Porträt Andrzej Przyłębski (Quelle: rbb)
rbb
Bild: rbb

- Porträt Andrzej Przyłębski

Seit Andrzej Przyłębski im Juli 2016 zum neuen polnischen Botschafter in Deutschland ernannt wurde, hat er viele Kontroversen in deutschen und polnischen Medien ausgelöst. Wir haben den Ehemann der neuen Vorsitzenden des polnischen Verfassungsgerichts, Julia Przyłębska, in der Residenz in Berlin besucht und ihn am 3. Mai zu den offiziellen Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag begleitet.

Die Krawatte muss er sich meistens selbst binden.Frau Botschafterin hat anderes zu tun - Julia Przyłębska ist als neue Vorsitzende des polnischen Verfassungsgerichts meist nur am Wochenende da.

Andrzej Przyłębski
Botschafter der Republik Polen
"Sie hatte ihr Amt zuerst und es würde nicht gehen, dass sie zu meinen Gunsten auf ihre Beschäftigung verzichte müsste. Ihre Zustimmung, dass ich diese Funktion hier übernehme, war entscheidend für mich."

Auch ein polnischer Botschafter muss sehr viel repräsentieren – viele Gespräche, Empfänge, Smalltalk! Aber was ist seine wichtigste Aufgabe?

Andrzej Przyłębsk
"Die Deutsche politische Welt zu überzeugen, dass Polen keine Bedrohung ist, sondern ein Alliierter sein kann und sein will eigentlich. Das heißt, dass Polen gehört sein möchte. ... es ist ein Zeichen des Respektes gegenüber dem Land, das ich die Ehre habe zu vertreten."

Seit der Übernahme seines Postens hat Andrzej Przyłębski in Berlin für kontroverse Auseinandersetzungen gesorgt. Wer ist er und was ist seine Botschaft? Pingpong im Garten der Residenz: mal eine andere Art, sich vorzubereiten auf ein diplomatisches Tete-a-Tete.

Daniel Finger
"Wie wohl fühlen sie sich jetzt hier 2017 in Berlin?"

Andrzej Przyłębski
"Das ist eine komplizierte Frage wegen der Lage würde ich sagen. Ich würde mich wohler fühlen, wenn es die Probleme nicht gegeben hätte, die Deutschland hat - vor allem mit Flüchtlingen zum Beispiel. Das ist nach wie vor mein Deutschland, aber etwas anders als in den ersten Jahren, als ich nach Heidelberg kam, vor über 30 Jahren. Das war eine Idylle, ein Paradies ... und jetzt ist es ein Paradies mit Fragereichen vielleicht."

Daniel Finger
"Sie haben neulich in einem Interview gesagt, die Deutschen sind schuld daran, dass das deutsch-polnische Verhältnis nicht mehr so gut ist. Hat das mit dem Flüchtlingen zu tun?"

Andrzej Przyłębski
"Ich glaube nicht. Wenig, vielleicht, weil wir uns weigern Flüchtlinge aufzunehmen. Die Verschlechterung hat andere Gründe. Vor allem, dass die Akzeptanz der neuen Polnischen Regierung unter deutschen Politikern allgemein - ich meine nicht nur die regierenden Parteien, allgemein - gering ist. Was sie machen, finde ich, ist nötig. Manchmal machen die es etwas zu schnell. Aber wir haben viele Jahre verloren und deshalb, wenn man diese vier Jahre hat und man denkt, vielleicht werden sie abgewählt, wollen sie so viel wie möglich reformieren, dann müssen sie manchmal ein bisschen brutal sein. Ich schätze ein, dass sie nicht das Recht übertreten. Das ist an der Kante, würde ich sagen. Wenn man eine andere Interpretation der Sache hat, kann man das auch als rechtswidrig beurteilen.

Daniel Finger
"Verstehen Sie auch, dass wir Deutschen oft nach Polen gucken und sagen, uns ist das eigentlich ein bisschen zu patriotisch?"

