Buch von Uwe Rada (Quelle: rbb)
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- Uwe Rada - Verliebt in Polen

Uwe Rada ist Taz-Journalist und Osteuropaexperte. In seinen Texten, Aufsätzen und Reisereportagen baut er immer wieder Brücken zwischen Polen und Deutschland. Auch in seinem ersten Roman „1988“ setzt er dies fort: In West-Berlin, einem Jahr vor dem Fall der Mauer, lernt der Hausbesetzer Jan die Polin Wiola kennen. Beide kommen aus unterschiedlichen Systemen und haben andere Wertevorstellungen. Trotzdem verlieben sie sich ineinander. Jan träumt von einer antikapitalistischen Welt, Wiola von einem unabhängigen Polen. Gemeinsam begeben sie sich auf einen Road Trip durch Polen und danach wird nichts mehr sein wie davor. Ein Buch über Liebe, Werte und den Kapitalismus.

Uwe Rada liebt Polen. Seit über 20 Jahren beschäftigt sich der Autor und Journalist mit dem Nachbarland. Für seine Liebe zur polnischen Kultur hat er sogar polnisch gelernt.

Uwe Rada
Journalist
"Ich habe keine polnische Frau, keinen polnischen Hintergrund, ich habe das gemacht, weil Berlin so nah an der Grenze liegt und weil mich die polnische Literatur auch fasziniert, weil ich sie auch im Original lesen möchte und das hat mir das Land auch nochmal ganz anders erschlossen."

"Razem" ist polnisch und heisst: "Gemeinsam". Das Wort ist ein Schlüsselbegriff in Uwe Radas neuem Buch "1988". Der Roman erzählt die Liebesgeschichte zwischen einem Deutschen und einer Polin, Jan und Wiola, ein Jahr vor dem Fall der Mauer - das Paar reist von Berlin nach Krakau, auch Posen ist eine Station.

Uwe Rada
"Wichtig war, dass die Geschichte spielt im geteilten Europa, um einfach auch zu zeigen, dass beide Liebenden komplett aus anderen Welten kommen und sich trotzdem, das ist dann die Kraft der Liebe, begegnen können."

Auf ihrem Roadtrip durch Polen erleben die Liebenden ein Land im Wandel, der Bürgerproteste und der Solidarnosc. Gemeinsam träumen sie von razem – einem vereinten Europa.

Uwe Rada
"Damals war es ein sehr einfacher Traum, vielleicht auch ein naiver Traum, wenn die Teilung zu Ende ist, die ja im Grunde seit dem 2. Weltkrieg bestand, wenn Polen frei ist, wenn auch die anderen mitteleuropäischen Länder frei sind, dann wächst alles wieder zusammen, das ist in gewisser Weise auch passiert, nun knirscht es, aber vielleicht gehört das auch zum Familienleben auch dazu."

In seinem Roman beschreibt Uwe Rada die politischen Veränderungen Polens von 1988 bis in die Gegenwart. Was wurde aus dem Traum eines demokratischen Polens?  Was hat sich unter der Regierung der PiS geändert?

Uwe Rada
"Ich finde immer wieder erstaunlich oder auch erschreckend wie sehr die Pis auch in ihrer Politik und auch in ihrer Rhetorik auch versucht, gute und schlechte Polen ausfindig zu machen und ich frage mich manchmal, wo das hinführt, ob nicht diese Rhetorik der Spaltung nicht dasselbe ist wie auch in Zeiten des Kommunismus als es auch eine Opposition gab, die man verfolgte."

Zu unterschiedlich sind die Welten der beiden Liebenden in Uwe Radas Roman, die Beziehung von Jan und Wiola scheitert ... Doch wie steht es um den Zusammenhalt, um das razem in Europa?

Uwe Rada
"Wichtig ist für mich immer wieder, dass Europa nicht nur aus der Diktaturerfahrung der Nationalsozialisten besteht, obwohl das Singulär natürlich unumstritten ist, es gab aber auch die kommunistische Diktaturerfahrung, beides zusammzubringen und in ein Dialog zu treten, das wäre vielleicht eine art europäisches "razem"."

Uwe Rada lebt und arbeitet in Berlin. Auch für ihn ist die brennende Frage: Was ist los in Polen? Die Pressefreiheit wird eingeschränkt, die Unabhängigkeit der Justiz beschnitten - ein autoritäres System wird errichtet. Was kann man dagegen unternehmen? Besuch von der polnischen Kollegin Brygida Helbig-Mischewski. Auch sie ist Schriftstellerin und arbeitet mit Uwe Rada für ein deutsch-polnisches Ausstellungsprojekt zusammen. Seit über 30 Jahren lebt sie in Deutschland. Mit vielen Entscheidungen hierzulande ist sie unzufrieden.

Brygida Helbig-Mischewski
"Ein Beispiel wäre die Entscheidung Angela Merkels eine unbestimmte Zahl von Flüchtlingen aufzunehmen, die sie ja mit niemanden konsultiert hat aber keiner hat Polen vorher gefragt."

Uwe Rada
"Das ist, glaube ich, ein grosses Problem, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt auseinandergeht und dass es auf die zunehmende Spaltung auch bislang nur eine rechtspopulistische Antwort und keine sozialdemokratische oder linke Antwort mehr gibt."

Brygida Helbig-Mischewski
"Man hat den Eindruck, dass Polen als ein Land dargestellt wird, dass zivilsatorisch quassi noch nicht dazu bereit ist, zu Europa zu gehören, es darf keine Arroganz vorherrschen, keine Überheblichkeit ...  Polen muss trotzdem als ebenbürtiger Partner behandelt werden.

Razem heist auch zusammenhalten; ist wichtig zu wissen, auch wenn es manchmal ein wenig schwierig erscheint.

Uwe Rada
"Brücken bauen ist nach wie vor, auch wenn das zwischenzeitlich ein bißchen altmodisch klingt, ist sicher der Schlüssel zur Verständigung, wer Brücken abreisst, will auch keine Verständigung".

Autorin Martina Hiller von Gaertringen

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