Buchvover "Die neue Völkerwanderung" von Asfa - Wossen Asserate (Quelle: rbb)
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- Neue Völkerwanderung

Im Jahre 2050 werden über 2 Milliarden Menschen in Afrika leben, mahnt der äthiopische Buchautor und Unternehmensberater Asfa - Wossen Asserate und Grenzzäune werden die Völkerwanderung nach Europa nicht stoppen. Einst war er selbst ein Flüchtling, floh vor dem kommunistischen Regime Äthiopiens Anfang der 70er Jahre und fand in Frankfurt ein neues Zuhause. Europa, so Asserate, muss Afrika als Partner behandeln, demokratische Strukturen aufbauen und in die Jugend investieren. Sonst werde die Flüchtlingsproblematik in einer "großen Katastrophe" enden - für Afrika und Europa.

Seit 8 Monaten lebt der Äthiopier Yasin Jasmal in einer Flüchtlingsunterkunft, in einem provisorischen Tragluftzelt im Berliner Wedding.

Yasin gehört zum Volk der Oromo, eine Ethnie, die in Äthiopien unterdrückt und verfolgt wird.

Yasin Jamal
"Ich komme aus der Region Ala, aus der Stadt Asla, ich wurde verhaftet, weil ich zum Volk der Oromo gehöre, im Gefängnis wurde ich geschlagen, deshalb bin ich nach Somalia geflüchtet, ich konnte nicht mehr nach Hause zurück, ich wäre wieder verhaftet und geschlagen worden."

Yasin ist mit John befreundet. Er möchte lieber unerkannt bleiben, seine Heimat, Eritrea ist ein Polizeistaat und er fürchtet um Konsequenzen für seine Eltern.

Durch die libysche Wüste ist John bis zum Meer geflohen. In Eritrea wäre er im Militärdienst zur Zwangsarbeit verpflichtet worden.

John
"In Eritrea gibt es keine Menschenrechte, niemand hat volle Rechte oder kann sagen, was er denkt, du bist immer unter der Kontrolle der Regierung ..."

In einem Schlauchboot überfüllt von Menschen flüchten Yasin und John über das Meer.

John
"Der Schleuser hat uns erzählt, dass es auf dem Boot keinen Kapitän gibt und dann hat er wahllos eine Person herausgepickt und ihn 10 oder 15 Minuten, ich weiß nicht mehr, unterrichtet, dass er einem Stern am Nachthimmel folgen soll. Am frühen Morgen war der Stern verschwunden und wir hatten keine Ahnung, wohin wir steuern sollten."

Europa betreibt Handel mit afrikanischen Diktatoren und unterstützt deren menschenverachtende Politik,  sagt der Bestsellerautor und Afrika-Experte Asfa-Wossen Asserate. Es ist an der Zeit, dass Europa seine Politik gegenüber Afrika verändert, fordert er in seinem Buch: Die neue Völkerwanderung.

Asfa-Wossen Asserate
Autor
"Und / wenn Europa weiterhin diese Politik in Bezug auf Afrika befolgen möchte, dann kann ich Ihnen garantieren, dass Millionen Afrikaner mit den Füßen abstimmen werden und zu uns nach Europa kommen."

Zehntausende versuchen jährlich über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Ein Flüchtlingsstrom ohne Ende.

Asfa-Wossen Asserate
"Zuerst mal machen wir Europäer eines falsch: dass sie keine gemeinsame europäische Afrika-Politik haben und das ist das allerwichtigste, denn es nützt nichts, wenn allein die Bundesrepublik Deutschland, sagen wir mal in Zukunft, sagen würde: mit diesem oder jenem Land werde ich keine diplomatischen Beziehungen mehr unterhalten, weil sie die Menschenrechte nicht beachten. Ich kann Ihnen versichern, dass dann zwei Tage später die Franzosen gehen werden, um gerade mit diesem Staat das beste Geschäft ihres Lebens machen würden."

Asfa-Wossen Asserate ist ein Prinz, er gehört zur äthiopischen Kaiserfamilie. 1974 muss er vor einer neu errichteten Militärdiktatur flüchten, in Deutschland bekommt er Asyl und studiert in Tübingen.

Asfa-Wossen Asserate
"Ich war ein exotisches Wesen damals dort, ich glaube an der ganzen Universität gab es ein Duzend Afrikaner, und wir wurden ganz anders gesehen, natürlich viel liebevoller, eine Mischung aus Interesse und auch Liebenswürdigkeit, Neugier und Liebenswürdigkeit."

Eigentlich lebt Asfa-Wossen Asserte in Frankfurt. Für die Ausstellung im Deutschen Historischen Museum - „Deutschland im Kolonialismus“ - ist er nach Berlin gekommen. Die Folgen der Kolonialzeit sind für ihn auch heute noch spürbar, vor allem in seiner Heimat Äthiopien.

Asfa-Wossen Asserate
"Alleine in Äthiopien wurden in den letzten 18 Monaten mehr als 1,5 Millionen Hektar Land an saudische, an chinesische und indische Unternehmen verkauft, nicht ein Kilo von der Ernte, die sie in Afrika zu Stande bringen, bleibt in Afrika, es ist alles für den Export… und das ist doch ein Wahnsinn: Der Kontinent hungert und wir exportieren Getreide in andere Länder."

85 % der Afrikaner sind unter 25 Jahre alt, sie wollen weg, nach Europa, egal wie.

Asfa-Wossen Asserate
"Man muss natürlich, wenn es schon so weit ist, alles tun, um Menschenleben zu retten, mir ist es aber viel wichtiger, dazu bei zu tragen, langfristig, dass die Menschen in ihren eigenen Ländern nicht ein reiches, aber ein menschenwürdiges Dasein führen können."

Afrikas Jugend rennt davon, auch Yasin möchte frei sein, ohne Angst vor Unterdrückung leben.

Yasin Jamal
"Deutsch ist eine schwere Sprache, aber ich will sie lernen, damit ich hier bleiben kann."

John
"Wir brauchen in Eritrea Freiheit, jeder sollte frei sein, selbst entscheiden können was er macht und wohin er geht."

Autorin Martina Hiller von Gaertringen

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