Vier Mädchen sitzen auf einer Bank und strecken ihre rechte Hand aus (Quelle: rbb)
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- Von der Ukraine nach Polen

Die Zahl der in Polen lebenden Ukrainer wächst rasant, 2015 kamen etwa 1 Million Menschen, um im Nachbarland arbeiten oder studieren. Wie kommen sie dort zu Recht, wie sieht ihr Alltag aus, welche Pläne haben sie für die Zukunft? In Poznań treffen wir Ilona Mykolayishyn, eine junge Ukrainerin, die an der Adam-Mickiewicz-Universität studiert und uns erzählt, mit welchen Schwierigkeiten und Hoffnungen sie "zwischen den Grenzen" und Kulturen lebt.

Ilona Mykolaishyn
"Mein Leben in der Ukraine war gut, ich habe dort viele Freunde, meine Familie. Die Menschen dort sind gut und nett, ich bin sehr gern da."

Ilona Mykolaishyn
"Es war mein 16. Geburtstag. An diesem Tag, dem 20. Februar, gab es die meisten Verluste auf dem Majdan, die meisten Toten. Bis heute fällt es mir schwer, darüber zu reden…

Seitdem feiere ich meinen Geburtstag nicht mehr. Wie soll ich feiern, wenn die Nachbarn nebenan weinen, weil ihr Sohn getötet wurde? Wie kann ich fröhlich sein?"

In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft kam Ilona vor zwei Jahren nach Poznań, um hier ukrainische Philologie zu studieren. Langsam gewöhnt sie sich an das Land und an die Menschen, die hier leben.

Ilona Mykolaishyn
"Wenn ich mich hier mit meinen Freunden oder ihren Eltern treffe, dann reden sie über angenehme Dinge, z.B. über den nächsten Urlaub... In der Ukraine geht es nur um Probleme, darum, wie man einen Monat übersteht und wann der Krieg aufhört."

Junge Ukrainer flüchten nicht nur vor dem Krieg ins Ausland. Ein ukrainisches Diplom wird in der EU nicht anerkannt, erst ein Studium in Polen öffnet ihnen die Tür nach Europa. Doch es gibt noch mehr Probleme.

Ilona 
"Es gibt Korruption an den Universitäten. Ich höre von Bekannten, dass sie ein Examen nicht bestehen können, wenn sie dem Dozenten kein Geld mitbringen. Das ist wirklich übel, es gibt dort kluge Menschen, die das Land mitgestalten könnten, aber wenn sie das Geld nicht zahlen, kriegen sie keinen Abschluss und landen auf der Straße."

Ihre Professorin, Olena Gomeniuk, kennt die Lage der ukrainischen Studenten in Polen. Seit 5 Jahren unterrichtet sie an der Adam-Mickiewicz-Uniwersität in Poznań.

Olena Gomeniuk
Professorin, Adam-Mickiewicz-Uniwersität
"Die Lage der ukrainischen Studenten hängt davon ab, wie vermögend ihre Eltern sind. Sind sie wohlhabend, können sie es sich erlauben, sich ganz dem Studium zu widmen. Wenn nicht, müssen die Studenten auch noch arbeiten, um sich einen Aufenthalt in Polen leisten zu können."

Als Einzelkind ist sie in der glücklichen Situation, dass ihre Eltern das Studium in Polen finanzieren.

Ganz anders ist bei Ilonas Bekannten, Jaroslav. Als Absolvent einer Sportakademie in der Ukraine arbeitet er in Polen in einem Lager und auf Baustellen, um sein Studium zu finanzieren.

Jaroslav But
"Meine Perspektive und mein Plan ist es, in Polen zu bleiben, zusätzliche Kurse zu belegen und meine Diplomarbeit zu verteidigen, und dann hier als Trainer zu arbeiten."

Autorin Joanna Ratajczak

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