Wolf (Quelle: rbb)
rbb
Bild: rbb

- Wolfs-Migranten

"Als ich das erste Mal zwei wilde Wölfe im Wald gesehen habe, das war einmalig. Diese Tiere sind so beeindruckend."Andreas Haufe lächelt. Er nennt sich ehrenamtlicher Wolfsbetreuer. "Wölfe sind ja Nomaden, die müssen herum ziehen, um sich zu ernähren. Und sie kommen aus Polen bis hierher." Dafür wurde eigens ein sogenannter Korridor eingerichtet, im Grenzgebiet zwischen Polen und Deutschland. Doch nicht jeder freut sich über die frei ziehenden wölfischen Migranten.

Andreas Hauffe
Wolfs-Beobachter
"Ach schau mal hier, hier hast du einen relativ deutlichen Abdruck.

Hubertus Meckelmann
Vorstand Stiftung Naturlandschaften
"Das ist so ein mittelgroßer Wolf, ja?

Andreas Hauffe
Wolfs-Beobachter
"Ja, das würde ich jetzt sagen."

Andreas Hauffe
Wolfs-Beobachter
"Die Wölfe wirken - wenn man einen Wolf so sieht -  so majestätisch, also so richtig kräftige Tiere, die gut aussehen, sag ich mal so. Vor allem im Winter, wenn sie so buschig aussehen - sind wirklich recht schöne Tiere."

Andreas Hauffe ist einem Einwanderer auf der Spur. Er ist Wolfs-Beobachter im brandenburgischen Jüterborg. Ein ehemaliger russischer Truppenübungsplatz ist zum neuen Zuhause für die Tiere geworden.

Andreas Hauffe
Wolfs-Beobachter
"Also aktuell haben wir zwei Tiere, die umher laufen. Einen relativ großen Wolf und einen Mittleren, einen Jährling vom letzten Jahr."

Zu Andreas Hauffes Aufgaben gehört: Pfotenabdrücke finden und vermessen. Daran kann der 46jährige die Körpergröße des Tieres ablesen, das hier -  etwa 48 Stunden ist es her  - durchgestreunt ist.   

Andreas Hauffe
Wolfs-Beobachter
"Bis dato, bis zum ersten Treffen mit den ersten beiden Wölfen war es für mich unwahrscheinlich, dass ich jemals einen Wolf sehen werde. Als Kind hat man gelernt, die Wölfe gibt es nicht, da hat man sich gar nicht weiter befasst. Und vom dem Tag an, wo es los ging mit dem Wolf – 2009 – da war man doch schon interessiert gewesen. Das ist schon was Einmaliges. Und natürlich, dass ich mit dem Wolf so mitarbeiten kann, das ist sehr sehr spannend für mich."

Mitarbeiten mit dem Wolf - das heißt auch Film-Fallen auswerten, damit die Wanderungen der Tiere festgehalten werden können.

Andreas Hauffe
Wolfs-Beobachter
"Ansonsten ist es ein wunderbares Hilfsmittel, es gibt ganz tolle Videos von den Wölfen, aber nicht nur von denen, auch von anderen Tieren."

Wo die Wölfe aktuell im Naturschutzgebiet unterwegs sind, will Andreas Hauffes Chef wissen. Auch Hubertus Meckelmann, seines Zeichens Förster und Jäger, hat ihn schon mehrfach gesichtet, den tierischen Kollegen.

Hubertus Meckelmann
Vorstand Stiftung Naturlandschaften
"Wenn man einen Wolf sieht, das ist schon enorm. Man hat dann auch so das Gefühl – hier in der Landschaft bei uns auf den Truppenübungsplätzen – da denkt man: Aha, Wildnis und auch wenn man sie mal heulen hört, das geht dann auch durch Mark und Knochen, da kann man so Alt-Vorderen (Vorfahren), die sich dann in ihren Häusern eingeschlossen haben. Es ist einfach wirklich ein Naturgenuss und da träumt man noch eine Weile von."

Dieser Naturgenuss war lange Zeit ausgerottet. 150 Jahre gab es keine Wölfe in Deutschland, sie wurden gejagt und getötet. Erst im Jahr 2000 kamen die ersten freilebenden Welpen zur Welt. Die Elterntiere sind: Migranten.

Hubertus Meckelmann
Vorstand Stiftung Naturlandschaften
"Unsere Wölfe sind – das lässt ist auch genetisch nachgewiesen, die kommen alle ausschließlich aus der polnischen Population. Polen ist Mitglied der EU geworden, Artenschutzbestimmungen, der Wolf ist eine hoch geschützte Art, die wird dort auch nicht mehr bejagt. Dann kommt es zum Populationsüberschuss und dann versuchen die Wölfe neue Reviere zu erreichen. Die müssen dann über die Oder, die gehen also nicht über die Grenzbrücken in Frankfurt Oder, sondern dir schwimmen einfach durch. Das machen sowohl der Wolf, das macht aber auch das Rotwild und das Schwarzwild."

