Der Freizeitpark Kulturinsel Einsiedel (Quelle: rbb)
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- Echt oder Legende? Kulturinsel Einsiedel

Der Freizeitpark Kulturinsel Einsiedel an der polnischen Grenze bei Görlitz ist ein Ort voller Mythen und Sagen. Denn neben den vielen Geistern und Waldelfen, soll  hier vor mehr als 1000 Jahren das fast verschollene Volk der Turiseder gelebt haben. Hier auf heute deutsch-polnischem Grund, an beiden Neiße-Ufern, war das mittelalterliche Volk zu Hause.

Das Feuer der Walpurgis Nacht auf der polnischen und deutschen Seite der Neiße im Freizeitpark Kulturinsel Einsiedel bei Görlitz. Es vertreibt die bösen Geister und erinnert an die Guten einer vergangenen Zeit. So wie es das fast vergessene Volk der Turiseder bereits vor 1000 Jahren gemacht haben soll.

Ritter
“I think it is a very important thing for the German Polish friendship because in past we did have some differences. We did fought each other. But today I think it is a great way to bond in a way like this and that we can do what we basically do at this festival.”

 „Ich denke, dass es wichtig für die deutsch-polnische Freundschaft ist, weil wir in der Vergangenheit einige Differenzen hatten und uns bekämpften. Aber ich denke, das hier ist eine großartige Gelegenheit, sich näher zu kommen und dass zu tun, was wir auf diesem Fest eben tun.“

Zauberer
"Turisede kannte noch nie wirklich Grenzen. Das ging immer schon überall lang und das war ein Zusammenverbund von Menschen, die im Geiste verbunden waren und nicht auseinander durch Örtlichkeiten irgendwo in der Mitte durchgeschnitten."

Alles auf der Kulturinsel dient dem Wiederaufbau der geheimen Welt von Turisede. Es handelt sich um ein ganzes Reich aus sagenumwobenen und mystischen Gestalten, Baumhäusern und Schlössern. Kinder und Erwachsene können sich hier am östlichsten Punkt Deutschlands verzaubern lassen. Jürgen Bergmann behauptet von sich, Nachfahre des Entdeckers der Turiseder zu sein und baut den Freizeitpark seit 1992 rund um das verschollene slawische Volk auf. Hier in der Kulturinsel Einsiedel gibt es eine Ausgrabungsstätte, wo Bergmanns Großvater vor mehr als 100 Jahren wichtige Artefakte aus einer vergangenen Zeit gefunden haben soll.

Jürgen Bergmann
"Genau genommen stehen wir natürlich immer noch ganz am Anfang von der Erforschung dieses Volkes. Ein Volk, das ist natürlich nicht ein Dorf oder so, sondern das betrifft die ganze Region, die werden gewandert haben, äh sein, auch ein Stück, die haben Nachbarn gehabt, da hat sich viel entwickelt damals, ne? Und das schöne ist, dass wir eben auch die Möglichkeit haben, vieles so zu rekonstruieren wie es damals bei Turisede eben gewesen ist."

Die Kulturinsel wandelt sich stetig und gewinnt jedes Jahr an neuen Bauten auf polnischer und deutscher Seite dazu. Auch die Fundstücke aus der Ausgrabungsstätte haben ihren Platz im Baumhaus-Museum "Historum" gefunden.

Die Turiseder waren ein kreatives Volk und sollen so einige Werkzeuge erfunden haben:

Jürgen Bergmann
"Diese Fuchsharpune, das war auch wirklich was Besonderes, denn die Turiseder waren eigentlich ein sehr naturverbundenes Volk und mit der Fuchsharpune haben sie einfach gedacht, sie lassen einen Zacken aus, um den Fuchs halt praktisch bei der Jagd immer noch eine letzte Chance zu geben."

Somit sieht sich Jürgen Bergmann wohl doch eher als Erfinder anstatt als Entdecker der Turiseder. Im Märchen-Park entstand aus der Legende eine Baumhaus Siedlung, die er als Hotelzimmer vermietet.

Jürgen Bergmann
"Man müsste halt eine Grundgeschichte haben, die man dann bloß fortsetzt. Und dann haben wir dieses Volk entwickelt und dann hat sich das immer weiter verselbstständigt eigentlich."

Sein Motiv für das Märchen ist, die Menschen im Grenzgebiet wieder näher zusammen zu bringen. Dafür erfand er die Geschichte der gemeinsamen Vorfahren - der Turiseder.

Jürgen Bergmann
"Es ist halt wirklich total spannend, wenn man eigentlich so unmittelbar ein paar Hundert Meter auf einmal eine ganz andere Kultur hat und mit der kommunizieren kann. Das liegt uns selber ganz nah am Herzen, da freundschaftliche Beziehungen aufzubauen."

Doch nicht alle der deutschen Nachbarn wollen mit ihm freundschaftliche Beziehungen pflegen.

Jürgen Bergmann
"Ein Teil der Bürger in den Dörfern ringsum äh sind wir hier die Spinner, was weiß ich was, würden hier nie hier her gehen, wenn sie keine kleinen Kinder haben so und so nicht. Was wollen sie denn hier eigentlich? Also die verstehen eigentlich nicht, was wir hier machen und kommen auch nicht gucken. Stecken voller Vorurteile. So ist das aber überall auf der Welt. Da sind wir keine Ausnahme. Der Prophet im eigenem Dorf zählt halt nix."

Doch er will sich nicht beugen, er trotzt dem Trennungsgeist mit Lebensfreude und seinem Optimismus.

Jürgen Bergmann
"Ich hab einen ganz, ganz großen Wunsch und das ist der, dass mehr Brücken entstehen. Also nach dem Schengener Abkommen da war ein so ein bisschen Enthusiasmus, alle dachten da lösen sich Grenzen auf, auch in den Köpfen und man geht immer mehr zusammen. Und wir merken, dass wir hier immer mehr eine absolute Ausnahme sind. Im Gegenteil, vorne und hinten, oben und unter uns an der Neiße verhärten die Fronten zum großen Teil wieder."

Alte Brücken mussten schon immer wieder erneuert werden.

Autorin Laura Arns

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