter immer rüberkommt ist, das sind irgendwelche Typen, die auf den Tag X hinzuarbeiten“

Uniter-Mitglied

„Bei anderen ist es Camping und bei uns ist es die Vorbereitung der Machtübernahme“

Der Verein hat nach eigenen Angaben knapp 1.000 Mitglieder - vor allem aus Polizei und Armee - tatsächlich sind es wohl weniger - dafür aber straff organisiert und elitär. Bilder von der Weihnachtsfeier 2017 - Die Führungsspitze von Uniter feiert in einem Schloss in der Nähe von Fulda - es gibt Urkunden, Orden und Abzeichen und zum Höhepunkt: eine Gefechtsübung vor der Tür.

Eine medizinische Einheit von Uniter - eine sogenannte MRU - zeigt was sie kann: die Behandlung von Verwundeten unter Gefechtsbedingungen.

Einer, der die medizinischen Einheiten bei Uniter von Anfang an begleitet hat, erzählt KONTRASTE:

„An diesem Tag wurde die MRU das erste Mal dem Rest von Uniter vorgestellt. Deshalb die Vorführung. Die MRU galt – und gilt bis heute – als das Zukunftsprojekt, um zum Beispiel bei Behörden einen Fuß in die Tür zu bekommen.“

Auf einem Trainingsgelände im baden-württembergischen Mosbach üben Uniter-Mitglieder die Versorgung von Verletzten unter Beschuss. Zur Erinnerung: Uniter ist ein privater Verein - der seine medizinischen Einheiten sogar bewaffnen will:

Aus einer Pressemitteilung von Uniter

„Hierzu wird das Training der MRU Rettungskräfte um die Fähigkeit zu einer aktiven Selbstverteidigung innerhalb von bewaffneten Konflikten ergänzt“

Und tatsächlich: Fotos, die KONTRASTE zugespielt wurden, zeigen schwer bewaffnete medizinische Einheiten nach einem Training in Mosbach.

Diese Einheiten sollen vor allem in Krisengebieten im Ausland operieren.

Die Professorin Nicole Deitelhoff ist Expertin in Sicherheitsfragen und sagt, solange Gruppen wie Uniter nicht selbst kämpften, habe der Staat kaum eine Handhabe gegen sie.

Prof. Nicole Deitelhoff, Leibnitz-Institut Hessische Stiftung Friedens- udn Konfliktforschung

Das ist in jedem Fall ein Ärgernis für die deutsche Politik. Es ist eines, das meines Erachtens nach abgestellt werden muss. Aber dafür brauchen wir ein Regulierungsansatz, den haben wir noch nicht.

Die Philippinen: hier führt Präsident Duterte seit Jahren einen gnadenlosen Krieg gegen sein eigenes Volk.

Duterte

„Hitler hat drei Millionen Juden massakriert, hier gibt es drei Millionen Drogenabhängige und ich würde sie gerne abschlachten.“

Die Zahl der Todesopfer schwankt zwischen offiziell 6.000 und 27.000, geschätzt von der UN. Die meisten Toten gehen auf das Konto der philippinischen Nationalpolizei.

Ein Werbevideo zeigt Fotos von einem Aufenthalt einer Uniter-Einheit auf den Philippinen - darauf: Unterrichtseinheiten in einer Station der Nationalpolizei in der Stadt Binan. Um den Krieg gegen die Drogen, so behauptete Uniter stets, sei es dort nie gegangen. Doch auf einem Bild ist eine Tafel zu sehen, darauf Zahlen über die Verhaftung von hunderten Kindern – die meisten wegen angeblichen Drogenbezuges.

Die Uniter-Leute in Berlin behaupten, sie wüssten nichts von den bewaffneten Sanitätseinheiten und nichts von der Unterstützung der Polizei auf den Philippinen – und sie tun so, als wollen sie es gar nicht wissen.

Uniter-Mitglied

„Das kommt aus dem militärischen: Ich muss nicht als Gefreiter wissen was mein General weiß, das ist nun mal so."

Und doch: in einem kurzfristig zustande gekommenen Skype-Interview mit Kontraste und t-online.de räumt der „General“, also erste Vorsitzende von Uniter nun aber ein:

„Es war nicht unsere Intention die Polizei auszubilden damit sie diese widerwärtige Arbeit noch besser ausführen können. Das war weder geplant noch abgemacht. Das hat sich vor Ort so entwickelt. Das ist, weiß ich nicht, vielleicht auch unglücklich.“

Beitrag von Silvio Duwe und Marcus Weller

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Schreibmaschine in Nahaufnahme. Quelle: Kontraste/rbb
Kontraste/rbb

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