Andrzej Przyłębski
"Ja, ja ich verstehe es durchaus. Das ist durch Geschichte verursacht aber ich stelle jetzt auch fest, dass sich die Atmosphäre gegenüber dem Patriotismus in Deutschland ein bisschen verändert. Noch vor einem Jahr, glaube ich, hat man in Deutschland Patriotismus mit Nationalismus gleichgesetzt und ich sehe man kann langsam auch in Deutschland ein Patriot sein. Und das geht in die Richtung in der wir Polen Patriotismus immer gemeint haben. Nicht als Erhebung eine eigene Nation über andere, sondern als Liebe für die Geschichte, für die Kultur, für die Sprache."

Daniel Finger
"Wie erklären sie Leuten in zwei, drei Sätzen warum Polen immer noch ein demokratischer Staat, ist auch wenn es jetzt eine andere Regierung hat."

Andrzej Przyłębski
"Weil die Wahlen in drei Jahren unbedroht sind, weil die Medien frei sind. Alle Spektren, jeder kann eine Zeitung oder ein Programm finden, das seinen Meinungen entspricht. Durch verschiedene Reformen versuchen wir wieder dem Bürger das Gefühl zu geben, dass er vom Staat betreut wird. Im Justizwesen, von der Polizei, von der Armee. Was wir wollen? Das ist vielleicht wichtig: wir wollen keinen anderen Staat als Deutschland. Deutschland ist, glaube ich, für uns ein Vorbild - auch für Kaczynski. So ein starker Staat, der sich sozial um die Bevölkerung kümmert. Was wir nicht wollen ist, dass wir so Absatzmarkt werden oder eine Quelle der billigen Arbeitskraft.

Daniel Finger
"Bleibt der Verdacht des Hardliners, des Unnachgiebigen, ganz Konservativen!"

Andrzej Przyłębski
"Das ist glaube ich durch den Vergleich mit meinen Vorgängern, verschiedenen. Dass ich im Unterschied zu denen, die Meinungen, die Reformen vertrete und mich nicht distanziere. Ich wurde auch gewählt, als jemand, der die Regierung hier vertreten wird. Und erklären will, was hier geschieht."

Daniel Finger
"Vielen Dank."

weitere Themen der Sendung

Die Gechichte der Gazeta
rbb

Kurze Geschichte der Gazeta Wyborcza

Der Runde Tisch – die Geburtsstunde der Demokratie in Polen ist auch die Geburtsstunde der Gazeta Wyborcza – auf Deutsch „Wahlzeitung“. Sie ist ein Zugeständnis der Kommunisten an die Solidarnosc, die ersten demokratischen Wahlen in Polen, mit einer eigenen Zeitung zu begleiten. Weggefährte von Lech Walesa – Adam Michnik – wird ihr Chefredakteur.

Polnische Medien (Quelle: rbb)
rbb

"Die gute Änderung" in polnischen Medien

Seit die rechtskonservative PiS in Polen regiert, haben über 200 regierungskritische Journalisten ihren Job verloren. "Die gute Änderung" heißt das im Staatsjargon. Auch der Moderator und Vizevorsitzende des Journalistenverbandes, Jan Ordyński, stand auf der "Schwarzen Liste". Um weiter publizieren zu können, hat er das Portal OKO.press mitgegründet. OKO.press beobachtet und hinterfragt die Politik der PiS.

Luther in Polen (Quelle: rbb)
rbb

Luther in Polen

Als die westpolnische Stadt Piła noch Schneidemühl hieß, waren drei Viertel der gut 50.000 Bewohner evangelisch. Die wenigen, die nach dem Zweiten Weltkrieg geblieben sind, übten ihren Glauben im Stillen aus, um nicht als Deutsche beschimpft zu werden. Seit 20 Jahren gibt es in der Stadt wieder eine offizielle evangelische Gemeinde. Ihr junger Pfarrer Tomek lebt seinen Glauben gerne auch als Bassist der christlichen Rockband N.O.C. aus.