Kowalski und Schmidt: Polnisches Denkmal in Berlin (Quelle: rbb)
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- Denkmal in Berlin für die polnischen Opfer des NS-Regimes

Für seinen Aufruf, in Berlin ein Denkmal für polnische Opfer des Nationalsozialismus zu errichten, hat sich Florian Mausbach prominente Mitstreiter an den Tisch geholt. Adressat ist der deutsche Bundestag.

Florian Mausbach, Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung a.D.
"Es gibt kaum eine polnische Familie, die nicht betroffen war und ist von der deutschen Besatzungsherrschaft 1939 bis 1945. Verdienen diese unsäglich großen Opfer, Leiden und Erniedrigungen der Polen durch die verbrecherische deutsche Besatzung nicht ein eigenes Zeichen des Gedenkens in der Mitte unserer Hauptstadt?“

Den Stein ins Rollen brachte Leo, der Sohn von Florian Mausbach. Er ist überwältigt von der Wirkung, die die Idee entfaltet.

Ortswechsel Warschau. Seit zwei Jahren arbeitet Leo Mausbach hier als Konferenzveranstalter. Wie unterschiedlich in beiden Ländern an den Zweiten Weltkrieg erinnert wird, wurde ihm erst hier bewusst.

Kowalski und Schmidt: Denkmal für polnische NS-Opfer (Quelle: rbb)

Leo Mausbach
"Wenn man hierher kommt nach Warschau, spürt man gleich, welche Bedeutung das Gedenken für die Polen hat. Warschau wurde im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört von den Deutschen. Und dieses Trauma wirkt bis heute nach. Ich glaube, den Deutschen ist das nicht bewusst genug. Es ist mir schon vorgekommen, dass Deutsche mir gesagt haben: 'Also Leo, so schön ist Warschau gar nicht'. Man muss ihnen dann sagen: 'Entschuldigung, das waren wir': Zum Beispiel hier, hier wurden Polen von den Deutschen erschossen. Und bis heute stellen die Polen dort Kerzen ab und gedenken dieser Ermordeten. Warum gibt es in Berlin keinen Ort, an dem wir anerkennen: Seht her, es tut uns leid."

Schon lange fordert man in Polen ein Denkmal in Berlin. Leo Mausbach hat sich die Idee zu Eigen gemacht und seinen Vater um Hilfe gebeten. Der renommierte Stadtplaner a.D. verfügt noch immer über zahlreiche Kontakte, und am Ende kam eine Liste mit über 80 namhaften Unterstützern zusammen. Die sogenannte Mausbach-Initiative war geboren.

Florian Mausbach
"Am Anfang habe ich schwer gezögert und dachte, was halst du dir da auf, ist das nicht eine Sache von berufeneren Leuten als von mir gerade? Und am Ende war's eigentlich dann Leo, der gesagt hat: 'Papa, du musst das machen, du kannst das'. Und dann kann man schwer nein sagen, wenn der eigene Sohn einem das so sagt."

 

Kowalski und Schmidt: Denkmal für polnische NS-Opfer (Quelle: rbb)Florian Mausbach im Gespräch mit Moderator Martin Adam

Interview am 08.01.2019

Martin Adam: „Und hier soll es stehen das Denkmal, auf dem Askanischen Platz am Anhalter Bahnhof. Ich hab mich hier getroffen mit Florian Mausbach, den wir gerade schon gesehen haben im Beitrag. Herr Mausbach, wann kommt es denn das Denkmal? Wann geht es denn los?“

Florian Mausbach: „Wir hoffen, dass in diesem Jahr eine politische Entscheidung fällt. Der Deutsche Bundestag ist gefragt. Wir haben ja den Aufruf an den Deutschen Bundestag gerichtet.

Und wir gehen davon aus, dass der (Jahrestag am) 1. September 2019, der Beginn des zweiten Weltkriegs mit dem Überfall auf Polen, dass dies den Anstoß geben wird, eine Entscheidung zu treffen zu diesem Denkmal.“

Martin Adam: „Jetzt gibt es ja in Berlin schon ein Denkmal seit 1972 im Volkspark Friedrichshain, das Denkmal des polnischen Soldaten und des deutschen Antifaschisten. Warum würden Sie sagen, Ihrer Meinung nach reicht das nicht?“

Florian Mausbach: „Das ist ein Denkmal aus der DDR-Zeit und auch entsprechend ideologisch geprägt. Es ist auch kein Denkmal für die Opfer der deutschen Besatzung von 1939 bis 1945, sondern es feiert die Widerstandshelden und zwar die kommunistischen, den kommunistischen Widerstand gegen die deutschen Besatzer.“

Martin Adam: „Wir haben im Beitrag ihren Sohn gesehen, Leo Mausbach. Er lebt in Warschau. Wie hat denn der Umstand, dass jetzt ein Teil ihrer Familie in Polen lebt, ihren eigenen Blick auf Polen vielleicht auch verändert?“

Florian Mausbach: „Ja, das hat meinen Blick sehr verändert. Für mich war Polen auch relativ unbekannt und über meinen Sohn in Warschau bin ich mittlerweile doch ein ziemlich guter Polen-Kenner geworden. Und es ist einfach ein spannendes Land und die Beziehung zwischen Deutschland und Polen ist unglaublich wichtig. Das ist mir erst richtig klar geworden, auch für die Zukunft Europas.“

Martin Adam: „In diesem Sinne, ganz herzlichen Dank für ihre Zeit, Herr Mausbach."

Florian Mausbach: „Bitteschön.“

Autorin: Katharina Zabrzynski

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