Mann filmt mit einer Kamera eine Frau, die an einem Schreibtisch sitzt (Quelle: rbb)
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- Europa in Bewegung

Das Motto des Europäischen Parlaments: „Diesmal wähle ich!“ Die Berliner Polin Joanna Bronowicka versucht, in Deutschland lebende EU-Bürger zur Wahl zu bewegen. Zur Not begleitet sie sie auch bis ins Bürgeramt und hilft beim Ausfüllen der Formulare.

Tempelhofer Feld in Berlin.  Vertreter verschiedener Parteien versuchen nicht - deutsche EU-Bürger zu motivieren, sich für die Europawahl registrieren zu lassen. Die polnische Soziologin Joanna Bronowicka ist auch dabei. Sie kandidiert  für die Partei um Yanis Varoufakis, „Demokratie in Europa“.

Joanna Bronowicka (Englisch)
„Wir müssen alle Kräfte mobilisieren, zusammen arbeiten, um zu sichern, dass Leute zur Wahl kommen.“

Bronowicka folgt mit ihrer Initiative dem Aufruf des europäischen Parlamentes:
„wählen zu gehen, und andere zur Wahl zu motivieren“.

Bronowicka: „Sind Sie deutsch?“  

Frau: „Nein.“

Bronowicka: „Wo sind Sie her?“

Frau: „Aus Griechenland.“

Bronowicka: „Perfekt! Das ist nämlich für EU-Bürger.“

 

Bronowicka: „Italien! Toll, weil es hier um EU Bürger geht.“

„Sagen Sie weiter, dass Sie hier wählen können, sich aber bis zum 3. Mai registrieren müssen.“

Jeder nicht-deutsche EU-Bürger entscheidet, ob er per Briefwahl oder in seiner Botschaft  die Kandidaten seines Landes wählt, Oder: ob er sich hier registrieren lässt und für eine deutsche Liste abstimmt. Dazu muss er seit mindestens 42 Tagen in Deutschland angemeldet sein.

In der Landeszentrale für politische Bildung ruft Joanna Bronowicka gemeinsam mit zwei anderen polnischen Aktivistinnen in Berlin auf, zur Wahl zu gehen .  

Joanna Bronowicka (Polnisch)

„Mehr Infos zur Europawahl findet ihr unter www.diesmalwähleich.eu  

Frau 1: „Europas Zukunft ist unsere Verantwortung!“

Frau 2: „Am 26. Mai!“

Joanna Bronowicka: „Nutzt euer Wahlrecht!“

Geboren wurde Joanna Bronowicka in Oberschlesien,  als Tochter einer alleinerziehenden Psychologin.

Joanna Bronowicka
„Meine Mutter ist mein Held, weil... sie die allererste in ihrem Dorf war, die das Abitur machte und dann noch zur Uni ging und Universitätsprofessorin wurde.“

Das politische Engagement der Mutter – vor allem in der Kommunalpolitik - hat Joanna geprägt. Sie engagierte sich später für Flüchtlinge, organisierte Proteste vor Betrieben, die die Arbeitnehmerrechte missachten.

Joanna Bronowicka (Englisch)
„Die sozialen Rechte der Polen sind im Europäischen Parlament nicht vertreten. Wir müssen manchmal Mitglieder anderer Parteien aus anderen Ländern bitten, darüber zu debattieren, dass zum Beispiel polnische Frauen auf der Straße protestieren. Hunderte in Polen streiken jetzt, um die Lehrer zu unterstützen, weil sie schlecht bezahlt werden. Und niemand spricht darüber in der EU. Mir ist es wichtig, dass auch die soziale Situation der Polen im Europäischem Parlament sichtbar wird.“

Rathaus Neukölln.  Veronika, eine junge polnische Designerin, möchte zum ersten Mal außerhalb Polens wählen und freut sich über die Unterstützung von Joanna, weil sie kein Deutsch kann.

Veronika (Englisch)
„Für mich ist es wichtig, sich aktiv einzubringen, in das, was in der Europäischen Union passiert. Und das Land, in dem ich mich gerade aufhalte, ist auch ein Teil dieser Europäischen Union.“

Was ist, wenn ihre Landsleute sie nicht wählen? Da antwortet Joanna Bronowicka ganz im Sinne des Europäischen Parlaments.

Joanna Bronowicka
„Ich glaube, es wäre schon großartig, wenn sie überhaupt wählen. Wenn meine Kampagne Leute inspiriert und das Vertrauen in die Politik stärkt, ist das schon ein Erfolg.“

Denn bei der letzten Europawahl 2014 fiel die Wahlbeteiligung der Polen mit 23 Prozent extrem niedrig aus.

Autorin Milena Hadatty

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