Frau stellt Spaten aneinander auf (Quelle: rbb)
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- Funde auf Brandenburgs Äckern

Auch in Berlin und Brandenburg sind Hobby-Archäologen mit Sonde und Spaten unterwegs. Wir sprechen mit Schatzsucher Sieghard Wolter, der u.a. einen wertvollen Münzschatz bergen konnte. Was treibt ihn an, immer weiter zu suchen?

Brandenburgs Boden birgt viele Geheimnisse. Sieghard Wolter sucht nach Schätzen. Suchen ist sein Ding.

Sieghard Wolter, Hobby-Archäologe
„Wenn man auf einem Fundplatz unterwegs ist, man hat Sachen plötzlich in den Fingern, die vor 2000 Jahren verloren wurden ..., man ist der erste, der es wieder in den Händen hält, das ist unbeschreiblich.“

Hier, wo der Spargelacker etwas dunkler ist, stand einmal eine slawische Siedlung - mit Feuerstellen, Lehmhütten.

Sieghard Wolter ist einer von 130 ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegern in Brandenburg. Zuständig für ein Gebiet an der Havel. Was er findet, muss er eintragen und an das Landesamt für Denkmalpflege abliefern.

Sieghard Wolter
„Das sind sogenannte Fundzettel - kommen hier die Koordinaten denn rein, wer das gefunden hat.“

Sein größter Fund war ein Münzschatz aus dem Mittelalter, den er 2016 entdeckte: 3000 Silbermünzen. Bei der Nachgrabung rücken auch die Archäologen von der Uni an - mit schwerem Gerät.

„einen nach oben“

Aber ohne die „Ehrenamtlichen“ geht es nicht.

„Wir sind alle ehrenamtlich hier, bis auf Tobias, der ist im Studium.“

Sieghard Wolter führt uns zu seiner Fundstelle.


Sieghard Wolter

„Der Schatz kam in den Grund, in dem Bereich. Und kurioserweise: Im Befund sieht man überhaupt nichts. Der muss sozusagen im Boden vergraben gewesen sein, und man hat nicht mal eine Senke, oder ‘ne Grube hier.“

„Über den Wert möchte ich nicht nachdenken. Da gibt es wahrscheinlich - also, 100 000 bis 300 - ich weiß es nicht - ist Spekulation.“

Selbst am letzten Tag der Grabung gibt es noch Schönes zu entdecken.

Sieghard Wolter: „Sag mal, in dem Schnitt, kann ich hier rumwühlen?“

„Ja!“

Der Münzschatz wurde in einem Topf vergraben. Irgendwann zerbrach das Gefäß. Über die Jahrhunderte verteilten Pflugscharen viele der Silbermünzen in der Umgebung. Bei der Nachgrabung wurden noch einmal 250 Münzen gefunden.

Sieghard Wolter: „Da ist er: der Markgraf - und hinten: Brandenburg.“

Das Landesamt für Denkmalpflege gibt Lehrgänge für ehrenamtliche Helfer. Jeder darf mitsuchen, vorausgesetzt, er lässt sich vorher dafür ausbilden. Denn ohne Genehmigung mit der Sonde auf Tour gehen, das würde die Polizei auf den Plan rufen. Heute arbeiten die Landesarchäologen gerne mit den Laien zusammen.

Thomas Kersting, Brandenburger Landesamt für Denkmalpflege
„Wir gehen jetzt auf die Leute zu und sagen, kommt zu uns. Ihr braucht nicht kriminell zu sein, denn die Leute wollen in der Regel auch nicht kriminell sein. Was die brauchen, ist Anerkennung von Fachleuten, dass die sehen, ihre Hobbyarbeit wird ernst genommen, bringt wichtige Erkenntnisse, und auf einmal läuft die Sache. Das sehen wir ja jetzt. Seit fünf Jahren machen wir das. Vorher haben wir diese Dinge nicht zu Gesicht bekommen. Ich möchte nicht wissen, was uns da entgangen ist.“

„Nicht ausbrechen aus der Reihe! Und dann schön nach Scherben gucken!“

Bei Prenzlau wurde 1901 Brandenburgs größter Silberhort gefunden. Die Freude damals währte nur kurz. Denn bald wurde der ganze Schatz aus dem Museum geklaut. Verschwand spurlos. Liegt hier noch was? Tatsächlich macht Sieghard Wolter eine glänzende Entdeckung.

Sieghard Wolter
„Das ist … das sieht ja richtig arabisch aus, würd ich fast behaupten. So was wie ein Dirham, oder so. Dirham sind ja arabische Münzen, die durch die Wikinger in den Ostseeraum gekommen sind und dann durch die Slawen hierhergekommen sind.“

Arabische Münzen, mitten in der Uckermark. Für Geschichten wie diese lohnt sich die mühsame Suche.

Sieghard Wolter
„Die Kiste hier ist jetzt aus dem Sommer von einem Fundplatz, und zwar von Brielow, wo der Spargelacker war. Da bin ich nur durchgelaufen und hab erstmal Fundmaterial eingesammelt. Und das hat nicht lange gedauert, sagen wir drei, vier Stunden, dann war die Kiste voll. Weil ja alles offen rumliegt. Aber das ist hier ein Fundplatz, da kommt sehr wenig, aber wenn was kommt, dann kommt was Besonderes.“

Dass die Fundstücke Geld wert sein können, spielt für Sieghard Wolter keine Rolle. Er ergründet ihre Geschichten, entreißt sie dem Mahlstrom der Zeit.

Sieghard Wolter
„Man geht zurück in eine slawische Dorfstelle. Man sieht die Feuerstellen, man sieht Häuserreste oder Hüttenlehmreste, denn auf einmal wird klar, wie haben die Menschen hier gelebt? Das kann man nicht beschreiben, das ist etwas, was man erleben muss, wie so eine Andacht fast, also, hat mit GELD nichts zu tun. Das hat mit einem Erlebnis zu tun, wie ein Zeitreise.“

Autor Frank Eggers

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