Kowalski und Schmidt: Behemoth - Death Metal aus Polen (Quelle: rbb)
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Ketzerei oder Kunstfreiheit? - Behemoth - Death Metal aus Polen

Als dunkler Priester mit umgedrehtem Kreuz, schwarzer Kutte und Teufelshörnern inszeniert sich "Nergal" - Sänger der polnischen Death-Metal-Band "Behemoth” bei Konzerten und in den Social Media. Seine Fans lieben ihn dafür - seine Kritiker überziehen ihn mit Klagen.

“Nergal” - der Gott der Unterwelt - der Künstlername der polnischen Death-Metal-Ikone Adam Darski.

Seit fast drei Jahrzehnten ist Nergal  Lead-Sänger von “Behemoth” - einer der bekanntesten Bands des Death Metal - und DIE bekannteste Death-Metal-Größe in Polen. 11 Alben haben sie bereits veröffentlicht.

In seiner Wohnung in Warschau treffen wir Nergal ungeschminkt - und deutlich weniger bedrohlich. Nur für die Bühne verwandelt er sich in die martialische Kunstfigur - passend zur Musik.

Kowalski und Schmidt: Behemoth - Death Metal aus Polen (Quelle: rbb)
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Adam „Nergal“ Darski, Lead-Sänger „Behemoth“
„Death Metal oder Black Metal oder überhaupt extreme, radikale Musik kommt absolut kompromisslos rüber - mit ebenso kompromisslosem Sound.“

Typisch für Death-Metal: der Kehlgesang, das sogenannte “Growling” oder “Grunt” - keine Wohlfühl-Musik.

Adam „Nergal“ Darski
„Death Metal ist für gewöhnlich gegen das System, gegen den Trend. Aber die Musik hat eine Masse Fans, die sie heiß lieben - auf der ganzen Welt.“

Gegen das System” bedeutet für den polnischen Death Metal vor allem: gegen die Kirche. In seinen Musikvideos inszeniert sich Nergal als DER Antichrist - obwohl er als Mitglied der Kirche aufgewachsen ist.

Adam „Nergal“ Darski
„Ich wurde getauft, wie jedes, fast jedes andere Kind auch. Ich war bei der Kommunion, aber später, als ich zur Firmung gehen sollte, habe ich angefangen, für mich selbst zu denken. Ich wollte nicht mehr Teil dieser Institution sein. Und damit stand ich im wörtlichen Sinne auf der anderen Seite der Barrikade.“

Von dort aus greift er die Kirche immer heftiger an. Als Negal 2007 auf der Bühne Seiten aus einer Bibel reißt, eskaliert die Situation.

Eine kirchennahe Gruppe zeigt ihn an, es kommt zum Gerichtsprozess – auf Blasphemie stehen in Polen bis zu zwei Jahre Gefängnis. Nergal schreckt das nicht ab.

Adam „Nergal“ Darski
„Ich glaube, für jeden Künstler ist die Gleichgültigkeit der Menschen, Routine, Langeweile, der schlimmste Feind - also für mich auf jeden Fall.“

Angst vor einer Verurteilung hat er nicht. Nergal fühlt sich unantastbar. Die Stärke verpufft, als 2010 bei ihm Blutkrebs diagnostiziert wird - in der aggressivsten Form.

Kowalski und Schmidt: Behemoth - Death Metal aus Polen (Quelle: rbb)
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Adam „Nergal“ Darski
„Das war ein Knockout, so etwas hatte ich noch nicht erlebt. Für einen relativ jungen Typen, so ein Urteil zu erhalten, wir reden von Blutkrebs, der jedes Jahr viele Opfer fordert.“

Der damals 33-jährige, der permanent Hölle und Tod besingt, ist auf einmal selbst damit konfrontiert. Aber: trotz der schweren Krankheit verliert er nicht den Mut.

Adam „Nergal“ Darski
„Ich habe mir vorgestellt, wie das Leben nach der Krankheit wird. Ich habe Pläne für die Band gemacht, das hat mir sehr geholfen, mir Hoffnung gegeben, dass ich ein Bild vom Leben danach hatte.“

Eine anonyme Stammzellen-Spende rettet ihn. Und auch für die Blasphemie bleibt Nergal ungestraft.

In Berlin feiern „Behemoth“ Anfang Oktober ihr neues Album “ I Loved You at Your Darkest ” - ein Gesamtkunstwerk aus Musik und Gemälden. Und auch das wird mit Sicherheit für Reaktionen sorgen.

Adam „Nergal“ Darski
„Es ist einfach Kunst. Etwas, das du in dir trägst, das ist oft schwer zu definieren, aber du musst es ausdrücken, in eine Form bringen, in eine Fotografie, ein Bild oder Klang. Und dann zeigt sich später, dass eine Gruppe Idioten das als Attacke versteht.

Der selbst ernannte Gott der Unterwelt ist am 24. Januar in Berlin im Huxleys zu erleben.

Autoren: Mara Nolte, Martin Adam

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