Kowalski und Schmidt: Ohne Polen kein Europa (Quelle:rbb)
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Wie ein kleiner Verlag den Deutschen das Nachbarland näher bringen will - Ohne Polen kein Europa

„Sich nicht für den Osten zu interessieren, ist eine Riesendummheit“, sagt der Journalist und Verleger Andreas Rostek. Deshalb hat er einen Verlag gegründet, der sich mit Mittel-Osteuropa beschäftigt.

Andreas Rostek
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Rostek, von der Edition.fotoTAPETA in Berlin."

Vor 11 Jahren hat Andreas Rostek den Verlag in Berlin Moabit gegründet. Zusammen mit Tadeusz Rolke, der sich mittlerweile aus der Verlagsarbeit zurückgezogen hat.

Nur Verlags-Maskottchen Benji ist noch immer aktiv dabei.

Andreas Rostek, Verleger, edition.fotoTAPETA
„Jedes Manuskript von uns, was aus dem Verlag rausgeht, hat der Hund vorher gelesen, klar, natürlich... das ist ein ganz schlauer Hund.“

Der Verlag verbindet Anspruch und Unterhaltung. Zum Programm gehören Romane und Erzählungen genauso wie Sachbücher. Der Schwerpunkt liegt auf Mittel-Osteuropa.

Andreas Rostek
„Die Bücher verkaufen sich nicht sehr gut, nicht in einer großen Auflage, wir kommen in einer kleinen Auflage daher, dann funktioniert das einigermaßen.“

Nur wenige Leser interessieren sich für das östliche Europa. 1.000 verkaufte Bücher sind schon ein Erfolg.

Andreas Rostek
„Eines, was sich am besten verkauft hat, das Majdan-Buch, was heißt am besten verkauft? Es ist in einer großen Auflage erschienen und ist von anderen übernommen worden. Das haben wir sehr schnell gemacht 2014, während die Demonstrationen am Maidan noch liefen. Unser Flop, wenn man so will, weil es ist ein wunderbares Buch, ist Miron Białoszewski: „Das geheime Tagebuch“, in Polen sehr bekannt ist, wir haben das Buch, was doppelt so dick ist im Original, reduziert auf die Hälfte und haben keine 100 Exemplare davon verkauft, was wirklich schade ist, weil er ein großartiger Dichter ist.“

Andreas Rostek war Journalist bei der taz. Viele Jahre hat er im Ausland gelebt. In den USA und in Italien hat er als Korrespondent gearbeitet. Mittel- und Osteuropa hat ihn nicht interessiert.

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Andreas Rostek
„Wir haben als unabhängige Linke in Deutschland, wir haben nach Italien geguckt, wir haben nach Frankreich geguckt, aber das, was 80 Kilometer von hier von uns, von Berlin aus, losging, das haben wir nicht wahrgenommen.“

 

Andreas Rostek
„Mit dem Fall der Mauer, kurz davor, kurz danach, ist auch eine gewisse Scham entstanden und die Erkenntnis, die späte Erkenntnis: Europa ohne die östlichen Länder ist unvollständig. Es ist nicht Europa, da war einiges an Nachholarbeit zu leisten für mich persönlich und ich hatte auch den Eindruck für andere in unserem Umfeld und unserer Gesellschaft,und der Verlag war ein Angebot dafür.“

Diese „Wissenslücken“ zu füllen ist ihm eine Herzensangelegenheit. In dem Buch „Polska First“ analysieren 15 namhafte Autoren die Umwandlung des Nachbarlandes in ein autokratisches System.

Andreas Rostek
„Und es ist natürlich ein ganz absurdes Vorhaben „polska first“ als Thema in Europa setzen zu wollen und diese Absurdität, finde ich, kommt ganz gut mit dem Spruch rüber.“

Mit seinem Verlagsprogramm will Andreas Rostek nicht nur Interesse wecken für die terra incognita jenseits der Oder. Er will verständlich machen, was die Menschen dort bewegt.

Tomasz Różycki ist in Polen ein vielgelesener Autor, in Deutschland ist er weitgehend unbekannt. Sein erster Roman „Bestiarium“ erschien bei edition.fotoTAPETA. Ihm imponiert die Hingabe des Verlegers für seine Bücher.

Tomasz Różycki, Autor (Englisch)
„Wenn jemand seine ganze Zeit, sein ganzes Geld in die Herausgabe von Poesie steckt, dann muss es Liebe sein.“

Andreas Rostek plant, Gedichte von Tomasz Różycki zu verlegen.

Andreas Rostek
„Finanziell wird das alles eine Katastrophe, das muss man so sagen. Die Bücher erscheinen in kleiner Auflage, mehr ist sowieso nicht zu verkaufen, aber wir machen es jetzt mal, wir gucken mal, wie es wird...“

Also wieder kein Bestseller  - aber ein weiteres kleines Mosaiksteinchen zum gesamteuropäischen Verständnis.

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Autorin: Martina Hiller von Gaertringen

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