Mann sitzt vor einem Lagerfreuer (Quelle: rbb)
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Neuer Trend in Polen - Bushcraft: Übernachten im Freien

Im Wald übernachten, unter dem freien Himmel oder unter einem Baum, eintauchen in die Urkraft der Natur: Das ist ein neuer Trend bei den gestressten Großstädtern in Polen.

Am Fluss Narew, keine 100 km von Warschau entfernt, beginnt das dreitägige Abenteuer für Vater Michał und Sohn Klemens. Unter der Aufsicht von Sebastian, Spitzname Bär, wollen sie die Geheimnisse des Waldes entdecken. Am Lager angekommen lernen sie das erste Gebot von Bushcraft kennen: Respekt vor der Natur.

Sebastian Kostański (Outdoortrainer)
"Alles, was ihr gegen die Natur tut, fällt wieder auf euch zurück. Bushcraft bedeutet, dass ihr direkt in die Natur eintretet, in die Urwelt der Natur, in der alles nur von uns selbst abhängt: jeder Schritt, jede Entscheidung! Das hier ist jetzt unser Leben - echtes, ursprüngliches Leben, außerhalb des Systems."

Regen ist angesagt. Seile müssen befestigt werden, damit man  Planen aufhängen kann.

Sebastian Kostański
"Bushcraft heißt nicht im Zelt schlafen, sondern in improvisierten Unterkünften, schlafen auf dem Boden oder in  Hütten. Das gibt ihnen enormes Selbstvertrauen. Die Menschen von heute haben diesen Glauben an sich nicht mehr. Sie sind wie Roboter, die von morgens bis abends arbeiten, vom Wecker bis zum Wecker. Was für ein monotones Leben! Bushcraft verändert das komplett. Man kann hier erfahren, wie man selbständig arbeitet, wie man unabhängig sein kann."

Bei Bushcraft geht es nicht so sehr darum, in der Wildnis zu überleben, sondern im Wald zu leben. Es lehrt, wie man Nahrung, Medizin und Wasser bekommt und gleichzeitig die Natur schützt.

Sebastian Kostański
"Hier ist ein Ameisenhaufen! Rote Ameisen können ganz schön beißen, ansonsten aber sind sie ein sehr gutes Erkältungmittel. Passt auf, wir ärgern sie jetzt ein bisschen. So, und jetzt schütteln wir sie kräftig ab. Eine hat mich schon gebissen. Ausgezeichnet!"

Michał ist von seiner ersten "Expedition" begeistert.

Michał Wronowski (Kursteilnehmer)
"Was ich hier mache? Das war ein Geburtstagsgeschenk von meiner Frau: Ich bekam einen Rucksack, in dem eine Einladung zum Training mit Sebastian drin lag. Ich habe mich sehr gefreut, weil ich so etwas wirklich gerne mag. Aber ich fühlte mich nicht sicher genug; den Mut, alleine oder mit meinem Sohn los zu ziehen, den hätte ich nicht gehabt."

Die Wetterfront kommt immer näher. Es wird Zeit, Brennholz zu besorgen.

Sebastian Kostański
"Der Blitz trifft den höchsten Punkt im Gelände. Also müssen wir uns vom Wasser entfernen und von  Bäumen, die auf uns fallen könnten. Am liebsten auf die Wiese gehen, auf einen Rucksack hocken, auf die Zehen setzen und so sitzen bleiben, um sich vom Boden zu isolieren. Denn ein Blitz kann uns verletzen, auch wenn er 10 Meter entfernt einschlägt."

Seit Stunden regnet es, die Planen sind durchnässt, doch die Stimmung bleibt ungetrübt.

Klemens Żmijewski (Kursteilnehmer)
"Ich bin eben anders als die anderen. Meine  Freunde tragen keine Messer oder  Feuersteine. Sie gehen nicht in den Wald. Ich höre manchmal im Flur: 'Oh, ein Ranger kommt', aber für mich sind es nur blöde Witze."

Sebastian freut sich sehr, dass immer mehr Polen "Bushcraft" entdecken.

Sebastian Kostański
"Das Bewusstsein wächst. Menschen öffnen sich immer mehr, sie wollen etwas Neues erfahren. Wenn ich aus dem Wald zurückkomme, fühle ich mich richtig aufgeladen, energetisch. Als hätte ich so einen Reset gehabt. Ich kehre dann zum Alltag zurück , das schon. Aber das dauert nach so einem Wochenende im Wald eben zwei Tage, bis die Pseudonormalität, die Normalität des Systems, wieder greift."

Uns wird beigebracht, Angst vor dem Wald zu haben, aber hier gibt es nichts zu fürchten. Man muss nur die Regeln kennen: Es wird dunkel im Wald. Für Essen ist gesorgt, geschlafen wird in Hängematten, das Abenteuer geht weiter.

Sebastian Kostański
"Man kann unter freiem Himmel schlafen - auf die Sterne schauen und dabei einschlafen. Ja, so etwas machen nur wenige. Nur wenige Menschen wissen, wie cool so ein Schlaf sein kann."

Ein Beitrag von Kinga Wołoszyn-Kowanda

 

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