Kowalski und Schmidt: 1700 Kilometer zu Fuß - Wandern für den Klimaschutz (Quelle: rbb)
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- 1500 Kilometer zu Fuß - Wandern für den Klimaschutz

Eine Gruppe von Umweltschützern aus Deutschland wandert zur Weltklimakonferenz bis ins polnische Katowice. Als Protest gegen die unentschlossene Klimapolitik. Wir haben sie ein Stück begleitet.

Sie laufen für den Klimaschutz, schlafen jede Nacht an einem anderen Ort und haben nur das Nötigste mit dabei: Die Klimapilger.Der Tag beginnt mit einem Gebet in einer Dorfkirche - heute im ostsächsischen Schleife. Für die nächste Etappe ihres Pilgerwegs werden sie Kraft brauchen.

Jadwiga Mahling, Pfarrerin
„Dieses Zeichen, dass sie sich einbringen – durch Pilgern, Wandern, Gebet und dem Lob Gottes. Für eine andere Welt.“

Noch ein letztes Gruppenbild, dann geht’s los.

Jadwiga Mahling
„Gut, ich würde sagen, wir starten jetzt.“

Rund 25 Kilometer wollen die Pilger heute schaffen: Aus dem ostsächsischen Schleife soll es nach Spremberg im Süden von Brandenburg gehen.

Die Gruppe ist bunt gemischt: Einige laufen nur für ein paar Tage mit, andere gleich mehrere Wochen. Viele haben extra Urlaub genommen – und manche suchen das Abenteuer.

Kowalski und Schmidt: 1500 Kilometer zu Fuß - Wandern für den Klimaschutz (Quelle: rbb)
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Ulf Herold
„Ich bin eigentlich von Natur aus Pilger. Und ich war noch nie in Berlin, ich war noch niemals in Dresden, und diese Tour geht über Berlin und Dresden nach Katowice – und da hab ich komplett gesagt, ich geh diese 800km, geh ich mit.“

Sie gehen den Weg nach Katowice zu Fuß, insgesamt rund 1500 km, um ein Zeichen für den Klimaschutz zu setzen. Aber auch, um klar zu machen: Es ist Zeit zu handeln!

Joachim Lenz
„Und ich hab dies Jahr erlebt: Wir haben seit Mai keinen Regen, das heißt jetzt, ein halbes Jahr mehr oder weniger keinen Regen gehabt. Das hat die Region noch nie erlebt! Unsere Weisen sind gelb.“

Antonia Mertsching
„Wir hatten keinen Schnee. Den ganzen Februar hat die Sonne geschienen, da war keine Wolke am Himmel. Also im Prinzip ist es seit einem Jahr trocken.“

Joachim Lenz
„Gibt einfach ein gutes Gefühl – doch nicht nur Zuhause zu sitzen und die Wut im Bauch zu haben, sondern auch mal gegen die Wut anzulaufen.“

Die Pilger wandern durch die Lausitz: Eine Region, die von der Kohle geprägt ist.

Hier werden jährlich 60 Millionen Tonnen Braunkohle abgebaut. Für Umweltschützer ist sie DER Klimakiller. Doch viele Lausitzer hier leben von der Kohle und die Angst vor dem Kohleausstieg ist groß. Auf ihrem Weg suchen die Klimapilger dazu ganz bewusst das Gespräch.

Kowalski und Schmidt: 1500 Kilometer zu Fuß - Wandern für den Klimaschutz (Quelle: rbb)
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Monika Maria Schell
„Dass man auch vor Ort, in jeder Region Deutschlands, durch die es ging, auch das Wissen von vor Ort mit aufnimmt. Und hier dann eben das Braunkohlerevier sieht, aber auch sieht, wie die Anwohner hier sich verhalten. Manche freuen sich total, dass man kommt und für andere ist alles, was mit Klimaschutz zu tun hat, ein Affront erstmal.“

Nach dreieinhalb Stunden strammen Wanderns ist es höchste Zeit für eine Atempause. Die Gruppe ist erschöpft. Abspannen, ausruhen, sich lang machen und Kraft tanken. Es gibt einen Snack und Informationen über eins der drei großen Braunkohlekraftwerke der Lausitz, gleich gegenüber: Schwarze Pumpe.

Karin Weitze, Umweltgruppe Cottbus
„Das Kraftwerk ist ja 1993 bis 1997 hier in einem Gewaltakt gebaut worden. Im Prinzip damals eins der modernsten, ich weiß es nicht, war es das monderste in Europa. Inzwischen ist es aber in Deutschland die fünftgrößte Dreckschleuder – und in Europa immer noch auf Platz zehn.“

Derzeit berät die Kohlekommission darüber, welche Kraftwerke wann vom Netz gehen sollen. Aus Sicht der Pilger: Alle! Sofort! bevor es zu spät ist.

Kowalski und Schmidt: 1500 Kilometer zu Fuß - Wandern für den Klimaschutz (Quelle: rbb)
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Joachim Lenz
„Wir haben in der letzten Nacht bei einer Familie übernachtet, die hatten drei herrliche kleine Kinder. Und dann muss man ja auch denken: Ja genau für die, für diese Kinder muss man eigentlich gehen. Die stellen einem irgendwann die Frage: Warum hast Du nichts gemacht? So wie wir unseren Vätern eventuell die Frage gestellt haben, warum war ein Adolf Hitler möglich? Warum wurden Juden vergast? Und unsere Väter haben auch nur geantwortet: Wir haben nichts mitbekommen, das wussten wir nicht.“

Sie wollen hinsehen, nicht wegschauen. Sich auseinandersetzen. Antworten auf Fragen finden, für die im Alltag keine Zeit bleibt. Das Pilgern ist für sie eine Gewissensfrage. Und der Weg verlangt ihnen einiges ab.

Antonia Mertsching
„Das finde ich ja auch erstaunlich: Es gibt keine Pause! Jeden Tag wird gewandert, abends ist dann Programm, wo man ankommt, weil die Leute einem natürlich auch was zeigen und erzählen wollen. Und am nächsten Tag geht’s früh straff weiter! Und die sagen auch nicht nach zwei Wochen mal so: Okay, jetzt machen wir mal ’nen freien Tag, jeder kann machen, was er will, einen Sonntag oder so. Da ist immer Programm!“

Am Abend haben sie das vorläufige Ziel erreicht. Der Hunger  groß. In der katholischen Gemeinde Spremberg bekommen die Pilger selbstgemachtes Essen und eine warme Suppe. Fast 27 Kilometer sind sie gelaufen. Von hier aus sind es noch 400 km – bis nach Katowice – zur nächsten Weltklimakonferenz.

Kowalski und Schmidt: 1500 Kilometer zu Fuß - Wandern für den Klimaschutz (Quelle: rbb)
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Autor Raphael Jung

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