Kleiner Schreiadler in einer Kiste (Quelle: rbb)
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Bild: rbb

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit für den Pommernadler - Schreiadler aus Polen

Mit Unterstützung polnischer Vogelschützer werden zweitgeborene Schreiadlerküken aus Polen nach Brandenburg gebracht, um sie dort aufzuziehen und auszuwildern. Wir schauen den Helfern über die Schulter.

Von diesen Schreiadlerküken überlebt meist nur eins, da das Erstgeborene Geschwistermord begeht.

In Ostpolen retten Ornithologen das zweite Küken. Um es zur Aufzucht und Auswilderung nach Brandenburg zu geben.

Ein deutsch-polnisches Artenschutzprojekt, das der Berliner Greifvogelexperte Bernd-Ulrich Meyburg ins Leben gerufen hat. Mit einem Leichtflugzeug bricht er von Saarmund nach Lublin auf, um die ostpolnischen Adlerküken zu holen.

Die sollen bei unseren heimischen Schreiadlern für Verstärkung sorgen. Weil ihr Lebensraum immer knapper wird, brüten immer weniger Paare. Gerademal achtzig in Mecklenburg-Vorpommern und rund zwanzig in Brandenburg.

Dabei war der kleinste unserer Adler mal ein Allerweltsvogel, zuhause in ganz Mitteleuropa. Die letzten großen  Vorkommen gibt es unter anderem im Baltikum und in Ostpolen.

Nach vier Stunden Flug Ankunft in Lublin.

Bernd-Ulrich Meyburg, Naturschutzbund Deutschland
"Wir erwarten, dass wir auf jeden Fall zehn junge Schreiadler mitnehmen können, die normalerweise im Horst umkommen würden, also verloren wären, d.h. es gibt kein Verlust für die einheimische Population und wir haben zehn Junge mehr in Deutschland."

Seit Jahren engagieren sich hier polnische Ornithologen für den Schutz des Schreiadlers. Rund 200 Brutpaare gibt es zwischen Lublin und der ukrainischen Grenze. Von dort kommen auch die Jungvögel für Brandenburg. Was passiert, wenn das zweitgeborene Küken nicht gerettet wird, zeigt einer der Ornithologen auf seinem Handy: es wird vom Geschwistervogel getötet.

In der sogenannten polnischen Toskana mit kleinen Äckern, dichten Wäldern und feuchten Wiesen hat der Schreiadler genug Nahrung. Nagetiere sein Leibgericht.

Die Schreiadlerdichte ist hier beeindruckend: 30 Brutpaare in einem einzigen Waldgebiet!

In bis zu 70 Meter Höhe bauen die Schreiadler ihre Nester. Nur geübte Baumkletterer kommen da rauf. Bereits das zweite Jahr läuft diese deutsch-polnische Zusammenarbeit.

Der Zeitpunkt für die Entnahme des Jungvogels muss gut gewählt sein. Am besten wenige Tage nach dem Schlüpfen des zweiten Kükens, bevor es vom Erstgeborenen attackiert wird.

Zwei kleine Schreiadler in einem Nest (Quelle: rbb)
Bild: rbb

Janusz Wójciak, Ornithologische Gesellschaft Lublin
"Wenn wir sie nicht herausnehmen würden aus den Nestern, würden sie umkommen. Wir führen zwar seit vielen Jahren auch ein Adoptions-Projekt durch. Das heißt, die zweiten Küken werden in andere Nester umgesetzt und durch Paare, die nicht befruchtete Eier haben oder ihre Brut früh verlieren, adoptiert. Aber wir haben nicht genug solcher Nester, in denen wir die Küken unterbringen können. Und dass sie jetzt nach Deutschland kommen, ist für die Population in beiden Ländern ein Gewinn."

Die ganze Aktion muss schnell gehen, damit die Altvögel nicht allzu lange vom Nest fern bleiben.

Der gerettete Jungvogel ist zwei bis drei Tage alt. Damit er die anstehende Reise gut übersteht, gibt es erstmal eine Stärkung mit Mäusefleisch.

Anders als in Deutschland sind Ostpolens Landschaften für den Schreiadler noch attraktiv. Doch auch hier drohen erste Einschnitte.

Janusz Wójciak, Ornithologische Gesellschaft Lublin
"Ich rechne nicht damit, dass die Population noch stark wächst, weil die Veränderungen in der Landwirtschaft deutlich sind. Da sind die Vergrößerung von Flächen und die Einführung von Mais- und Rapsanbau. Dort kann der Schreiadler nicht jagen. Ich würde mich freuen, wenn die jetzige Situation solange wie möglich bleibt."

Die zehn Schreiadlerküken für Brandenburg sind jetzt abflugbereit nachdem sie noch einige Tage in tierärztlicher Obhut waren.

Beim polnischen Zoll sind sie die großen Stars. Doch ohne Papiere dürfen auch sie das Land nicht verlassen.    

Über 700 Kilometer geht es dann zurück von Lublin nach Brandenburg.

Im Falkenhof Ravensberg in Potsdam machen sie erstmal Zwischenstation. Dort werden sie sechs Wochen lang mit der Hand aufgezogen. Erst dann kommen die Jungadler zur Auswilderung in die Uckermark, um echte Brandenburger zu werden und die heimische Population zu stärken.

Bernd-Ulrich Meyburg, Naturschutzbund Deutschland
"Klar bin ich natürlich froh, dass wir jetzt einige Tiere hier haben und hoffentlich dann die Ausflugsrate in Brandenburg erhöhen können."

Na, dann guten Flug!

Autorin Maren Schibilsky

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