Kowalski und Schmidt: Missbrauch in der Katholischen Kirche (Quelle: rbb)
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Ein Pfarrer soll jahrelang Kinder sexuell missbraucht haben - Missbrauch in der katholischen Kirche

Pfarrer Henry Jankowski gilt bis heute als Held der Solidarność-Bewegung. Und – er hat seit den 1960er-Jahren offenbar Jungen und Mädchen missbraucht.

Sie protestieren an einem Ort, der für viele hier in Danzig historische Bedeutung hat. Michał Wojciechowicz hat ein Laken mitgebracht, das er über das Denkmal des Priester Henryk Jankowski stülpt. Knapp fünfzig Menschen sind gekommen. Ein Denkmal der Schande nennen sie es.

Michał Wojciechowicz
„Ein sexuelles Raubtier hat ein Denkmal bekommen. Er hat kleine Kinder missbraucht, Jugendliche und Minderjährige.”

Das Denkmal muss weg, sagt er.

Michał Wojciechowicz
„Dieses Denkmal steht für das Böse. Es muss aus der Öffentlichkeit entfernt werden. Das Böse, und was es verkörpert, muss weg. Ganz einfach.”

So einfach ist das aber nicht. Denn Henryk Jankowski ist eine Gallionsfigur der Solidarność-Bewegung, der Priester, Freund und der Beichtvater von Streikführers Lech Walensa. Später werden Vorwürfe laut, dass er Kinder und Jugendliche sexuell belästigt und missbraucht haben soll. Der Priester verstirbt 2010.

Michał Wojciechowicz lebt am Stadtrand von Danzig. Der 54-jährige arbeitet als Management-Trainer und schreibt Bücher. Er ist Vater von drei Kindern. Damals, in den in 80er Jahren, waren seine Mutter und er bei Solidarność aktiv.

Michał Wojciechowicz
„Schauen Sie mal, der kleine Junge mit der Mütze das bin ich. Da trage ich die polnische Fahne.”

Und in dieser Zeit soll es geschehen sein, bei Pfarrer Jankowski im Pfarrhaus.

Kowalski und Schmidt: Missbrauch in der katholischen Kirche (Quelle: rbb)

Michał Wojciechowicz
„Er umarmte mich und hielt mich dabei fest. Nach einigen Sekunden spürte ich seine Erektion. Ich war wie gelähmt. Dann wanderte seine Hand runter auf meine Pobacken. Und dann versuchte er, einen Kuss zu erzwingen und drehte dazu mein Gesicht, so etwa.”

Als die Haushälterin erscheint, lässt der Priester ihn los. Danach achtet Michał darauf, niemals mit dem Pfarrer allein in einem Raum zu sein.  

Michał Wojciechowicz
„Diese zwei Minuten lange Situation hat mich für das ganze Leben lang geprägt.”

Erst viele Jahre später, als andere Vorwürfe laut wurden, traut er sich öffentlich darüber zu sprechen.

Gottesdienst in der Brigitten-Kirche in Danzig. Trotz all der Vorwürfe, den Ehrenplatz für Henryk Jankoski gibt es immer noch. Dies ist die Kirche der Solidarność-Bewegung, hier wurde für den Umbruch im Land gebetet. Hinten in der Ecke stehen noch die Tafeln zu Ehren des Priesters. Erst als sich die Vorwürfe gegen ihn mehrten, wurde er im Jahr 2004 seines Amtes enthoben. Zu einem Gerichtsverfahren kam es allerdings nie. Der Priester der Kirche unterstützt eine genaue Untersuchung, wehrt sich aber gegen angebliche Vorverurteilungen.

Kowalski und Schmidt: Missbrauch in der katholischen Kirche (Quelle: rbb)

Ludwik Kowalski ,  Prälat der St. Brigittenkirche
„Jankowskis Türen standen immer offen, er war selten allein, er arbeitete 20 Stunden am Tag, denn er war auch sehr fleißig. Das alles sieht nach einer reinen Erfindung aus. Eine Gruppe Menschen stiftet Unruhe.”

Unruhe bringt es allemal, wenn Opferorganisationen mit dem Finger auf Täter zeigen. Mehr als 380 Missbrauchsopfer und 92 Täter sind in der katholischen Kirche Polens aktenkundig. Michał Wojciechowicz fordert gemeinsam mit Oppositionspolitikern in Warschau einen Untersuchungsausschuss.
Die Landkarte Polens ist mit Fällen geradezu übersät.

Michał Wojciechowicz
„Der Anfang ist jetzt gemacht. Ich bin davon überzeugt , dass hunderte oder tausende Menschen, die missbraucht wurden, nun aus der Deckung kommen und auch ihre Geschichten erzählen.”    

Bisher hat die polnische Kirche noch keinen offiziellen Bericht zu den Missbrauchsfällen vorgelegt.

Kowalski und Schmidt: Missbrauch in der katholischen Kirche (Quelle: NDR)

Adam Żak, Kinderschutz-Koordinator der katholische Kirche
„Man muss ja alle Archive seit 1990 durchgehen, bis heute. Man muss dabei jeden einzelnen Fall aus den Dokumenten untersuchen. Das ist eine normale Prozedur. Für solch einen Bericht hat man in Deutschland auch über die Jahre die Daten gesammelt. Es ist kein Spiel auf Zeit, um es hinauszuzögern. Absolut nicht.“

Doch viele Opfer wollen jetzt gehört werden und sprechen. Im neuen Zentrum „Fürchtet euch nicht” in Warschau haben sie einen Raum dafür. Auf Initiative des Opferverbands können sich Betroffene dort mit anderen Opfern austauschen, sich von Psychologen und Juristen beraten lassen. Auch Michał Wojciechowicz erzählt von seinem eigenen Missbrauchserlebnis in der Jugend.

Michał Wojciechowicz
„Ich will eine echt christliche Kirche in Polen! Nicht so eine, die den Schein wahrt und Beweise fordert, nicht eine Kirche die aufwiegelt und die Opfer beschimpft. Ich will, dass sich die Kirche endlich mal empathisch und barmherzig zeigt.”

Demnächst tagt in Rom ein Kongress zum Thema Missbrauch. Vom jetzigen Papst Franziskus erhofft er sich mehr Untersützung als vom polnischen Papst Johannes Paul II. Denn der habe jahrzehntelang weggeschaut und kaum etwas unternommen gegen den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche.

Autor: Olaf Bock

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