Künstler und Kinder sitzen auf dem Boden und malen
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Bild: rbb

- Das Museum der Zukunft

"Was heute entsteht sind die Erinnerungen der Zukunft.  So kann die Kunst, die ich jetzt mache, das Museum der Zukunft sein." Witold Stypa ist der Meinung, dass das Altern eigentlich nichts anders ist, als "Farbe verlieren" und damit verwelken. Und als Künstler versucht der gebürtige Schlesier, sich dagegen zu wehren.

Eines Nachmittags im Prenzlauer Berg. Der polnische Maler Witold Stypa hat Kiezkinder zum Workshop eingeladen. Sein Enkel Emil ist auch dabei. Jeder bekommt eine Originalvorlage gezeichnet ... Die Farben müssen sie sich selbst ausdenken.

Emil: genau das Gleiche?
Witold: Nein, das ist nicht das Gleiche.

Bei seinen Bildern lässt sich Witold Stypa von der Energie und Farbenfreude der Kinder inspirieren.

Witold Stypa
"Junge Menschen strahlen, die haben sehr viel Licht.  Manchmal  ist es ja so, wenn ich die Tür offen habe,  da kommen hier Kinder rein, weil die ..  die werden von Farben  heran gezogen. Die Eltern gehen dann vorbei, weil die der Farbe gegenüber ein bisschen vorsichtiger geworden sind."

Für Witold Stypa ist das Erwachsen werden und Altern einfach ein "Abblättern" der Farbe!

Witold Stypa
"Naja, Sterben ist ...  Verlust der Farbe. Wir sehen das an den Bäumen, an den Menschen, und so weiter, wir werden immer grauer ...  es ist ein natürlicher Vorgang der Natur."

Schon seit den achtziger Jahren beschäftigt sich der gebürtige Schlesier mit seinem Konzept eines "Museums der Zukunft".  Grundlage dafür ist die Naturwissenschaft, die Natur, die Multidimensionalität des Raums, die er versucht, mit Mitteln der Kunst darzustellen, sie wahrnehmbar zu machen.

Witold Stypa
"Es geht nicht darum, dass ein Museum ein großes Gebäude ist, mit Steinen, gut ausgestattet, mit viel Personal, einem Millionen Etat und so weiter ...  es geht immer um ein Konzept."

Stypas "Museum der Zukunft" besteht aus drei Bereichen, der erste davon ist der "reale" Raum: seine Bilder und Skulpturen, ...  farbenfroh und verspielt, aber immer bezogen auf geometrische Modelle ... wie die sechzehn Kanten und acht Rundungen der Kaluza Gleichung für die fünfte Dimension, verschieden kombiniert, variiert und dekoriert.   

Der zweite Bereich  ist der "virtuelle": Es sind Online-Kunstvideos, die die Bewegung eines Elektrons beschreiben - erst zweidimensional und dann durch immer neue Schnittstellen mehrdimensional.

Der dritte Bereich ist der rein "konzeptuelle": bestehend aus noch nicht machbaren Kunstideen, die als Ansporn dienen, sie in der Zukunft realisieren. Zum Beispiel eine Licht  und Schatteninstallation von Europa bis Afrika ...

Witold Stypa
"Ich gehe davon aus, dass das Unmögliche ... nur das Unmögliche kann die Welt verändern."

Schon als Kind war Witold Stypa fasziniert von viel Farbe und ständiger Veränderung, was ein starker Kontrast war zum realsozialistischen Industrie-Grau seiner schlesischen Heimat. Kunst studierte er in Katowice und Krakau. Mitte der Achtziger Jahre emigrierte er nach Westdeutschland. Heute lebt Stypa in Berlin,  seine Kundschaft ist international. Aufträge, Workshops; er reist viel und ist auch in Polen viel unterwegs. Von Nationalgrenzen hält er nichts!

Witold Stypa
"Ich habe es nicht weit nach Polen, das ist vom Vorteil. Aber für mich persönlich ... das Wort Land hat an Bedeutung verloren. Ich lebe in Europa, aber Europa ist ja auch klein. Ich lebe auf einem Erdball, aber das ist auch klein. Ich lebe in einer Milchstraße, aber die ist auch klein -  und so weiter und so fort, können Sie noch weiter fortsetzen."

Für ihn ist eine Art Zeitreise. Witold erzählt gerne seinem Enkel Emil über seine Kindheit.

Witold Stypa
"Das war so eine von meiner Oma genähte Jacke ...  Schade, dass es kein Farbfoto ist, aber das war bunt. Rot und ein bisschen bläulich ...  ein bisschen gelb und so weiter, richtig farbig. In unserer Familie hat man gepflegt, eben viel Farbe zu haben."

Ob die Kinder meinen, dass der "Opa Witek" mit den Jahren auch etwas "farblos" geworden ist?

Emil Stypa
"Nee… Ne, eher einfarbig!

Und wenn! da kann man ja schnell was nachpinseln!

Autorin Milena Hadatty

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