Frau hält Karta Polaka in die Kamera
rbb
Bild: rbb

- Karta Polaka - "Greencard" auf Polnisch

Ob Spätheimkehrer oder Besitzer einer „Karta Polaka“– wer polnischer Abstammung ist darf nach Polen ohne Visum einreisen und bleiben. Über 200.000 Ukrainer oder Weißrussen sind seit der Einführung dieses Systems vor gut sieben Jahren nach Polen immigriert. Polen als EU-Mitglied ist attraktiv geworden für die jungen Menschen aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Knapp 60 Kilometer nördlich von Warschau liegt Pultusk, bekannt für sein Schloss. Die Millers sind polnisch-stämmige Einwanderer aus Kasachstan. Diese Wohnung haben sie gekauft.

Igor Miller
"Die schwere Arbeit haben wir selber gemacht: Fußböden verlegt, Wände gestrichen ..."

Anna Miller
"Ich habe immer davon geträumt, dass ich einen Geschirrspüler habe. Wir sind 5 Personen, und wenn noch die Gäste dazu kommen, dann gibt's viel zu spülen."

Das Badezimmer ist schon fast fertig, und die Tapeten im Kinderzimmer,… die  kommen aus Deutschland. Beim Kauf der 50qm-Wohnung hat die polnische Regierung ihnen großzügig unter die Armen gegriffen.

Igor Miller
25.000 Złoty  pro Person, und dann noch 6 Tausend für die Renovierung und Möbel. Ich habe eine große Familie, das macht 125 Tausend Złoty ... haben wir vom Staat bekommen ..."

Kateryna ist vor kurzem aus der Westukraine nach Warschau  gezogen. Staatliches Geld gibt es für die junge Ukrainerin vorerst nicht, aber sie darf sich hier niederlassen, weil sie eine sogenannte "Karta Polaka", also Polen-Karte besitzt.  

Kateryna Herasymovska
"Ich lerne Polnisch, weil ich meine Muttersprache besser beherrschen will. Ich will hier in Polen studieren ...  Vor ungefähr 5 Jahren habe ich ganz zufällig erfahren, dass meine Oma polnische Wurzeln hat, ist also eine Polin. Im Internet habe ich Infos über die Polen-Karte gefunden ..."

Der polnische Staat holt lieber Menschen mit polnischen Wurzeln aus dem Ausland, als fremde Flüchtlinge, womöglich Muslime. So wie die Millers! Zwei der Kinder besuchen schon eine polnische Schule.  

Anna Miller
"Meine Oma hat immer davon geträumt, nach Polen zurückzukehren. Und ich wollte schon immer ihren Traum erfüllen, deshalb habe ich in Kazachstan in der Schule Polnisch gelernt. Mein Mann ist deutschstämmig, er hat immer davon geträumt, nach Deutschland zu reisen.  Er sagte meinte,  wenn wir in Polen sind, dann könnt ich sogar zu Fuß zu meinen Deutschen! Aber jetzt ist es anders ..."

Igor Miller
"Wir waren zwei Wochen in Deutschland, es war ein kleiner Ausflug. Mir hat nichts gefallen dort: alles ist wie eingerahmt ...  alles genormt,  8 Stunden auf der Arbeit und dann nur Zuhause. Es gibt keine Gespräche, keine Begegnungen ..."

Kateryna mag die schön wiederaufgebaute Altstadt von Warschau. Noch weiß sie nicht, ob sie für immer in Polen bleiben will.

Kateryna Herasymovska
"Es erinnert mich an Lemberg, sehr, die Architektur ist ähnlich. Diese beiden Städte haben viel Gemeinsames aus der Vergangenheit, sie haben eine gemeinsame Geschichte ... Als Besitzerin einer Polen-Karte habe ich ein Visum für ein Jahr bekommen, ich kann auch meine Mutter einladen, die Polen-Karte macht's möglich ... Erst zwei Wochen bin ich hier. Davor war noch nie länger als zwei Tage in Polen gewesen. Aber ich fühle mich hier gut, ... und sicher."

Und In Pułtusk scheinen die Millers, all die Turbulenzen der Aus- Einwanderung hinter sich gelassen zu haben: endlich angekommen!

Anna Miller
"Ich bin glücklich, sehr glücklich. Zwei Wochen war ich neulich zu Besuch in Kazachstan , und jeden Tag sagte ich mir: ein Glück, dass wir nach Polen ausgereist sind!"

Igor Miller
"Als wir zum ersten Mal hierher kamen, haben wir uns wie Zuhause gefühlt. Warum also einen anderen Platz suchen? Pultusk ist das richtige für uns!"

 

Autor Krzysztof Czajka

weitere Themen der Sendung

Daniel Finger & Adriana Rozwadowska im rbb in Berlin
rbb

Kowalski & Schmidt vom 23.09.2017

++  500. Sendung und Start der neuen Kooperation mit Gazeta Wyborcza ++

+ Karta Polaka - "Greencard" auf Polnisch + Geschichte der Gazeta Wyborcza + "Wir Strebermigranten" + Von Russlanddeutschen und Deutschlandrussen + Das Museum der Zukunft

Moderation: Daniel Finger & Adriana Rozwadowska im rbb in Berlin

Zeitungsausschnitte über Trump
rbb

Geschichte der Gazeta Wyborcza

Der Runde Tisch – die Geburtsstunde der Demokratie in Polen ist auch die Geburtsstunde der Gazeta Wyborcza – auf Deutsch "Wahlzeitung". Sie ist ein Zugeständnis der Kommunisten an die Solidarność, die ersten demokratischen Wahlen in Polen, mit einer eigenen Zeitung zu begleiten. Weggefährte von Lech Wałęsa – Adam Michnik – wird ihr Chefredakteur.

Nahaufnahme von einer Frau
rbb

"Wir Strebermigranten"

In Deutschland leben rund zwei Millionen Aussiedler aus Polen. Sie integrieren sich so gut, dass sie keinem mehr auffallen. Emilia Smechwoski schildert das Phänomen anhand ihrer Familiengeschichte. Und die ist exemplarisch dafür, was sie meint mit ‚Strebermigranten’.

Von Russlanddeutschen und Deutschlandrussen
rbb

Von Russlanddeutschen und Deutschlandrussen

Nur Wenigen ist es bewusst, dass die Zuwanderung Deutschstämmiger aus Osteuropa auf ein Gesetz aus dem Dritten Reich zurückgeht. Die meisten „Spätaussiedler“ kamen in den 90-ern aus Kasachstan, wohin das Stalin-Regime die Russlanddeutschen während der Kriegszeit verbannt hatte. Wie haben die Russlanddeutschen sich im Laufe der Zeit in
Deutschland integriert?

Künstler und Kinder sitzen auf dem Boden und malen
rbb

Das Museum der Zukunft

"Was heute entsteht sind die Erinnerungen der Zukunft.  So kann die Kunst, die ich jetzt mache, das Museum der Zukunft sein." Witold Stypa ist der Meinung, dass das Altern eigentlich nichts anders ist, als "Farbe verlieren" und damit verwelken. Und als Künstler versucht der gebürtige Schlesier, sich dagegen zu wehren.