Kowalski & Schmidt: Der Philosoph (Quelle: imago/Hoffmann)
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Richard David Precht zu Herausforderungen und Utopien - Der Philosoph

Die einen feiern die digitale Zukunft mit erschreckender Naivität, andere warnen vor der Diktatur der Digitalkonzerne. Star-Autor & Philosoph Richard David Precht skizziert das Bild einer wünschenswerten Zukunft im digitalen Zeitalter.

Richard David Precht: Philosoph, Publizist. Lieblingsintellektueller. Seit zehn Jahren erklärt er den Deutschen die Welt. Mit seinem Weltbestseller ‚Wer bin ich und wenn ja, wie viele‘ fing es an.

Seitdem schreibt er: über die Ethik, die Liebe, die Bildung, das Verhältnis zu Tieren. Und jetzt also über die Zukunft. Was kommt da auf uns zu:

Richard David Precht, Autor & Philosoph
„Ich denke, wir kommen in eine Umbruchzeit und viele Menschen sind nicht mehr an Umbruchzeiten gewöhnt. Wir sind sehr lange in sehr stabilen Verhältnissen aufgewachsen und das wird natürlich viele Turbulenzen auslösen und auf die sollten wir uns zumindest vorbereiten.“

„Die digitale Zukunft: Roboter und künstliche Intelligenz.

Für Menschen wird die Arbeit immer weniger. Nicht nur im Niedriglohnsektor drohen Massenentlassungen.“

Richard David Precht
„Das würde erstens zu einem ganz schlechten Klima in diesem Land beitragen, es würde zur Parteienverdrossenheit und Aggression beitragen. Und es würde vielen Menschen, die vorher eine halbwegs gute Arbeit hatten ein schlechtes Lebensgefühl geben. Und dagegen müssen wir rechtzeitig etwas tun und nicht erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Und das bedingungslose Grundeinkommen schafft auch den Menschen die zeitweilig oder länger keiner Erwerbsarbeit nachgehen eine gewisse staatliche Würde, die sie in dem gegenwärtigen System nicht hatten.“

Bedingungsloses Grundeinkommen – für alle. Das Ende der Leistungsgesellschaft, wie wir sie kennen, muss kein Verlust sein:

Richard David Precht
„Die positive Seite ist, die Menschen müssen nicht mehr für Geld blöde Arbeit machen. Jedenfalls langfristig gesehen nicht, kurz.- und mittelfristig wird da noch einiges übrig bleiben. Aber langfristig ist dass das Versprechen. Der Nachteil ist, dass die Menschen in einer zunehmend bevormundeten Welt leben. Und dass wir die Freiheit jener wichtige Wert auf dem unsere Demokratie basiert, verlieren in dem gleichen Maße in dem die Digitalkonzerne immer mehr Macht über uns bekommen unser Verhalten steuern können und uns manipulieren.“

Der digitale Fortschritt geht vielen zu schnell. Das Gefühl fremdbestimmt zu sein macht  Angst. Die Unsicherheit, nur nach als gläserner Konsument wahrgenommen  zu werden ist beunruhigend. Ein scheinbarer Ausweg ist der Weg zurück in die Vergangenheit – zu Tradition, einem falschen Heimatgefühl:

Richard David Precht
„Nationalismus ist ein klarer Ausdruck für eine Verunsicherung die durch die moderne Zeit kommt und das interessante ist, er legt sich nicht mit denen an die, die Taktgeber dieser modernen Zeit sind. Also das Feindbild der Pegida Demonstrationen ist nicht das  Silicon Valley, sondern die, die gar nichts dafür können. Und die Gefahr besteht, dass die Menschen mit den chauvinistischen, nationalistischen Vorstellungen sich zu mindestens kurzfristig durchsetzen, aber langfristig können sie sich nicht durchsetzen, weil sie nichts anzubieten haben.“

In seinem neuen Buch ‚Jäger, Hirten, Kritiker – eine Utopie für die digitale Gesellschaft‘ beschreibt Richard David Precht, wo die Weichen für die Zukunft liegen. Und er zeigt, welche Möglichkeiten wir haben, sie selbst zu stellen. Worauf können wir uns freuen in dieser schönen neuen Welt.

Richard David Precht
„Ich freue mich auf Städte in denen das Risiko von einem Auto überfahren zu werden ausgesprochen gering geworden ist, die grüner sind, die ruhiger sind, die stiller sind. Ich freue mich tatsächlich auf das selbstfahrende Auto und ich glaube, dass es einen großen Zuwachs an Lebensqualität mit sich bringen wird. Und ich freue mich auch auf neue Errungenschaften in der Medizin.“

Selbstfahrende Autos, weniger Verkehr, mehr Ruhe – eine schöne Vorstellung. Aber künstliche Intelligenz birgt auch Gefahren:

Richard David Precht
„Ich habe Angst, dass wir die ethisch sensiblen Bereiche der künstlichen Intelligenz überlassen und dann Maschinen Entscheidungen über Leben und Tod fällen. Ich habe Angst, dass die Politik aus der Gestalterrolle rausgeht und nur noch auf Grund von Daten Politik machen, nur noch aufgrund von Mehrheitsentscheidungen, Meinungsumfragen oder von der Berechnung und Erforscher der Wähler, das da nicht mehr gestaltet wird und vor der Entmündigung der Menschen durch die großen Digitalkonzerne. Vor diesen Dingen habe ich Angst und da müssen wir viel, viel tun, damit diese Ängste sich nicht auch bestätigen.“

Richard David Precht sagt, dass er Optimist ist, nicht was seine Erfahrung angeht sondern von Natur aus. Zukunftsangst ist für ihn keine Lösung: Es ist Zeit Utopien zu entwickeln.

Autorin Bettina Lehnert

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