Moderator Daniel Finger im Gespräch (Quelle: rbb)
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- Interview Jarosław Kurski

Stellvertretender Chefredakteur der Gazeta Wyborcza

Daniel Finger
"Herr Kurski, stellvertretender Chefredakteur der Gazeta Wyborcza 2017. Ist es ein Traumjob oder Alptraumjob?"

Jarosław Kurski
"Das ist mein Traumjob. Weil ich das Gefühl habe, dass wir etwas sehr Wichtiges machen. Die Gazeta Wyborcza ist heute der Wächter der polnischen Demokratie."

Daniel Finger
"Wir haben uns in dieser Sendung mit Entlassungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen beschäftigt. Ist in der Zeit der PiS-regierung die Lage der privaten Medien auch schwieriger geworden?"

Jarosław Kurski
"Zum Glück ist der Einfluss der PiS auf private Medien ziemlich gering. Aber die Absichten sind klar. Niemand wird natürlich die Gazeta Wyborcza, ihre Internetseite, ihre Druckerei schließen oder die Zeitung zensieren. Was aber geht ist, alle regierungskritischen Medien wirtschaftlich zu erwürgen. Sie bekommen keine Werbeaufträge mehr, ihre Abos wurden in allen öffentlichen Institutionen gestrichen. Das ist eine Möglichkeit, wie man die Opposition zerstören und gleichzeitig sagen kann: das sind die Auswirkung des freien Marktes."

Daniel Finger
"Kann man denn sagen, für die Gazeta Wyborcza, dass sie jetz unten angekommen ist. Oder wird es noch schlimmer werden?"

Jarosław Kurski
"Wir sind überhaupt nicht unten. Es ist eine wunderbare Zeit für uns. Es ist eine Zeit des Kampfes. Aber auch die Zeit einer ungemeinen Verpflichtung gegenüber dem Leser. Ich habe noch nie so einen Zuspruch der Leser erlebt wie heute. Ich treffe oft Menschen in den öffentlichen Verkehrsmitteln oder bei den Demos, die sagen: das Leben ohne euch in Polen hätte keinen Sinn, ihr seid wie eine Flasche sauberes Wasser, aus der wir täglich trinken, um zu überleben."

Daniel Finger
"Pikanterweise ist ihr Bruder, der von PiS ernannte Fernsehdirektor. Genau im anderen politischen Lager. Was macht es mit ihnen?"

Jarosław Kurski
"Es ist keine komfortable Situation für Brüder. Jeder von uns hat nur diesen einen Bruder. Wir müssen irgendwie damit klar kommen, aber ich möchte nicht darüber reden."

weitere Themen der Sendung

Die Gechichte der Gazeta
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Kurze Geschichte der Gazeta Wyborcza

Der Runde Tisch – die Geburtsstunde der Demokratie in Polen ist auch die Geburtsstunde der Gazeta Wyborcza – auf Deutsch „Wahlzeitung“. Sie ist ein Zugeständnis der Kommunisten an die Solidarnosc, die ersten demokratischen Wahlen in Polen, mit einer eigenen Zeitung zu begleiten. Weggefährte von Lech Walesa – Adam Michnik – wird ihr Chefredakteur.

Polnische Medien (Quelle: rbb)
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"Die gute Änderung" in polnischen Medien

Seit die rechtskonservative PiS in Polen regiert, haben über 200 regierungskritische Journalisten ihren Job verloren. "Die gute Änderung" heißt das im Staatsjargon. Auch der Moderator und Vizevorsitzende des Journalistenverbandes, Jan Ordyński, stand auf der "Schwarzen Liste". Um weiter publizieren zu können, hat er das Portal OKO.press mitgegründet. OKO.press beobachtet und hinterfragt die Politik der PiS.

Geschichte der Gazeta (Quelle: rbb)
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Porträt Andrzej Przyłębski

Seit Andrzej Przyłębski im Juli 2016 zum neuen polnischen Botschafter in Deutschland ernannt wurde, hat er viele Kontroversen in deutschen und polnischen Medien ausgelöst. Wir haben den Ehemann der neuen Vorsitzenden des polnischen Verfassungsgerichts, Julia Przyłębska, in der Residenz in Berlin besucht und ihn am 3. Mai zu den offiziellen Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag begleitet.

Luther in Polen (Quelle: rbb)
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Luther in Polen

Als die westpolnische Stadt Piła noch Schneidemühl hieß, waren drei Viertel der gut 50.000 Bewohner evangelisch. Die wenigen, die nach dem Zweiten Weltkrieg geblieben sind, übten ihren Glauben im Stillen aus, um nicht als Deutsche beschimpft zu werden. Seit 20 Jahren gibt es in der Stadt wieder eine offizielle evangelische Gemeinde. Ihr junger Pfarrer Tomek lebt seinen Glauben gerne auch als Bassist der christlichen Rockband N.O.C. aus.