Kowalski und Schmidt: Die ungewollte Rosa (Quelle: rbb)
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Eine Künstlerin protestiert gegen das organisierte Vergessen in Polen - Die ungewollte Rosa

Rosa Luxemburg ist eine der bekanntesten Polinnen der Welt. Ihre Heimat will die Erinnerung an sie löschen. Protest kommt auch aus Berlin.

In Berlin erinnern viele Orte an Rosa Luxemburg. Rara Kamińska liebt diese Gedenkorte und wohnt gerne in ihrer Nähe. Die Berliner Bildhauerin will es nicht einfach hinnehmen, dass in ihrem Heimatland Polen die Erinnerung an Rosa Luxemburg verblasst, weil per Gesetz alles, was an den Kommunismus erinnert, aus dem öffentlichen Raum verbannt wird.

„Phantom Monument“ soll ihre Ausstellung heißen, die sie dem Verschwinden von Rosa Luxemburg in Polen gewidmet hat. Der Frau, der sie sich so sehr verbunden fühlt. Die in derselben Stadt wie sie geboren wurde.

Kowalski und Schmidt: Die ungewollte Rosa (Quelle: rbb)

Rara Kamińska, Bildhauerin
„Das mit Rosa Luxemburg hat mich ein bisschen wachgeschüttelt, sie wurde plötzlich unter dem Schutz eines neuen Gesetzes in Polen quasi beseitigt, komplett aus dem öffentlichen Raum in Polen. Daraufhin habe ich gemerkt, dass andere Ostländer, in denen ich vorher gelebt habe, sie auch beseitigt haben. Das ist für mich ein extremes Beispiel, was extrem zeitgenössisch und aktuell ist für die Neuschreibung von meiner Geschichte.“

Die Geburtsstadt von Rosa Luxemburg ist das polnische Renaissance-Städtchen Zamość, im Südosten von Polen. Bis März 2018 war am Haus, in dem ihre Familie gewohnt hat, eine Gedenktafel angebracht. Die regionalen Behörden haben sie als „kommunistische Propaganda“ entfernen lassen.

Und auch das Haus, in dem sie geboren wurde, verfällt und ist zum Abriss frei gegeben.

Rara Kamińska
„Das hat mich extrem schockiert, dass man die berühmteste Person von diesem Ort und eigentlich die zweitberühmteste Frau überhaupt aus Polen, einfach zu beseitigen wagt, weil die Geschichte nicht mehr gefällt. Aber die Geschichte ist nun mal so.“

Aus polnischen und deutschen Zeitungen vom 11. November 2018 flicht sie der „ungewollten Rosa“ einen Gobelin. An dem Tag feierte Polen den 100. Jahrestag seiner Unabhängigkeit.

Rara Kamińska
„Mein Ansatz am Anfang war dieses fehlende Denkmal oder diese fehlende Tafel, also diese Phantom Monument, das Monument, das nicht da ist für Rosa Luxemburg, vor allem in dem Herkunftsort.“

Auch ihre Fahnenständer für Rosa sind Phantome – nur der Sockel ist da, es fehlen die Fahnen.

Rara Kamińska
„Der Moment ist optimal jetzt: Es ist 100 Jahre her, dass Rosa Luxemburg ermordet wurde, und die Stimmung in der Gesellschaft und in Europa, wofür ich stehe und was mein Europa ist, ist genau der Moment, wo man es ansprechen muss. Sonst würde ich mich sehr schlecht fühlen.“

Ortswechsel: der Kulturpalast in Warschau. Hier in der Galeria Studio hat die Ausstellung „Phantom Monument“ ihre erste Station. Ab dem 25. April wird sie im Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin zu sehen sein.

Rara Kamińska
„Da ich seit Jahren nicht mehr in Polen lebe, habe ich die künstlerische Freiheit, heiße Eisen anzupacken. Meine Künstlerfreunde, die in Polen leben, scheuen sich diese Themen anzusprechen, denn es ist unbequem und man riskiert sein ruhiges Leben.“

Autorin: Joanna Ratajczak

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