Doch die Tiere sind beim Einwandern gefährlich unterwegs. Denn sie müssen Autobahnen und  ICE Trassen überwinden. Im letzten Jahr starben in Brandenburg dabei 14 Wölfe. Deshalb wurde ein sogenannter Ökologischer Korridor entwickelt, der sich von Polen bis nach Brandenburg erstreckt. Ausschließlich über extra für Wildtiere errichtete rund 50 Meter breite Grünbrücken können Wölfe, Dachse und Wildschweine jetzt Straßen überqueren.

Hubertus Meckelmann
Vorstand Stiftung Naturlandschaften
"In Deutschland haben wir so jährlich immer eine Viertelmillion Wildunfälle. Und ein Stück weit vermeiden wir diese Wildunfälle damit. Also die Tiere wandern."

Hubertus Meckelmann
Vorstand Stiftung Naturlandschafte
"Und die überqueren die Verkehrsinfrastruktur-Trassen, die Straßen, und die Eisenbahnen und wir müssen ihnen dabei Unterstützung geben."

Hubertus Meckelmann
Guck mal hier, das Rotwild. Unglaublich Betrieb drauf jetzte. Hey, kiek doch mal da – da geht's ja schon los.
Andreas Hauffe
Da haben wir doch schon eine Fährte.
Hubertus Meckelmann
Das ist ein Wolf, der ist hier so lang. Genau, von oben runter.

Andreas Hauffe hat seinen acht Jahren als Wolfs-Beobachter rund 10 Mal Wölfe getroffen. Denn die Tiere sind scheu.

Andreas Hauffe
Wolfs-Beobachter
"Ich bin oft draußen hier ganz alleine unterwegs, und vor dem Wolf habe ich gar keine Angst, das was passiert. Aber eben wenn jetzt zum Beispiel wie im Frühjahr die Wildschweine ihre Kleinen haben – ihre Frischlinge – da habe ich doch schon Respekt davor. Da hab ich Begegnungen gehabt, wo ich zweimal auf dem Baum war."

Trotzdem ist es der Wolf, um den sich seit Jahrhunderten Mythen, Sagen und jetzt sogar Fake News ranken.

Andreas Hauffe
Wolfs-Beobachter
"Es gibt ja auch die Leute, die sagen: Jaja, die Kinder - wenn sie alleine an der Bushaltestelle stehen - dann steht bloß noch der Ranzen da und die Kinder werden weggeschleppt. Das sind alles so die Geschichten, die sich in der Bevölkerung festsetzen. Also das Rotkäppchen-Syndrom sollte doch ein bisschen verdrängt werden. Es gibt keinen bösen Wolf, in dem Sinne, dass er Menschen anfällt oder die Großmutter frisst – so was gibt´s wirklich nur im Märchen."

Autorin Simone Brannahl

weitere Themen der Sendung

Frau macht eine Gymnastikübung (Quelle: rbb)
rbb

Slawische Gymnastik

In Posen treffen wir Frauen, die Kurse für "Slawische Gymnastik" machen, eine uralte Praxis. Eine von ihnen, Joanna, ist Physiotherapeutin und Heilpraktikerin; sie liebt es, alte und moderne Methoden zu verbinden. Die slawische Gymnastik ist für sie eine ideale Verbindung, besonders für Frauen.

Zwei Schulbücher liegen auf einem Tisch (Quelle: rbb)
rbb

Viadrina-Preis für gemeinsames Schulbuch

Die Deutsch-Polnische Schulbuchkommission erhält "für die Erarbeitung einer gemeinsamen Schulbuchreihe zur deutschen und polnischen Geschichte" den diesjährigen Viadrina-Preis. Das erste von den geplanten vier Büchern steht den Schulen zur Verfügung. Wir besuchen das deutsch-polnische "Gabriele von Bülow-Gymnasium" in Berlin.

Der Freizeitpark Kulturinsel Einsiedel (Quelle: rbb)
rbb

Echt oder Legende? Kulturinsel Einsiedel

Der Freizeitpark Kulturinsel Einsiedel an der polnischen Grenze bei Görlitz ist ein Ort voller Mythen und Sagen. Denn neben den vielen Geistern und Waldelfen, soll  hier vor mehr als 1000 Jahren das fast verschollene Volk der Turiseder gelebt haben. Hier auf heute deutsch-polnischem Grund, an beiden Neiße-Ufern, war das mittelalterliche Volk zu Hause.